Ehemaliges Patenkind aus Indien mit kleiner Ziege

Ananda aus Indien

Interview mit einem ehemaligen Patenkind

Im Dorf aufgewachsen, in der Großstadt angekommen und mit 20 vollkommen selbstständig: Das ehemalige Patenkind Ananda aus Mannargudi hat den großen Schritt gewagt und hantiert - außer beim Urlaub zuhause - inzwischen lieber mit großen Maschinen als mit Ziegen.

In Mondrom Sethi, einem Dorf nahe der indischen Kleinstadt Mannargudi, hat Familie Venkatharaman Besuch aus der Metropole Channai bekommen. Sohn Ananda Kumar will einige freie Tage in seinem Heimatort verbringen, hat einiges mit seinem Vater zu bereden und will Freunde aus der Schulzeit wiedersehen.

World Vision-Mitarbeiter Ajitson Justus ergreift die Chance, um das ehemalige Patenkind aus Mannargudi zu fragen, was aus ihm geworden ist. Äußerlich erinnert ihn der knapp 20-jährige junge Mann mit seiner sorgfältig tupierten Frisur, dem offenen Hemd und den eng anliegenden Hosen an einen Filmstar früherer Tage. Als er ihm das sagt, lacht Ananda wie ein schüchterner Teenager. Hier ein Auszug aus dem Gespräch:

Was machst du in Chennai?

Ich arbeite für eine Firma, die Autoteile für Firmen wie Hyundai und Honda herstellt. Ich bediene und warte große Maschinen in der Produktionsabteilung. Ich kann gut mit ihnen umgehen und sorge dafür, dass sie immer gut geölt laufen. Ich kenne mich auch mit dem Produktionsprozess für Teile von Kupplungen und Bremsen aus.

Wie lange machst du diesen Job schon?

Seit acht Monaten.

Und was erhoffst du dir für deine Zukunft?

Ich will mir etwas aufbauen und gut leben. Heiraten will ich jetzt noch nicht. Zuerst möchte ich eine Position erreichen, mit der ich ein paar Menschen helfen kann. Als ich klein war, hatten es meine Eltern schwer, mich und meine Geschwister zu ernähren. Jetzt will ich ihnen ein sicheres Leben ermöglichen.

Ehemaliges Patenkind aus Indien mit seinem Vater in seinem Heimatdorf.
Ehemaliges World Vision Patenkind aus Indien

Wie hast du als Kind gewohnt und woran erinnerst du dich am liebsten?

Wir haben zuerst in einer Lehmhütte gewohnt. Später haben die Familien im Dorf mit Staatshilfen feste Häuser gebaut. Meine schönste Erinnerung habe ich an meine Freundschaft mit einem Jungen, die im Kindergarten begann. Ich weiß auch nicht, warum wir so aneinander hingen, aber wir waren einfach enge Freunde.

Mit welchen Schwierigkeiten hattest du als Dorfkind zu kämpfen?

Die Menschen hier hatten keine Vorstellung davon, dass man noch weiter als bis zur zehnten Schulklasse etwas lernen könnte. Ich war das erste Kind, das nach der zehnten Klasse noch weitermachte. Überhaupt entwickelten die meisten keine Zukunftspläne. Nachdem sie aber bei mir gesehen haben, dass man etwas damit erreichen kann, wollen viele Leute für ihre Kinder eine höhere Bildung. Ich habe auch viele Kinder dazu motiviert.

Welche Unterstützung bekamen die Kinder durch World Vision?

Nun, World Vision hat vielen Kindern das Lernen ermöglicht, indem zum Beispiel Schulgebühren übernommen wurden. Ich habe Kinder, die diese Hilfe brauchten, auch an World Vision verwiesen. Indirekt profitierten wir Kinder auch davon, dass das Einkommen der Familien gestiegen ist, weil World Vision ihnen durch Kleingewerbe-Gruppen dabei half, zusätzliches Geld zu verdienen. Damit konnten auch Schulgebühren und Schulmaterial bezahlt werden.

Was veränderte sich für dich und deine Familie?

Ich wurde ein Patenkind, als ich in die vierte Klasse kam und fand es immer toll. Als ich die zehnte Klasse beendet hatte, interessierte ich mich für eine technische Ausbildung. Ich schrieb Bewerbungen und World Vision half mir mit den Gebühren. Dann habe ich noch Computerkurse besucht, die ebenfalls von World Vision finanziert wurden. Und dann bekam ich meinen Job.

Meine Eltern sind Landarbeiter und wären nie in der Lage gewesen, mir diese Ausbildung zu bezahlen. Meine Mutter sagt jedem, dass ich sie World Vision verdanke. Sie selbst wurde Mitglied einer Selbsthilfe-Gruppe. Dadurch bekam sie viele Kredite und konnte kürzlich ein Stück Land kaufen.

Wir haben viele Fähigkeiten die wir früher nicht hatten. Zum Beispiel verstanden wir früher nichts von Banken und Bankkonten. Jetzt verwalte ich meine Finanzen und kann Geld am Automaten holen – meine Mutter auch. Vor einer Kleinstadt wie Mannargudi hatte ich früher Angst, aber heute schreckt mich nicht einmal die Großstadt Chennai. Wir haben außerdem in vielen Meetings mit World Vision gelernt, unsere Situation zu verstehen und verstanden, was wir alle tun können, um sie zu verbessern.

Werden die Erfolge deiner Meinung nach anhalten, wenn World Vision das Projekt schließt?

Wenn World Vision geht, sind wir an der Reihe! Ich will zusammen mit Freunden eine Gruppe gründen, die weitere Kinder dabei unterstützt, eine höhere Ausbildung zu bekommen. Wir werden diese Arbeit im Sinne von World Vision machen. Wir werden tun, was wir können.

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