Die Republik Südsudan ist das jüngste Land der Erde. Seit der Trennung vom Sudan 2011 ist der Südsudan als 54. Staat Afrikas offiziell eigenständig. Dennoch ist es eines der am stärksten von Krisen betroffenen Länder der Welt. Die aktuelle Lage im Südsudan ist seit Jahrzehnten geprägt von Hunger, Vertreibung, wiederkehrenden Überschwemmungen, Konflikten zwischen Bevölkerungsgruppen und den Folgen der Krise im Nachbarland Sudan. Mehr als neun Millionen Menschen waren 2025 auf Humanitäre Hilfe angewiesen. Besonders Kinder, geflüchtete Familien und Binnenvertriebene brauchen Schutz, Nahrung, sauberes Wasser, Gesundheitsversorgung und Zugang zu Bildung.
World Vision ist seit 1989 im Südsudan tätig. Wir haben auch während des Krieges die vertriebene Bevölkerung in der damaligen Region unterstützt. Im Jahr 2023 haben wir mehr als 3,2 Millionen Menschen in Not erreicht. Darunter 1,3 Millionen Kinder. Die Schwerpunkte unserer Humanitären Hilfe im Südsudan sind: Ernährungssicherung und Lebensgrundlagen, Gesundheitsversorgung, Bildung, Kinderschutz sowie sauberes Wasser und Sanitärversorgung.
World Vision im Südsudan
- seit 1989
- Hier sind wir aktiv: Juba, Upper Nile, Warrap, Northern Bahr el Ghazal und Western Equatoria
- Dabei erreichen wir eine direkte Umsetzung in 27 Bezirken und eine Umsetzung über Partner in 22 Bezirken
- Insgesamt wurden 37 aktive Projekte in Zusammenarbeit mit 4 internationalen Hilfsorganisationen sowie 36 nationalen und lokalen Organisationen durchgeführt.
Ausgewählte Erfolge unserer Humanitären Hilfe im Südsudan
- Über 78.000 Menschen erhielten Schulungen zur Ernährungssicherung und Existenzgrundlage
- 3,1 Millionen Menschen wurden durch sektorübergreifende Nothilfe erreicht
- Über 835.400 Menschen erhielten Gesundheitsleistungen in mehr als 80 Gesundheitseinrichtungen
- Über 609.200 Menschen (mehr als 353.300 Kinder) wurden durch 21 von World Vision installierte Wasseraufbereitungsanlagen mit sauberem Wasser versorgt
- Über 108.000 Kinder, Jugendliche und Lehrkräfte wurden durch Bildungsmaßnahmen unterstützt
- Über 2 Millionen Kinder profitierten von politischen Veränderungen zur Verbesserung von Ernährung, Gesundheit und Bildung
Aktuelle Lage im Südsudan: Warum Humanitäre Hilfe notwendig ist
Seit Beginn der Kämpfe im Sudan im April 2023 hat sich der Druck auf den Südsudan weiter erhöht. Viele Menschen fliehen in Nachbarländer oder kehren unter schwierigen Bedingungen in den Südsudan zurück. Dadurch geraten Gemeinden, die selbst kaum genug haben, zusätzlich unter Druck: Nahrungsmittel, sauberes Trinkwasser, Gesundheitsversorgung und sichere Unterkünfte reichen vielerorts nicht aus.
Besonders dramatisch ist die Lage in Western Equatoria: Nach erneuten bewaffneten Auseinandersetzungen und Konflikten zwischen Bevölkerungsgruppen, die Anfang Oktober 2025 ausbrachen, wurden schätzungsweise 150.000 Menschen allein in den Bezirken Tambura, Nagero, Mundri East, Ezo und Ibba vertrieben. Tausende Familien leben in überfüllten Notunterkünften, ohne ausreichend Nahrung, sauberes Wasser oder medizinische Versorgung. Hinzu kommen die Auswirkungen des Krieges im Sudan: Allein in Northern Bahr el Ghazal sind laut Registrierungsdaten vom Oktober 2025 bereits über 26.700 Menschen angekommen, die meisten auf der Flucht vor den Auseinandersetzungen in El Fasher.
Viele geflüchtete und vertriebene Familien kommen mit wenig oder ohne Besitz an. Gleichzeitig steigen die Preise, Versorgungswege sind unsicher und vorhandene Einrichtungen werden stärker belastet.
Humanitäre Hilfe im Südsudan muss deshalb schnell und verlässlich ansetzen: mit Nahrungsmittelhilfe, Gesundheitsversorgung, sauberem Wasser, Sanitärversorgung, Schutzangeboten und psychosozialer Unterstützung. Mit Ihrer Spende für den Südsudan können wir Kindern neue Perspektiven ermöglichen.
Bewaffnete Auseinandersetzungen machen Tausende zu Vertriebenen
Wir unterstützen Geflüchtete mit dem Nötigsten zum Leben.
Kinder erleben Gewalt
Wir helfen ehemaligen Kindersoldaten zurück in ein ziviles Leben ohne Gewalt.
Hunger ist weiter verbreitet
9 Millionen Menschen sind auf Humanitäre Hilfe angewiesen.
Humanitäre Hilfe im Südsudan: Unsere Schwerpunkte
World Vision verbindet im Südsudan lebensrettende Soforthilfe mit Maßnahmen, die Kinder, Familien und Gemeinden langfristig stärken. Unsere zentralen Schwerpunkte:
So hilft World Vision im Bereich Gesundheit & Ernährung
World Vision stärkt im Südsudan die Gesundheitsversorgung und hilft, Unterernährung bei Kindern, schwangeren Frauen und stillenden Müttern früh zu erkennen und zu behandeln. Dafür arbeiten wir mit Gesundheitseinrichtungen, lokalen Gesundheitshelferinnen und Gesundheitshelfern sowie Partnerorganisationen zusammen.
In Mutter-Gruppen lernen Familien, wie sie Kinder ausgewogen ernähren und Krankheiten vorbeugen können. World Vision unterstützt die Mitglieder der Müttergruppen außerdem mit Gemüse-Kits und Gartenwerkzeug, damit sie in privaten Gemüsegärten vielfältige Nahrungsmittel anbauen können.
2024 starteten wir im Südsudan zudem die ENOUGH-Kampagne gegen Hunger und Mangelernährung bei Kindern.
So hilft World Vision im Bereich Bildung
Auch in Krisen brauchen Kinder sichere Orte zum Lernen. World Vision unterstützt im Südsudan Bildungsangebote für Geflüchtete, Binnenvertriebene und Kinder in von Konflikten betroffenen Gemeinschaften. Dazu gehören Lernmaterialien für Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte, renovierte Klassenräume und Sanitäranlagen sowie Schulspeisungen, die den Schulbesuch fördern.
Außerdem helfen wir Kindern und Jugendlichen zurück in Schule und Ausbildung. Ehemalige Kindersoldatinnen und Kindersoldaten erhalten durch Berufsschulen die Möglichkeit, einen Beruf zu lernen und sich eine neue Zukunft aufzubauen. 2024 standen besonders gefährdete Kinder, Flüchtlinge und Binnenvertriebene im Mittelpunkt der Bildungsarbeit.
So hilft World Vision im Bereich Kinderschutz
Konflikte, Hunger und Vertreibung erhöhen das Risiko, dass Kinder Gewalt, Vernachlässigung, Ausbeutung oder Missbrauch erleben. World Vision stellt deshalb den Schutz von Kindern – besonders für vertriebene Kinder und Familien in Krisensituationen – in allen Programmen in den Mittelpunkt.
Gemeinsam mit Partnern wie Save the Children und Plan International arbeitet World Vision im Projekt „Gemeinsam für Ernährungssicherheit und Kinderschutz“ daran, Kinder besser zu schützen und Familien zu begleiten. Das Projekt stärkt Schutzangebote, unterstützt Betreuungspersonen und hilft, Risiken für Gewalt und Ausbeutung zu verringern.
Zusätzlich bringen wir unsere Erfahrung in politische Prozesse ein, etwa bei der Ausweitung kostenloser Bildung, der Ernährungsstrategie des Südsudan und der Boma-Gesundheitsinitiative. So soll Hilfe nicht nur einzelne Familien erreichen, sondern langfristig bessere Bedingungen für Kinder schaffen.
So hilft World Vision im Bereich Lebensgrundlagen
Wir unterstützen Familien im Südsudan dabei, akute Not zu überstehen und neue Lebensgrundlagen aufzubauen. Dazu gehören Lebensmittel- und Bargeldhilfe, Saatgut, Werkzeuge, Schulungen und Programme, die Menschen helfen, wieder selbst Nahrung anzubauen und Einkommen zu erwirtschaften.
Gemeinsam mit Partnern stärkt World Vision besonders von Konflikten, Vertreibung und Klimafolgen betroffene Gemeinden. Ziel ist, dass Familien widerstandsfähiger werden, ihre Ernten verbessern, Einkommensquellen aufbauen und auch in Krisenzeiten besser für ihre Kinder sorgen können. So verbinden wir lebensrettende Soforthilfe mit langfristiger Stärkung der Widerstandsfähigkeit.
So hilft World Vision im Bereich WASH
Sauberes Wasser schützt Leben. World Vision verbessert in Gemeinden, Schulen, Flüchtlings- und Binnenvertriebenenlagern sowie Gesundheitseinrichtungen im Südsudan den Zugang zu Trinkwasser, Sanitäranlagen und Hygienemaßnahmen.
Dazu gehören Brunnen, Wasseraufbereitungsanlagen, renovierte Sanitäranlagen und Hygieneschulungen. Gleichzeitig stärkt World Vision lokale Strukturen, damit Wasser- und Sanitärsysteme langfristig betrieben und instandgehalten werden können. Im Rahmen unserer Arbeit konnten mehr als 609.200 Menschen, darunter mehr als 353.300 Kinder, durch 21 von World Vision installierte Wasseraufbereitungsanlagen mit sauberem Wasser versorgt werden.
Wirkung unserer Humanitären Hilfe im Südsudan
Im Südsudan entscheidet verlässliche Unterstützung oft darüber, ob Familien nach einer Krise wieder Halt finden. Unsere Geschichten zeigen, wie Kinder geschützt werden, Eltern neue Handlungsmöglichkeiten gewinnen und Gemeinden trotz Hunger, Vertreibung und Unsicherheit neue Perspektiven entwickeln.
Nachhaltige Hilfe
Dass Hilfe zur Selbsthilfe wirkt, zeigt das Beispiel von Akech, einer 45-jährigen Bäuerin in einem Rundhütten-Dorf nahe der Stadt Kuajok. Durch ein World Vision-Projekt erhielt sie landwirtschaftliche Schulungen, Werkzeuge und Saatgut. Heute kann sie ihre Familie gesund ernähren, einen Teil der Ernte auf dem Markt verkaufen und ihren Kindern davon die Schulbildung finanzieren.
Durch ihren Erfolg interessierten sich immer mehr Frauen für die Arbeit von Akech und sie leitet heute eine inzwischen 30-köpfige Gruppe Frauen an. Bestätigung erhielt sie aus Deutschland: Mit dem „Game Changer“-Award der Bundesregierung wurde sie als Frau für ihren herausragenden Beitrag für die ländliche Entwicklung und Ernährungssicherung in Afrika gewürdigt. Lesen Sie mehr über Akech oder sehen Sie selbst:
Akechs Engagement macht den Unterschied: Es gibt mehr und bessere Nahrung für ihre Familie und ihre Gemeinschaft
Häufig gestellte Fragen zu unserer Humanitären Hilfe im Südsudan
Der Südsudan steht durch mehrere Krisen gleichzeitig unter Druck: Viele Menschen werden innerhalb des Landes durch Konflikte, Gewalt und Überschwemmungen vertrieben. Gleichzeitig fliehen seit Beginn des Krieges im Sudan viele Menschen über die Grenze oder kehren unter schwierigen Bedingungen in den Südsudan zurück. Besonders betroffen sind Upper Nile, Northern Bahr el Ghazal und Western Equatoria.
Die Lage im Südsudan bleibt sehr angespannt. Besonders in Western Equatoria wurden nach erneuten Auseinandersetzungen schätzungsweise 150.000 Menschen vertrieben. Viele Familien leben in Notunterkünften oder bei aufnehmenden Gemeinden und brauchen Nahrung, sauberes Wasser, Schutz und medizinische Versorgung.
Viele Menschen im Südsudan leben von Landwirtschaft und Viehhaltung. Besonders Frauen spielen eine zentrale Rolle bei der Ernährung ihrer Familien und Gemeinden. Doch Konflikte, Überschwemmungen, steigende Preise und wirtschaftliche Not zerstören immer wieder Ernten, Einkommen und Lebensgrundlagen. Deshalb unterstützt World Vision Familien dabei, Nahrung anzubauen, Einkommen zu erwirtschaften und widerstandsfähiger gegenüber Krisen zu werden.
Die Armut und der Hunger im Südsudan haben ein alarmierendes Ausmaß erreicht. Laut dem aktuellen IPC-Bericht zur Ernährungssicherheit sind über 6 Millionen Menschen – darunter 2 Millionen Kinder unter 5 Jahren – von schwerem Hunger bedroht. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung wird voraussichtlich zwischen April und Juli 2026 unter ernstem Nahrungsmangel leiden. In besonders von Konflikten betroffenen Gebieten droht sogar eine Hungersnot. Die anhaltende Wirtschaftskrise hat die Kaufkraft der Haushalte stark geschwächt und Millionen Menschen an den Rand des Verhungerns gebracht. Der Zustrom von Flüchtlingen und Rückkehrern aus dem Sudan belastet zusätzlich die ohnehin knappen Ressourcen und überlasteten Versorgungsstrukturen.