Kindersoldat Patrice

Kindersoldat im Kongo: "Ich war innerlich tot"

Er ist erst 18 Jahre alt. Doch Patrice hat mehr erlebt, mehr erlitten und mehr Leid verursacht als in einem so jungen Leben Platz finden kann. „Ich bin nicht stolz auf das, was ich getan habe“, sagt Patrice. „Doch ich bin mir sicher, dass Gott mir verziehen hat. Und so will ich mir auch selbst verzeihen.“

Seine Opfer können ihm nicht verzeihen. Sie sind tot. So wie die drei Nonnen, die Patrice ermordet hat. Die Soldaten der gegnerischen Milizen, mit denen er und seine Kameraden im ständigen Kampf lagen.

„Wie viele Menschen ich getötet habe, weiß ich nicht. Ich habe irgendwann aufgehört zu zählen. Und wir haben auch oft Drogen genommen.“

Keine Waffen in Kinderhände!

Am 12. Februar ist der weltweite Aktionstag gegen den Einsatz von Kindern als Soldaten. In mindestens 20 Ländern werden Mädchen und Jungen unter 18 Jahren von Armeen oder Milizen für Kämpfe und militärische Hilfsdienste eingesetzt. Deutschland liefert in etliche dieser Länder Waffen und Munition. Besonders tödlich für Kinder sind die Kleinwaffen, die von ihnen auch leicht getragen werden können. Eine von World Vision mit herausgegebene Studie zeigt auf, dass exportierte Waffen unkontrolliert in Kriegs-und Konfliktregionen gelangen und dort auch nach Jahrzehnten noch Kinder zu Opfern und Tätern machen. "Der Einsatz von Kindersoldaten zählt zu den schwersten Kinderrechtsverletzungen", erklärt Ekkehard Forberg von World Vision. "Die Kinder werden ihrer Freiheit und ihrer Kindheit beraubt. Statt zur Schule zu gehen und in ihre Zukunft zu investieren, müssen sie Menschen töten, Überfälle unterstützen und für erwachsene Kämpfer oft die Drecksarbeit machen."

Die ersten Menschen, die Patrice sterben sah, waren seine Eltern. Mit ihnen war er auf dem Familienfeld, als mit Speeren bewaffnete Mai-Mai-Kämpfer ihr Dorf überfielen. Seine Eltern wurden hingemetzelt, Patrice, gerade neun Jahre alt, verschleppt. „Anfangs war ich für die Zubereitung von Hexenkräutern für die Kämpfer der Mai-Mai-Miliz zuständig. Ich hatte von meinen Eltern gelernt, wie man Heilkräuter macht. Die Kämpfer glaubten, davon würden sie unverwundbar.“

Die Arbeit als Heiler machte ihn wertvoll für die Miliz. Dennoch sollte er lernen zu kämpfen, zu töten. „Wir haben dann an Gefangenen geübt. Die erfahrenen Kämpfer stachen mit Messern in die Körper der Gefangenen bis sie tot waren. Wir mussten die Messer rausziehen und noch einmal zustechen.“

Feinschnitt für die Kundschaft
schaut optimistisch in die Zukunft: Ex-Kindersoldfat Patrice

Vom Soldaten zum Schumacher

Dann kam der erste Einsatz. Er und ein paar Jungen sollten einen Deserteur suchen. Sie stießen auf eine kleine Gemeinschaft von Nonnen. Als diese ihnen nicht verraten wollten, wo der Deserteur steckt, zogen sie ihre Messer und töteten die Nonnen. „Danach war mir alles egal. Das Morden war wie Fußballspielen. Ich war innerlich tot.“

Patrice schluckt seine Tränen herunter, während er spricht. Heute, als 18ähriger, trägt er noch immer eine Phantasieuniform. Eine verspiegelte Sonnenbrille. Von seinen Freunden wird er „Commander“ genannt. „In ihren Augen war ich ein guter Soldat. Dabei waren wir nur wie Roboter.“

Mal kämpfte seine Miliz gegen andere Rebellengruppen, mal gegen Milizen aus Ruanda oder Uganda, mal gegen Regierungssoldaten. Jahrelang ging das so weiter. Dann wurde seine Einheit von Regierungssoldaten besiegt und Patrice gleich wieder rekrutiert, diesmal auf Seiten der Regierung. Weitere zwei Jahre musste er weiterkämpfen, dann endlich gelang ihm die Flucht. Er versteckte sich bei Freunden, fand Unterschlupf bei Verwandten, lebte wochenlang im Busch. Doch er wollte raus aus diesem Getriebensein, Gefangensein in den Traumata seines Lebens.

 

Kindersoldat im Kongo

Patrice lernte, Schuhe zu machen und vor allem zu reparieren. Heute hat er einen gut gehenden kleinen Laden an einer der Hauptstraßen von Beni. World Vision hat ihn mit einem kleinen Startkapitel und Grundkenntnissen in Buchführung ausgestattet. Er hat genug Kundschaft, um sein Leben eigenständig zu finanzieren, auch wenn er die Preise für seine Leistungen niedrig halten muss. „Viel wichtiger ist mir, dass ich einen sicheren und vor allem nützlichen Beruf habe. Vielleicht kann ich sogar eines Tages eine Familie gründen.“

Um sein Geschäft herum stehen seine Freunde, die ihn immer noch „commander“ nennen. Einer sagt: „Aber ein guter Schumacher ist er auch.“

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