Somalia

Stärkung der Resilienz chronisch vulnerabler Menschen, Gemeinden und Wirtschaftssysteme gegenüber wiederkehrender Klima-Schocks in Somalia

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Finanziert von:

Das BMZ ist für die Konzeption der langfristigen Entwicklungszusammenarbeit der Bundesrepublik Deutschland verantwortlich. Zur Umsetzung von entwicklungspolitischen Maßnahmen unterstützt das BMZ auch Nichtregierungsorganisationen wie World Vision Deutschland. Im Finanzjahr 2020 konnten wir fünf neue Projekte umsetzen, die vom BMZ gefördert wurden.

Projektzeitraum:

Oktober 2020 - September 2023

Land:

Somalia

Finanzvolumen:

3.570.000 Euro (davon 3.500.000 Euro von dem Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, 70.000 Euro aus Eigenmitteln von World Vision Deutschland)

Projektbeschreibung:

World Vision Öffentliche Geber: Karte Somalia

Somalia ist noch immer gekennzeichnet von zwei Jahrzehnten Chaos, Bürgerkrieg und wirtschaftlichem Niedergang. Angesichts regelmäßig wiederkehrender schwerer Naturkatastrophen und bewaffneter Konflikte zählt das Land am Horn von Afrika zu den humanitären Krisenländern, in denen Nothilfemaßnahmen für Teile der Bevölkerung dauerhaft überlebensnotwendig sind. In den letzten 25 Jahren wurde der Staat immer wieder von langanhaltenden Dürreperioden heimgesucht, die in Verbindung mit ausbleibenden Regenfällen verheerende Auswirkungen für Land und Leute haben. Die extreme Trockenheit lässt Brunnen versiegen, Ernten vertrocknen und Vieh verenden, was die Lebensgrundlage der überwiegend von Landwirtschaft und Viehzucht lebenden Somalis immens gefährdet. Ungefähr 70% der Somalier sind von Klima-empfindlicher Landwirtschaft und Weidewirtschaft abhängig. Die extremen Regenfälle und Fluten während des letzten Gu‘ (April-Juni 2020) haben zur Vertreibung von 418.000 Menschen geführt. Während Armut im ganzen Land weit verbreitet ist, besteht eine besonders hohe Konzentration monetärer wie nicht-monetärer Armut unter der ländlichen Bevölkerung und bei Nomaden, die aufgrund ihrer Abgelegenheit und Mobilität schwer zu erreichen sind. Die Zusammenhänge zwischen Klima- und Umweltveränderungen, Dürre, Armut, Fragilität und langwierigen Konflikten sind in Somalia wohl stärker ausgeprägt als in jedem anderen Land. Somalia befindet sich in einem Klimanotfall, der durch anhaltende bewaffnete Konflikte noch verschärft wird. Circa 5.2 Millionen Menschen in Somalia sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. Seit März 2020 ist die Bevölkerung Somalias zudem von der COVID-19 Pandemie betroffen. Bis 22.07.2020 sind laut WHO 3.111 COVID-19 Fälle in Somalia bestätigt, davon 144 in South West State. Darüber hinaus ist das Projektgebiet von einem starken Anstieg in Cholera-Fällen betroffen (772 Fälle in South West State), was den Bedarf an besserem Zugang zu sauberem Wasser, sanitären Einrichtungen und Hygienemaßnahmen für die besonders vulnerable Bevölkerung noch weiter verdeutlicht. Die Kombination dieser Faktoren trägt außerdem zu einer drastischen Verschlechterung der Ernährungslage bei.

Ziele und Inhalte des Projekts:

Das Projekt wird im Rahmen des Somali Resilience Program (SomReP) umgesetzt - ein Konsortium von 7 internationalen Nichtregierungsorganisationen, das nach der Hungersnot von 2011 gegründet wurde und anstrebt, die Herausforderungen der immer wiederkehrenden Dürren und der chronischen Vulnerabilität, denen Viehzüchter, Agro-Pastoralisten und Haushalte in ganz Somalia ausgesetzt sind, zu bewältigen. Das Projekt trägt zur wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Resilienz der Gemeinden bei indem von Land- und Viehwirtschaft abhängige Individuen und Haushalte beispielsweise in klimasmarten landwirtschaftlichen Praktiken geschult werden. Dies ermöglicht ihnen ihre Ernährungssituation und Lebensgrundlagen vor den negativen Auswirkungen unmittelbarer klimatischer Schocks und ökonomischen Krisen zu schützen. Vorwiegend junge Frauen und Männer, Menschen mit Behinderung und Binnenvertriebe werden durch Berufsausbildung in ausgewählten nachhaltigen Wirtschaftszweigen zur Schaffung alternativer Einkommensmöglichkeiten und Lebensperspektiven befähigt. Ferner werden insbesondere Frauen durch die Einrichtung und Schulungen von Spargruppen in ihrem sozialen und wirtschaftlichen Status gestärkt. Die Spargruppen verbessern die Einkommensgrundlagen der Teilnehmer und stellen eine wirksame Plattform zur Selbstorganisation dar, die in Kombination mit gezielten Weiterbildungen in Unternehmertum und Life Skills (z.B. Haushaltsökonomie) nachweislich zu einer Verbesserung des Wohlergehens der Haushalte und signifikant zur Stärkung der wirtschaftlichen und sozialen Rolle von Frauen und anderen marginalisierten Menschen beiträgt. Weiterhin werden auf Gemeinde-Ebene Frühwarnsysteme zur Katastrophenvorsorge unterstützt sowie zentrale Wasserstellen saniert und gebaut, um sicherzustellen, dass Gemeinden angesichts häufigerer und schwerwiegender Dürreperioden ganzjährig Zugang zu Wasser sowohl für den Hausgebrauch als auch zur landwirtschaftlichen Nutzung haben.

Insgesamt gibt es folgende vier Zielsetzungen, die zur nachhaltigen Verbesserung der Ernährungssicherheit, der Lebensgrundlagen und der Widerstandsfähigkeit von pastoralen, agro-pastoralen und peri-urbanen Gemeinden in Afgoye und Baidoa beitragen sollen:

  1. Haushalte verfügen über gestärkte Kapazitäten, um Krisen zu bewältigen und die katastrophalen Auswirkungen extremer Naturereignisse zu minimieren.
  2. Individuen, Haushalte und Gemeinden sind verstärkt in der Lage trotz externer Schocks positive Handlungsoptionen zu nutzen und setzen Strategien zur Anpassung an die Auswirkungen plötzlicher Schocks und langfristiger Veränderungen ein
  3. Ernährungssicherheit und Widerstandsfähigkeit sind durch verbesserte Kapazitäten zur nachhaltigen Einkommenssteigerung und Förderung angepasster Wirtschaftssysteme gestärkt.
  4. Transparente und partizipative Strukturen lokaler Institutionen auf Gemeinde-, Distrikt- und Landesebene stellen verstärkt positive administrative und regulatorische Bedingungen für nachhaltige Lebensgrundlagen und Wirtschaftsentwicklung sicher.

An wen richtet sich die Hilfe?

Die Projektinterventionen zielen auf die Resilienzstärkung auf Haushalts-, Gemeinde-, und Systemebene in insgesamt 43 Dörfern mit 71.566 direkt Begünstigten und sind an den besonderen Bedarfen der verschiedenen Bevölkerungsgruppen, wie agro-pastorale und pastorale Gemeinschaften sowie Binnenvertriebe, ausgerichtet.