World Vision in Somalia
- seit 1993 vor Ort
- Sitz des Landesbüros: Mogadishu
- Über 400 Mitarbeitende machen die Arbeit vor Ort möglich
- World Vision ist besonders in Somaliland, Puntland, Jubaland, Hirshabelle und Galmadud (Nordwesten und Zentral- und Südsomalia) aktiv
- Derzeit laufen 6 Hilfsprojekte in Somalia
Ausgewählte Erfolge unserer Arbeit
- Training und Unterstützung von 55 Spargruppen auf Dorfebene mit 1.143 Mitgliedern (700 Frauen und 443 Männer)
- Schulungen zu guten landwirtschaftlichen Praktiken mit 1.540 Teilnehmenden (801 Männer und 739 Frauen)
- Instandsetzung von Bewässerungskanälen durch Cash-for-Work Aktivitäten, an denen 3.358 (1693 männliche und 1665 weibliche) Personen teilnahmen
Aktuelle Lage: Warum Hilfe in Somalia notwendig ist
Die aktuelle Lage in Somalia ist komplex und von mehreren Krisen gleichzeitig geprägt. Millionen Menschen sind auf Humanitäre Hilfe angewiesen, insbesondere Kinder und Familien in ländlichen Regionen oder in provisorischen Siedlungen.
Wiederkehrende Dürren und Überschwemmungen zerstören Ernten und dezimieren Viehbestände. Viele Familien verlieren dadurch ihre wichtigste Lebensgrundlage. Gleichzeitig erschweren Lebensmittelengpässe und hohe Lebensmittelpreise den Zugang zu Nahrung. Die Folge: Armut und Hungersnot nehmen immer weiter zu. Rund 4,4 Millionen Menschen sind von Hunger bedroht.
Die anhaltenden bewaffneten Konflikte, insbesondere durch die Al-Shabaab-Miliz, verschärfen die humanitäre Lage zusätzlich. Infrastruktur wurde zerstört, Familien zur Flucht gezwungen. Die Zahl der Binnenvertriebenen übersteigt heute laut der Internationalen Organisation für Migration (kurz: IOM) 3,8 Millionen Menschen.
Gleichzeitig ist das Gesundheitssystem an vielen Orten unzureichend ausgestattet. Kinder, die ohnehin schon geschwächt sind, haben kaum Zugang zu Behandlungen. Das Bildungssystem leidet ebenfalls: Millionen Kinder besuchen keine Schule, was ihre Entwicklungschancen noch weiter gefährdet.
Deshalb ist langfristige Entwicklungszusammenarbeit in Somalia so wichtig. Sie hilft Lebensbedingungen nachhaltig zu verbessern. Gemeinsam mit Partnern arbeiten Hilfsorganisationen wie World Vision täglich daran, dass Kinder gesund aufwachsen, zur Schule gehen und in Sicherheit leben können.
Viele Menschen sind von Hunger bedroht
4,4 Millionen Menschen in Somalia sind akut von Hunger bedroht.
Millionen Binnenvertriebene
3,8 Millionen Menschen sind Vertriebene in ihrem eigenen Land.
Gleich mehrere Krisen erschweren das Leben der Menschen
Millionen Menschen sind auf Humanitäre Hilfe angewiesen.
Humanitäre Hilfe in Somalia: Schwerpunkte unserer Hilfsprojekte
Entwicklungszusammenarbeit ist ein langfristiger, gemeinsamer Prozess. Sie funktioniert dann am besten, wenn sie nicht mit einzelnen Projekten endet, sondern Strukturen verändert. Deswegen setzt World Vision auf ganzheitliche Ansätze, damit Familien und Gemeinschaften auch künftig bestehen. Das sind die zentralen Schwerpunkte unserer Arbeit:
So hilft World Vision im Bereich Gesundheit und Ernährung
Kein Kind soll hungern. Wir wollen möglichst vielen Kindern Zugang zu ausreichender Ernährung, sauberem Wasser und medizinischer Versorgung geben.
Unsere Hilfsprojekte in Somalia kombinieren sofortige Nahrungsmittelversorgung mit langfristigen Strategien zur Ernährungssicherheit. Zu unseren Maßnahmen gehören unter anderem die Prävention und Behandlung von Mangelernährung, Beratung zur Säuglings- und Kleinkindernährung sowie Schulernährungsprogramme, die Hunger lindern und Schulbesuche fördern. Gleichzeitig helfen wir Haushalten mit klimaresistenter Landwirtschaft und Spargruppen dabei, sich langfristig selbst zu versorgen.
Darüber hinaus unterstützt World Vision Gesundheitspersonal mit Ausrüstung und Fortbildungen und verbessert den Zugang zu grundlegender Gesundheitsversorgung.
So hilft World Vision im Bereich Bildung
Bildung ist Zukunft. Unser Ziel ist es, für Kinder ein sicheres und förderliches Lernumfeld zu schaffen. Mit Schulernährungsprogrammen und WASH-Infrastruktur (sauberes Wasser und Toiletten) schaffen wir die Voraussetzungen dafür, dass Kinder regelmäßig kommen und konzentriert lernen können.
Darüber hinaus werden Kinder durch Gesundheitsklubs und Hygieneaufklärung an Schulen befähigt, gute Gesundheits- und Ernährungspraktiken zu übernehmen. Lehrkräfte und Mitglieder der Gemeinschaft helfen, dieses Wissen zu vermitteln und werden dafür geschult.
So hilft World Vision im Bereich Kinderschutz
Kinder brauchen mehr als materielle Versorgung, sie brauchen Sicherheit, Geborgenheit und das Recht, Kind sein zu dürfen. In Somalia sind Gewalt, frühe Verheiratung, Vernachlässigung und Diskriminierung ein weitverbreitetes Problem für Kinder. World Vision stärkt deshalb das Schutzumfeld von Kindern auf mehreren Ebenen gleichzeitig.
Eltern erhalten Schulungen in positiver Erziehung und psychosozialer Unterstützung, zeitgleich entstehen Kinderschutzkomitees und sichere Räume in den Gemeinden. Religiöse Führer, Jugendliche und traditionelle Autoritäten werden in unsere Arbeit mit einbezogen, um gemeinsam ein schützendes Umfeld für Kinder zu kreieren.
So hilft World Vision im Bereich Lebensgrundlagen schaffen
Wenn Familien ihre Lebensgrundlagen selbst sichern können, beginnt echte Transformation. Wir arbeiten als Hilfsorganisation in Somalia deshalb konsequent daran, die Abhängigkeit von kurzfristiger Unterstützung zu verringern.
Viele Haushalte in Somalia sind von einer erfolgreichen Ernte abhängig. Ohne sie bricht alles weg. Wir helfen mit klimaresilienter Landwirtschaft und Maßnahmen zur Wiederbegrünung von ausgezehrten Böden (FMNR) dabei, Ernteerträge zu steigern und Anbausysteme zu entwickeln, die auch schwierige Jahre überstehen.
Gleichzeitig unterstützen unsere Hilfsprojekte in Somalia Haushalte dabei, ihr Einkommen auf mehrere Beine zu stellen, für ihre Produkte Zugang zu Märkten zu erhalten und finanzielle Polster aufzubauen. Zum Beispiel durch die Gründung von lokalen Spargruppen. So legen wir gemeinsam den Grundstein für eine eigenständige und sichere Zukunft.
So hilft World Vision im Bereich Wasser, Sanitärversorgung und Hygiene (WASH)
Schmutziges Wasser und fehlende Hygiene sind häufig Mitursache von Infektionskrankheiten. World Vision setzt genau hier an und verbessert die Wasser-, Sanitär- und Hygienesituation in Schulen und Gemeinden. Neben einer sicheren Wasserversorgung und latrinenbasierten Sanitärsystemen setzen wir uns auch für Hygieneaufklärung ein, damit Wissen und Verhalten Hand in Hand gehen.
Zusätzlich verknüpfen wir diese Maßnahmen mit Ernährungs- und Gesundheitsprogrammen, um Kinder vor vermeidbaren Infektionen zu schützen, Mangelernährung zu vermeiden und bessere Lebensbedingungen zu schaffen.
Hilfe zur Selbsthilfe: So wirkt unsere Humanitäre Hilfe in Somalia
Häufig werden die Begriffe Entwicklungshilfe in Somalia und Entwicklungszusammenarbeit synonym verwendet. Für World Vision besteht hier jedoch ein entscheidender Unterschied: Während klassische Nothilfe oft kurzfristig Leid lindert, setzt Entwicklungszusammenarbeit auf eine gleichberechtigte, langfristige Partnerschaft. Gemeinsam bauen wir Systeme auf, die über den Moment hinaus Bestand haben. Wir wollen mit unserer Arbeit die Widerstandsfähigkeit von Gemeinden gegenüber Klimakatastrophen und wirtschaftlichen Krisen dauerhaft stärken. Diese Beispiele zeigen, wie unsere Arbeit Veränderung schafft:
Häufig gestellte Fragen zu unserer Hilfe in Somalia
Ja, Somalia zählt zu den Ländern des globalen Südens und steht vor großen Entwicklungsherausforderungen. Der UN-Index für menschliche Entwicklung (HDI) weist Somalia als eines der am stärksten benachteiligten Länder weltweit aus.
Aktuell ist Somalia ein föderal organisierter Staat, der seit 2012 strukturell neu aufgebaut wird. Ziel ist es, nach Jahrzehnten des Bürgerkriegs eine funktionierende Regierung und Stabilität zu schaffen.
Doch die politische Situation in Somalia bleibt fragil. Seit dem Zusammenbruch der Zentralregierung 1991 kämpft das Land mit den Folgen von Instabilität und bewaffneten Auseinandersetzungen. Die ohnehin schon angespannte Sicherheitslage wird durch die gewaltsame Auseinandersetzung der Regierung mit der Terrorgruppe Al-Shabaab bestimmt.
Die politische Lage beeinflusst direkt, wie und wo Hilfsorganisationen in Somalia arbeiten können. Trotz dieser Herausforderungen gibt es Fortschritte: Wahlen wurden abgehalten, lokale Verwaltungsstrukturen gestärkt und humanitäre Zugänge verbessert.
In Somalia gibt es vor allem im Süden und in der Mitte des Landes bewaffnete Konflikte. Die islamistische Miliz Al-Shabaab kämpft gegen die somalische Bundesregierung und internationale Unterstützungskräfte. Sie kontrolliert Teile des Landes und stellt eine erhebliche Sicherheitsbedrohung dar. Anschläge und Gefechte gehören zum Alltag vieler Menschen in betroffenen Regionen.
Somaliland ist eine im Nordwesten Somalias gelegene Region, die sich 1991 von Somalia abgespalten und für unabhängig erklärt hat. International wird Somaliland allerdings nicht als eigenständiger Staat anerkannt, sondern gilt völkerrechtlich weiterhin als autonome Region innerhalb Somalias.
Im Vergleich zum Rest des Landes gilt Somaliland als erheblich stabiler und sicherer, dennoch leidet auch Somaliland unter Armut, Dürren und eingeschränktem Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung.