Patenkind Sayda arbeitet heute als Krankenschwester.

Bildung trotz aller Hindernisse

Patenkind Sayda aus Bolivien wird Krankenschwester
Author: UBauer  | 
19. September 2017
Author: UBauer
Patenkind Sayda aus Bolivien arbeitet heute als Krankenschwester.
Patenkind Sayda aus Bolivien besucht die Kinder in ihrer Gemeinde.

Sayda war nicht nur eine hervorragende Schülerin, sie war die Beste in ihrer Klasse. „Ich fand es immer toll, zu lesen und neue Dinge zu lernen. Das ist nicht einfach und wenn man kein Geld hat, ist es noch schwerer. Aber ich wollte Krankenschwester werden. Dieser Traum hat mir geholfen“, sagt Sayda.

Sie erinnert sich an zwei Dinge, die ihr Leben verändert haben. Zum einen an die Gruppentreffen mit World Vision, die sie wöchentlich besuchte und die ihr sehr viel Freude gemacht haben: „In unseren Sitzungen mit World Vision haben wir viel über Werte gelernt und wir wurden darin bestärkt, unsere Schüchternheit abzulegen. Aber das war schwer: Wir hatten Angst und konnten nicht frei sprechen. World Vision hat uns beigebracht, dass wir uns mitteilen müssen. Es ist wichtig, zu sagen, was wir denken. Wir sind genauso wichtig wie jede andere Person auch. Ich habe viel in diesen Sitzungen gelernt. Ohne diese Kurse wäre ich nicht so weit gekommen.“

Patenkind Sayda aus Bolivien arbeitet heute als Krankenschwester.

Zum anderen war ihre Mutter oft krank: „Jedes Mal, wenn einer meiner Brüder auf die Welt kam, wurde meine Mutter krank – Monate lang oder sogar ein Jahr. Ich habe mich immer gefragt, warum. Deshalb habe ich meinen Abschluss als Krankenschwester gemacht. Ich habe auch erlebt, wie viele meiner Freunde krank wurden. Nur mit Kräutern und ohne Medikamente wurden sie nicht mehr richtig gesund. Damals gab es hier keine medizinische Versorgung.” Auch heute noch ist die Situation in Saydas Gemeinde nicht die beste. Aber es hat sich in den vergangenen Jahren viel getan. Es gibt jetzt Gesundheitsstationen, wenn auch nur mäßig ausgestattet.

Patenkind Sayda aus Bolivien mit ihrer Mutter im Gemüsegarten
Patenkind Sayda aus Bolivien mit ihrer Familie

Sayda besucht die Familien in ihren bescheidenen Häusern. Ihr liegt besonders die Gesundheit der Kinder unter fünf Jahren und die der Mütter am Herzen. Sie werden von ihr geimpft und mit fehlenden Nährstoffen versorgt. Sie erzählt: „Ich habe verstanden, dass ich eine ausgebildete Fachkraft werden kann, wenn ich das nur will. Hier habe ich erlebt, dass kleine Kinder keine medizinische Versorgung haben. Damit ich sie gut versorgen kann, habe ich beschlossen, eine Ausbildung als Krankenschwester zu machen.“

In dieser Region Boliviens ist die Rate der Schulabbrecher unter Mädchen sehr hoch. Sayda schaffte es, ihren Abschluss an der Universität zu machen - trotz aller Hindernisse. Als Älteste ist sie ein Vorbild für ihre jüngeren Geschwister. “Meine Eltern regten sich auf und dachten, dass ich als Mutter meine Ausbildung nicht beenden würde. Aber mein Kind gab mir die Motivation weiterzumachen. Wenn jeder sein Bestes gibt und die Menschen das, was sie tun, gerne tun, dann kann man alles erreichen”, sagt Sayda.