Angeregte Diskussion in einem "Channels of Hope"-Workshop von World Vision

Glaubende aktiv für Entwicklung

"Channels of Hope" ist ein Katalysator für Veränderungen bei den schwierigsten Themen

„Channels of Hope“ (CoH) ist ein Ansatz, mit dem World Vision religiöse Autoritäten und Religionsgemeinschaften mobilisiert, auf soziale Probleme und Kernfragen einzugehen, die ihre Gesellschaft betreffen. Ursprünglich wurde der Ansatz für die HIV-Arbeit von Kirchen in Afrika entwickelt. Heute nutzen World Vision-Programme und ihre Partner adaptierte Modelle von "Channels of Hope" auch für die interreligiöse Zusammenarbeit und für ein größeres Themenfeld. In mehr als 40 Ländern engagieren sich Religionsgemeinschaften damit beispielsweise für den Schutz von Kindern vor Gewalt und Missbrauch. Weitere aktuelle Themen sind: die Förderung der Gesundheit von Müttern und Kindern, die Ebola-Bekämpfung, Geschlechtergerechtigkeit und Reduzierung geschlechtsspezifischer Gewalt.

Auf die Beziehung des Ehepaars Henry und Rina hat sich "Channels-of-Hope"-Arbeit gegen geschlechtsspezifische Gewalt positiv ausgewirkt.

Warum wendet sich „Channels of Hope“ an Glaubensführer und Religionsgemeinschaften?

Der Glaube ist für die Mehrheit der Weltbevölkerung ein bedeutender Teil ihrer Identität. Klammert man ihn aus, verschließt man sich einem wichtigen Zugang zu vielen Themen. Bei manchen Themen haben Glaubensinhalte, Werte und damit verbundene Normen sogar eine Schlüsselrolle. Oft ist schon die Diskussion dieser Themen mit Tabus behaftet, so dass man erst das Vertrauen der Angesprochenen besitzen und möglichst auch in ihrer Sprache mit ihnen sprechen muss, um ein Nachdenken über Veränderungen der bisher vertrauten Einstellungen und Verhaltensweisen in Gang bringen zu können. 

 

Glaubensführer gehören außerdem in vielen Regionen der Welt zu den einflussreichsten Mitgliedern einer Gesellschaft. Ihre Überzeugungen und Werte können ganze Gemeinschaften dazu inspirieren, sich umeinander zu kümmern. Sie haben tiefgehende, vertrauensvolle Beziehungen und Verbindungen zu ihren Gemeinschaften und bestimmen oft, welche Verhaltensweisen vorgeschrieben oder verboten sind. Mit ihrem Einfluss können sie den Dialog und ein Umdenken fördern. Sie können – wenn sie die Prioritäten dafür setzen - außerdem die Kompetenz ihrer Gemeinschaften erhöhen, den Bedürfnissen der Gemeinschaft gerecht zu werden und Missstände zu überwinden. Vor allem in fragilen Kontexten haben Glaubensgemeinschaften eine größere Reichweite als Nichtregierungsorganisationen und sogar Regierungen. Manchmal übernehmen sie in einer Krisenregion sogar die humanitäre Arbeit, indem sie zum Beispiel Hungernde mit Nahrung versorgen oder Kranke pflegen. 

 

Organisationen mit religiösem Hintergrund sind nicht zuletzt Träger vieler Bildungs-und Wohlfahrtseinrichtungen. Sie übernehmen bereits gesellschaftliche Aufgaben, sind also naheliegende Partner der Entwicklungszusammenarbeit. Ohne angemessene Information und Einsicht können ihre Leitungen aber auch unbeabsichtigt Stigmatisierung und Diskriminierung fördern oder zur Legitimation schädlicher Praktiken beitragen. Dann werden sie zum Hindernis für Entwicklung. 

Priester Psak Mkrtchyam von der Armenisch-orthodoxen Kirche hilft Kindern einer vom ihm begleiteten Familie beim Schachspiel.

Wie funktioniert „Channels of Hope“?

„Channels of Hope“ ist als moderierter interaktiver Prozess konzipiert, der Kreise vom Individuum in seine Gemeinschaft und von dort in das Umfeld zieht. Am Anfang steht normalerweise ein Workshop für Glaubensführer. Er ist darauf ausgerichtet, das Herz zu bewegen, den Geist zu informieren  und eine nachhaltige und effektive Reaktion auf die diskutierten Probleme zu motivieren. So gewinnen die Teilnehmer beispielsweise vertiefte Kenntnisse über die Aussagen ihrer heiligen Schriften zu Geschlechterrollen oder dem Umgang mit Kindern, ergänzt um andere Informationen, und ebenso diskutieren sie ihre persönlichen Sichtweisen und Erfahrungen in einem geschützten Rahmen. 

 

Imame und Pastoren in Mali wurden durch "Channels of Hope" zum gemeinsamen Engagement für Kinder motiviert.

Das Programm unterstützt die trainierten Frauen und Männer dann dabei, mit ihren Gemeinschaften passende Aktivitäten zu entwickeln bzw. das behandelte Thema in ihre Kommunikation einzubeziehen. Wichtig für den Erfolg ist nach unserer Erfahrung eine gute Begleitung des daraus entstehenden Engagements, mit der Möglichkeit zur Reflexion der Erfahrungen, Herausforderungen und Ergebnisse. Insgesamt zeigt der "Channels of Hope"-Ansatz großes Potential,  Mauern zwischen den Religionen und in ihren eigenen Gemeinschaften nieder zu reißen, um auf ernste, oft tabuisierte Probleme zu reagieren und das Wohlergehen aller in der Gemeinschaft zu fördern.

Erkenntnisse aus der Praxis

Zwei Schwestern in Afghanistan

Ein neuer Blick auf Mädchen in Afghanistan

Imame unterstützen Kampagne gegen Kinderheirat

Ebenso wie andere Programm-Ansätze ist„"Channels of Hope“ oft ein Baustein in einem umfassenderen Engagement zu einem Thema. Im Bereich Kinderschutz wird der Ansatz beispielsweise kombiniert mit einer Stärkung der lokalen oder regionalen Kinderschutzsysteme und mit Ansätzen zur Befähigung der Kinder und Jugendlichen, sich selbst für ihre Rechte einzusetzen. Bei Familienplanung oder Ebola-Bekämpfung kann "Channels of Hope" die Aufklärung und Unterstützung von Haushalten durch Gesundheitsfachpersonal ergänzen. Wie auch immer die Konstellation aussieht - die beteiligten Glaubensführer und ihre Gemeinschaften werden dazu ermutigt mit anderen geeigneten Partnern zusammen zu arbeiten. Daher sind Veränderungen in einer Community oft auf mehrere Einflussfaktoren zurück zu führen, aber World Vision wertet auch gezielt Erkenntnisse über die Einbeziehung des Glaubens und die Zusammenarbeit mit Glaubensgemeinschaften aus. 

Wie oben erwähnt sehen wir - in ganz unterschiedlichen kulturellen und sozialen Kontexten, dass der Ansatz wie ein Katalysator für informiertes Engagement von Religionsgemeinschaften zu schwierigen Themen der Entwicklung wirkt und Mauern zwischen ihnen beseitigt. Ausgebildete Glaubensführer bezeugen bei vielen Gesprächen, dass sie mehr Verantwortung für gesellschaftliche Fragen empfinden als vorher, sich kompetenter fühlen darauf einzugehen und aktive Teilnehmer von Entwicklungsprozessen geworden sind. Sie tauschen sich mit anderen Gemeinschaften aus, überwinden Berührungsängste zu anderen Konfessionen. Sie versuchen auch, bestehende Unterstützungsstrukturen zu stärken, und wenn es diese noch nicht gibt zu einem Anliegen, starten oder mobilisieren sie mit ihren Gemeinden eigene  Aktionseinheiten.

 

Einige Beispiele finden Sie in diesen Publikationen:


Zur Familienplanung und Mutter-Kind-Gesundheit:
Zusammenfassung des Modells
Arbeit mit "Channels of Hope" zur Steigerung der Nachfrage nach Information und Diensten zur reproduktiven Gesundheit in Burundi
 

Zur Ebola-Bekämpfung in Westafrika:
Best Practice / Giving back dignity to Ebola Victims (GIZ)
Explorative Study to Examine the Effectiveness of Community Based Ebola Virus Disease Prevention and Management Strategies in Bo District Sierra Leone
 

Zum Kindesschutz und zur Beendigung von geschlechtsspezifischer Gewalt: 
Zusammenfassung: Channels of Hope for Child Protection
Zusammenfassung: Channels of Hope for Gender
Community Vision for Change Project Evaluation 
Video zur Überwindung geschlechtsspezifischer Gewalt auf den Solomon Islands

Video über die Arbeit mit Imamen in Afghanistan gegen Kinderheirat
Video über die Arbeit gegen Kinderopferung (Child Sacrifice) in Uganda