Flüchtlinge aus dem Kongo

Fragile Staaten - fragile Kontexte

Viele Kinder dieser Welt leiden Hunger, andere gehen nicht zur Schule, wieder andere leben unter extrem ärmlichen Verhältnissen. Zahlreiche Kinder erleben täglich physische oder psychische Gewalt. Jeder einzelne dieser Umstände raubt den Kindern ihre Kindheit. Kommen mehrere Faktoren zusammen, sind die Kinder in ihrer Entwicklung extrem gefährdet: Sie sind gezwungen, in permanenter Unsicherheit zu leben, mit Gewalt und ohne Perspektive und das auf lange Sicht. World Vision nimmt sich verstärkt dieser Kinder an. Die meisten von ihnen leben in Regionen oder Ländern, in denen eine staatliche Struktur nicht mehr zu erkennen ist – in sogenannten fragilen Staaten.

Expertin Verena Bloch World Vision-Expertin Kinderrechte und Bildung
In fragilen Staaten erleben ganze Generationen keine Kindheit mehr. Wir setzen uns dafür ein, dass Kinder dort Bildung, Ernährung und Sicherheit erfahren.
Verena Bloch, Fachreferentin für Kinderrechte und Bildung

Was sind fragile Staaten?

Länder werden dann als fragil – zerbrechlich – bezeichnet, wenn die Staatsführung die Grundfunktionen in den Bereichen Sicherheit, Rechtsstaatlichkeit und Grundversorgung nicht gewährleisten kann oder will oder wo diese Funktionen bedroht oder abwesend sind. Man nennt sie auch schwache Staaten oder gescheiterte Staaten („failed states“). Bezieht sich dieser Zustand nicht auf einen ganzen Staat, sondern auf eine Region oder ein Gebiet, spricht man von fragilen Kontexten. Fragil bedeutet zudem, dass sich die momentanen Bedingungen schnell zum Schlechteren entwickeln können.

Ursachen und Bedeutung

Fragile Kontexte bestehen oft über einen langen Zeitraum. Ihre Ursachen haben sie häufig in Bürgerkrieg, Flucht und Vertreibung – zunehmend werden aus solchen Konflikten chronische Krisen, langanhaltend und mit der Zeit von der Welt vergessen. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes leben Flüchtlinge durchschnittlich 17 Jahre in einem Lager. Meistens erhalten sie dort nur die Grundversorgung, in der Annahme, die Situation werde sich bald bessern. Oft können die Betroffenen aber nicht wie erhofft innerhalb kurzer Zeit wieder in ihr altes Leben zurückkehren. Die Kinder, die in dieser Zeit heranwachsen, ohne Bildung, ohne Frieden, sind Teil einer verlorenen Generation, einer „lost generation“.

Hilf uns mit einer monatlichen Spende, das Leid dieser Kinder zu beenden und ihnen ein Stück Kindheit zurückzugeben. 

Kinder in einem World Vision Kinderschutz-Zentrum im Kongo.

Als die Kämpfe zwischen Rebellen und Soldaten in ihrem Dorf im Kongo ausbrachen, waren viele dieser Kinder gerade in der Schule. Wie fast alle Dorfbewohner versteckten sie sich monatelang auf einer Insel im nahe gelegenen Fluss.

Junge in einem World Vision Kinderschutz-Zentrum im Kongo.

Durch die traumatischen Erlebnisse im Dorf und auf der Flucht haben einige Kinder aufgehört zu sprechen.

Kinder in einem World Vision Kinderschutz-Zentrum im Kongo.

Gemeinsam mit einer örtlichen Organisation eröffnet World Vision in der Kasai-Region sechs Kinderschutz-Zentren. Hier bekommen 10.000 geflohene Kinder, ehemalige Kindersoldaten und andere Kinder, die durch den Konflikt Leid erfahren haben, psychosoziale Hilfe.

Kinder tanzen in einem World Vision Kinderschutz-Zentrum im Kongo.

In dem World Vision Kinderschutz-Zentrum außerhalb von Kananga singen und tanzen Mitarbeiter und Freiwillige mit den Kindern.

Beispiele fragiler Staaten

Angaben über die Zahl der fragilen Staaten weltweit variieren. Durch die sich verändernden politischen Gefüge sind sie meist nicht mehr als eine Momentaufnahme. Dennoch gibt es Beispiele fragiler Staaten, bei denen sich die Schwäche des Staates und die fehlenden Grundfunktionen bereits über Jahre manifestiert haben.

Vom Flüchtling zum Peacemaker: Edmund aus dem Südsudan

Flüchtling Edmund aus dem Südsudan

Drei Wochen war Edmund mit seinem jüngeren Bruder auf der Flucht aus dem Südsudan. Das ist zwei Jahre her und die Brüder haben seitdem keinen Kontakt zu ihren Eltern. „Wir wissen, dass wir zuhause umgebracht worden wären”, berichtet er. Früher wollte er auch kämpfen und gewalttätig sein, so wie er es in seinem Dorf erlebt hatte. Doch heute leitet er einen Peace Club, den World Vision für Flüchtlinge im Camp Bidi Bidi in Uganda eingerichtet hat. 80 Mitglieder zählt der Club und sie gehören zu fünf verschiedenen und oft rivalisierenden Stämmen. Die jüngsten sind gerade einmal acht Jahre alt. Jede Woche organisiert Edmund ein Treffen und spricht mit den Kindern und Jugendlichen über Frieden, Glauben und Vergebung. Gemeinsam spielen sie auch Theater und tanzen. Er ist davon überzeugt: „Frieden ist möglich im Südsudan.”

Wie arbeitet World Vision in fragilen Kontexten?

Krisen und Konflikte nehmen weltweit zu und sie verändern sich zunehmend in langwierige Lebenssituationen. Doch sie werden nicht nur immer länger, sondern auch komplexer. Sie erfordern, dass wir in unserer Arbeit neue Ansätze verfolgen.

In friedlichen, wirtschaftlich ärmeren und meist ländlichen Gebieten unterstützt World Vision die einheimische Bevölkerung seit über 40 Jahren mit Entwicklungszusammenarbeit. Mit Kinderpatenschaften ermöglichen unsere Paten einen Prozess von etwa 15 Jahren, der zu nachhaltiger, sehr umfangreicher positiver Veränderung für das Kind, die Familien und das ganze Dorf führt. Wir erarbeiten mit den Menschen vor Ort Maßnahmen, die langfristig Armut, Hunger, Mangel an Bildung und Gesundheit beenden.

Grafik Fragile Kontexte

In anderen Fällen leistet World Vision humanitäre Hilfe - bei Naturkatastrophen, Krisen und Konflikten. Dann brechen vorhandene Systeme und Strukturen zusammen und es entsteht ein Mangel am Lebensnotwendigen. World Vision gewährt vor Ort die Grundversorgung und arbeitet mit dem Ziel, möglichst rasch die Ausgangsbedingungen wiederherzustellen. Schnelligkeit und Flexibilität sind in diesen Situationen gefragt.

Langfristig und flexibel zugleich

In unserer Arbeit in fragilen Kontexten, also in Krisen, die sich lange hinziehen, bringen wir die zwei Bereiche Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe zusammen. Dabei leitet uns die Frage, wie wir unsere seit Jahrzehnten erfolgreich angewandten Ansätze der Entwicklungshilfe auch agil in langwierigen Krisen einsetzen und gleichzeitig stets schnell auf neue Ausbrüche reagieren können.

Beispiel Südsudan: Ernährung sichern

Unterernährte Kinder im Südsudan werden gewogen
Ein Junge und seine Mutter gießen ein Feld im Südsudan

In Warrap, einem ehemaligen Bundesstaat im Nordwesten des Südsudans, ist die Sicherheitslage relativ stabil. Trotzdem leiden die Menschen in der Region massiv an akuter Unterernährung. Aus diesem Grund leistet World Vision Deutschland dort mit Unterstützung des BMZ lebenserhaltende humanitäre Hilfe in Kombination mit längerfristig geplanten Maßnahmen. In unserem fünfjährigen Projekt wollen wir durch landwirtschaftliche Innovationen langfristig die Ernährungssituation der betroffenen Menschen verbessern. Gleichzeitig leisten wir auch kurzfristige Hilfe und unterstützen die Bevölkerung mit Aufbaunahrung und zusätzlichen Essensrationen, damit sie nicht weiter an den Konsequenzen der Unterernährung leidet. Wir arbeiten also zweigleisig, um die Lücke zwischen dem akuten Bedarf und einer langfristigen Ernährungssicherung zu schließen.

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