Früher hatte Sury Angst vor den Jungs in ihrer Schule. Heute spielt die Elfjährige sie auf dem Bolzplatz alle in Grund und Boden. Dass sie so selbstbewusst auftreten kann, daran hat sie hart gearbeitet. Geholfen hat ihr dabei nicht nur ihr Lieblingssport, sondern ein Kinderklub von World Vision.
Verinnerlichte Rollenbilder halten Sury in der Schule zurück
Sury malt einen Fußballplatz, als sie gefragt wird, wie eine Welt aussieht, in der sie frei von Angst leben kann. „Der Fußballplatz ist eine Metapher für einen Ort, an dem Mädchen genauso gut wie Jungs sein können, und sogar besser.”
Genau diese Erfahrung macht Sury nämlich, wenn sie Fußball spielt. Wer sie auf dem Spielfeld antrifft, lernt eine ehrgeizige Stürmerin kennen, jede Torchance zu nutzen weiß. Selbstbewusst prescht sie nach vorne, motiviert ihr Team mit lauten Rufen. Dass sie sich bis vor Kurzem nicht mal traute, vor ihrer Schulklasse zu sprechen, sieht man ihr nicht an.
Beim Fußball lernt Sury, an sich selbst zu glauben
Tatsächlich hat die Elfjährige lange viele Schwierigkeiten in der Schule. Sie beteiligt sich kaum am Unterricht, bleibt still im Hintergrund, aus Angst, dass sich die Jungs in ihrer Klasse über sie lustig machen. Wie viele Mädchen in Guatemala macht sie schon früh die Erfahrung, dass ihre Meinung nicht zählt. Warum sollte sie ihre Stimme also überhaupt erheben?
Als sie einem Kinder- und Jugendklub von World Vision beitritt, lernt Sury etwas Entscheidendes: Jedes Kind hat das Recht, sich zu entfalten! In verschiedenen Aktivitäten können sich Kinder ausprobieren und ihre Stärken entdecken. Für Sury ist es der Fußball, der ihr zu neuem Selbstvertrauen verhilft: „Ich liebe Fußball, weil man sich so viel bewegt. Wenn ich auf dem Platz bin, konzentriere ich mich auf das Spiel und vergesse meine Vergangenheit. Ich weiß genau, wie ich mich bewegen muss. Ich beherrsche den Ball.”
Im Spiel muss Sury schnell Entscheidungen treffen und gut im Team arbeiten. Ihre Meinung zählt hier, denn sie trägt zum Erfolg ihrer Mannschaft bei. Dass sie ein Mädchen ist, spielt hier keine Rolle. „Gestern habe ich mit den Jungs gespielt. Sie wissen ganz genau, dass ich die bessere Fußballerin bin.”
Mädchen haben ein Recht auf ein Umfeld, das ihre Stärken fördert
Während Sury in ihrem Hobby aufblüht, erhält sie im Kinderklub die notwendige Unterstützung, um ihr Selbstbewusstsein auch in ihren Alltag mitzunehmen. Sie lernt, dass sie ihre Stärken wie Teamwork und Zielstrebigkeit auch im Unterricht einsetzen kann. Heute geht sie gerne zur Schule und weiß, dass sie nicht hinter den Jungs zurückstehen muss. Doch sie sieht auch, dass Selbstbewusstsein nicht ausreicht, damit Mädchen respektiert und gehört werden. Deshalb setzt sie sich im Rahmen des Kinderklubs dafür ein, veraltete Einstellungen in ihrer Gemeinschaft zu ändern. Zum Beispiel mit dem Kunstprojekt, für das sie den Fußballplatz gemalt hat, um anderen Kindern zu zeigen, wie eine bessere Zukunft aussehen kann.