Südsudan

Sonderinitiative „EINE WELT ohne Hunger“ – Projekt zur Ernährungssicherung von bedürftigen Haushalten, insbesondere Müttern und Kindern, im Bezirk Gogrial West

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Finanziert von:

Das BMZ ist für die Konzeption der langfristigen Entwicklungszusammenarbeit der Bundesrepublik Deutschland verantwortlich. Zur Umsetzung von entwicklungspolitischen Maßnahmen unterstützt das BMZ auch Nichtregierungsorganisationen wie World Vision Deutschland. Im Finanzjahr 2020 konnten wir fünf neue Projekte umsetzen, die vom BMZ gefördert wurden.

Projektzeitraum:

Januar 2018 - Dezember 2022

Land:

Südsudan

Finanzvolumen:

2.322.222 Euro, davon 2.090.000 Euro finanziert durch das BMZ und 232.222 Euro Eigenanteil von World Vision Deutschland

Karte Südsudan

Projektbeschreibung:

Seit 2013 ist die Republik Südsudan, der jüngste Staat der Erde, geprägt von anhaltenden Konflikten. Die Wirtschaft des Landes liegt danieder auf Grund steigender Inflation und Marktversagens. Die Konfliktjahre haben die Landwirtschaft und somit verstärkt die Lebensunterhalte auf dem Land, stark eingeschränkt. Das Risiko einer Hungersnot wird für tausende Menschen in den konfliktbetroffenen Dörfern zur Realität. Nahrungsmittelunsicherheit und Unterernährung haben bereits seit Jahren ein Krisenniveau erreicht. Vor allem die Situation der Kinder ist äußerst alarmierend. Das Projekt wird in vier Verwaltungseinheiten im Bezirk Gogrial West durchgeführt, wo ein Großteil der Gemeinden von Subsistenzwirtschaft lebt. Die begrenzte Nahrungsmittelproduktion der dortigen Haushalte bedingt eine geringe Kaufkraft, eingeschränkte Lebensmittelverfügbarkeit und niedrige Ernährungsvielfalt, was dazu führt, dass die Unterernährungsrate in der Region bei 29,6% (2017)  liegt und ein „kritisches Niveau“ (Klassifizierung der WHO) erreicht hat. Zusätzlich mangelt es der dortigen Bevölkerung an Wissen zu gesunden Ernährungspraktiken und Kenntnissen über den Umgang mit Mutter- und Kinderkrankheiten, die Unterernährung begünstigen. Die Faktoren, die zur geringen landwirtschaftlichen Produktivität führen sind komplex und vielfältig. Die Kleinbauern verwenden unzureichende landwirtschaftliche Praktiken und die lokale Verfügbarkeit von hochwertigem Saatgut und Werkzeugen ist begrenzt. Darüber hinaus mangelt es an effizienten landwirtschaftlichen Beratungsstellen und zusätzlich fehlt es den Kleinbauern an einer adäquaten Einbindung in lokale Märkte. Zur Verbesserung der Situation der Bevölkerung in Gogrial West, vor allem der Mütter und Kinder, arbeitet World Vision, unterstützt durch das BMZ, im Rahmen der Sonderinitiative „EINE WELT ohne Hunger“, eng mit lokalen Partnern zusammen, um Programme zur Förderung sowohl des Ernährung- und Gesundheitsverhaltens wie auch der Anbaumethoden umzusetzen.

Ziele und Inhalte des Projekts:

Ziel des Projektes ist es Hunger und Mangelernährung bei bedürftigen Haushalten, insbesondere von schwangeren und stillenden Müttern sowie Kindern unter 5 Jahren, in Gogrial West zu reduzieren. Um dies zu erreichen werden sowohl Maßnahmen, die auf die Verbesserung der landwirtschaftlichen Praktiken der Bauern abzielen als auch Maßnahmen zur Verbesserung der Ernährungspraktiken der Mütter durchgeführt. Im Rahmen des Projekts werden 40 Vorbild-Bauern und Freiwillige identifiziert, die unterschiedliche Schulungen erhalten, um so übergangsweise die landwirtschaftliche Beratung innerhalb der Gemeinschaften zu übernehmen. Kleinbauern aus 4000 ausgewählten Haushalten erhalten Schulungen zu verbesserten landwirtschaftlichen Praktiken, Nachernteschutz und Vermarktung von landwirtschaftlichen Produkten. Für ein praktisches Lernen wird das Projekt 50 Feldschulen errichten und darüber hinaus 12 Demonstrationsflächen schaffen. Um den Zugang der Kleinbauern zu qualitativ hochwertigem Saatgut sicherzustellen, wird verbessertes Saatgut an die Haushalte ausgeteilt sowie für die zukünftige Versorgung 8 Saatgutvermehrungsgruppen gegründet. Zur Reduzierung der Nachernteverluste werden 20 Bauern bei der Errichtung von günstigen Getreidespeichern unterstützt und luftdichte Säcke zur Getreidelagerung an die Kleinbauern-Haushalte ausgehändigt. Um die Einbindung der Bauern in die Wertschöpfungskette zu fördern werden 30 Bauerngruppen bei der Marktverknüpfung unterstützt, 210 Leiter von Bauerngruppen zu Führungsaufgaben geschult, Marketingausschüsse innerhalb der Bauerngruppe gegründet sowie 4 Marktstände saniert. Zur Verbesserung der Kenntnisse der Mütter über Mütter- und Kinderkrankheiten und die Verbesserung ihrer Ernährungspraktiken, kommt der Mütter-/Betreuergruppenansatz zur Anwendung. 50 Mütter-/Betreuergruppen werden gegründet sowie Vorbild-Mütter/ Betreuer identifiziert, geschult und ausgebildet, deren Aufgabe die wöchentliche Einberufung der Müttergruppen und die Schulung der Mitglieder ist. Die Mitglieder erhalten Schulungen zu Diversifizierung der Nahrung, dem Anlegen von privaten Gemüsegärten, zu üblichen Mutter-Kind-Krankheiten sowie Trainings zur Ernährung von Müttern, Babys und Kleinkindern.  Darüber hinaus werden den Mitgliedern Gemüsesaatgut und Gartenwerkzeug ausgehändigt, um private Gemüsegärten zur Diversifizierung der Ernährung anzulegen und 4 Demonstrations-Gemüsegärten angelegt. 8 Sensibilisierungsmaßnahmen zu üblichen Kinderkrankheiten, die auf die breite Gemeinschaft abzielen, werden durchgeführt. Das Projekt wird in Zusammenarbeit mit der lokalen Parteiorganisation „South Sudan Grassroot Initiative for Development“ (SSGID) und den lokalen Behörden durchgeführt. SSGID erhält fachliche und verwaltungstechnische Unterstützung und Schulung. Die Unterstützung soll die Partnerorganisationen stärken.

An wen richtet sich die Hilfe?

Die primären Zielbegünstigten des Projektes sind 4000 konfliktbetroffene bedürftige Kleinbauern-Haushalte. Das Projekt arbeitet mit Kleinbauern-Haushalten, die über begrenzte Ressourcen verfügen und vom Getreide- und Gemüseanbau, als wichtigste Quelle für ihren Lebensunterhalt, abhängig sind. Darüber hinaus wird das Projekt sich auf die Arbeit mit den Müttern/Betreuern von Kindern unter 5 Jahren sowie schwangeren und stillenden Frauen der Kleinbauern-Haushalte konzentrieren. Zusätzlich kann davon ausgegangen werden, dass die erlernten Fähigkeiten an andere Mitglieder der Gemeinschaft, wie auch Mitglieder anderer Gemeinschaften durch peer-to-peer Learning weitergegeben werden. Gogrial West hat insgesamt 331.990 Einwohner, wovon 63078 Kinder unter 5 Jahren sind und 26.559 schwangere oder stillende Frauen (Gutachten zu den humanitären Bedürfnissen 2017).