Frieden für Kinder

Nur im Frieden ist Entwicklung möglich

„Wenn sich zwei Elefanten streiten, leidet das Gras.“ (afrikanisches Sprichwort)

Die Zahl gewaltsamer Konflikte und Militärinterventionen steigt seit Jahren. Insbesondere in Afrika ist mit einer weiteren Zunahme zu rechnen. Die Folgen sind katastrophal, besonders für die jüngsten Mitglieder der Gesellschaft. Allein im letzten Jahrzehnt wurden zwei Millionen Kinder durch Kriege getötet, 300.000 Kindersoldaten sind zurzeit weltweit in Armeen und Milizen tätig. Weltweit jedes zehnte Kind lebt in einem Land mit einem gewaltsam ausgetragenen Konflikt. Ohne Konfliktlösung und Friedensförderung wird nachhaltige Entwicklung in vielen Ländern zu einem schier unerreichbaren Ziel.

Konflikte und Kriege verhindern nachhaltige Entwicklung

Kriege und Konflikte zählen neben Pandemien und Naturkatastrophen zu den drei großen Hindernissen erfolgreicher und nachhaltiger Entwicklung: Unter den 50 ärmsten Ländern der Welt sind allein 30 fragile bzw. Konfliktländer. 2025 werden 80 Prozent der extrem Armen in diesen Ländern leben. Dies zeigt, dass wir bestehende Konflikte bei unserer Arbeit mit bedenken und nach Möglichkeit zu einer Konfliktlösung beitragen müssen, um nachhaltige Entwicklung zu erreichen.

Frieden für Kinder Spielen in Ruinen

Friedensförderung bei World Vision Deutschland

Geographische Schwerpunkte
World Vision Deutschland engagiert sich im Rahmen seiner Friedensförderung insbesondere in afrikanischen Ländern, so bspw. im Südsudan, in Burundi, in Somalia und in der Demokratischen Republik Kongo. Auch im asiatischen Raum fördert World Vision Friedensprojekte, bspw. auf den Philippinen.

In Jordanien und im Libanon bringen wir in Jugendzentren einheimische und syrische Flüchtlingskinder zusammen. Sie nutzen diese nicht nur als einen Ort der Begegnung, sondern auch dazu, unter Anleitung bestehende Konflikte zwischen beiden Gruppen beizulegen.


Inhaltliche Schwerpunkte
Die Demobilisierung und Reintegration von Kindersoldaten sowie die Friedenserziehung und Förderung von Friedensallianzen sind Schwerpunkte unserer Arbeit. Weitere Ansätze beinhalten die Förderung der Rechtsstaatlichkeit, die konfliktspezifische Aus- und Fortbildung, Medienarbeit, die Unterstützung von Jugendzentren zur Dialogförderung sowie die Versöhnungsarbeit mit Konfliktparteien.

Einen besonderen Schwerpunkt bildet die Ausbildung von Jugendlichen als Friedensförderer.

2017 hat sich World Vision, zusammen mit anderen Organisationen, wissenschaftlich mit dem Thema der deutschen Rüstungsexporte und Kindersoldaten auseinandergesetzt und die Studie „Kleinwaffen in Kinderhänden“ von Christopher Steinmetz veröffentlicht.

Trainings für Mitarbeiter vor Ort
Ziel der Trainingseinheiten von World Vision Deutschland ist es, Mitarbeiter aus den Partnerländern zu befähigen, selbstständig Konfliktanalysen durchzuführen und Programme zur Konfliktlösung zu gestalten. Dies ist wichtig, damit bestehende Konflikte durch Projektarbeit nicht verschärft werden.

Ein Beispiel dafür ist der sogenannte „Do No Harm"-Ansatz, welcher Projektplanern dabei hilft, die möglichen Auswirkungen eines Projektes auf einen bestehenden Konflikt zu bewerten. Dazu wird der Konfliktkontext untersucht und Faktoren identifiziert, welche die wichtigsten Akteure des Konfliktes trennen bzw. verbinden. Die Ergebnisse dieser Analyse geben Hinweise darauf, wie Projekte angepasst werden müssen, um Friedensprozesse zu fördern. „Do No Harm“ bedeutet, die unbeabsichtigten Folgen von Hilfsmaßnahmen kritisch zu bewerten.

Foto Ekkehard Forberg, Friedensexperte World Vision
Kinder müssen in Frieden und Geborgenheit aufwachsen können, wenn sie die Welt von morgen verändern sollen.
Ekkehard Forberg, Friedensexperte World Vision

Friedensförderung - Was ist das eigentlich?

Interview mit Ekkehard Forberg, Themenmanager für Friedensföderung bei World Vision

Du bist bei World Vision Themenmanager für Friedensförderung und Anwaltschaftsarbeit. Was muss man sich darunter vorstellen?

World Vision unterstützt Kinder in Kriegs- und Konfliktländern  -  nicht nur mit humanitärer Hilfe, sondern auch mit psychosozialer Hilfe und informellen Bildungsangeboten. In Kinderschutzzentren und Jugendklubs können Kinder und Jugendliche mit anderen über ihre Probleme reden und eine Auszeit vom Krieg nehmen – indem sie gemeinsam Musik machen oder am Computer chatten.  

Meine Aufgabe ist es, die politische Unterstützung aus Deutschland dafür zu organisieren: Sei es durch einen inklusiven Friedensprozess, der Jugendliche von Beginn an mit einbezieht oder durch die Bereitstellung finanzieller Hilfen für kindergerechte Projekte, die die Widerstandsfähigkeit von Kindern stärken.

Warum ist Friedensförderung gerade für ein Kinderhilfswerk eine wichtige Aufgabe?

Ohne Frieden keine Entwicklung (und das gilt auch umgekehrt). Letztlich sind es die Jugendlichen in einem Land, welche nach einem Krieg Verantwortung für die Zukunft ihres Landes übernehmen müssen. Aber dafür bedarf es einer guten Ausbildung, und sie sollten die Chance haben, sich selbst frei organisieren zu können und in Gesellschaft und Politik Gehör zu finden.

Zur Friedensförderung gehört es auch, sich ein umfassendes Bild von den Akteuren und den Ursachen bzw. Interessen in einem Konflikt zu machen. World Vision bezieht für diese Konfliktanalyse alle Beteiligten vor Ort mit ein – auch Kinder und Jugendliche müssen hierfür angehört werden. Erst dann können sinnvolle „Interventionen“ geplant werden: Wer muss wie unterstützt werden, damit ein Konflikt auf konstruktive Weise ausgetragen wird und letztlich zu einer friedlichen Entwicklung des Landes führt? Hierfür bedarf es nicht nur legitimer staatlicher Strukturen, sondern auch einer fähigen Zivilgesellschaft.

Friedensförderung Bild

Im Bereich Friedensförderung gibt es leider viel zu tun. Wo liegen zurzeit die regionalen Schwerpunkte Deiner Arbeit?

Wir haben natürlich auch die physische Situation der Kinder im Blick – im Krieg fallen Kinder oft durchs Raster. Über sie wird wenig berichtet und es gibt auch nicht ausreichend kinderspezifische Hilfe. Ganz besonders brauchen derzeit die Kinder in Syrien und im Südsudan unsere Solidarität. Dort ist fast die Hälfte der Bevölkerung von akutem Hunger bedroht – und die Hälfte dieser betroffenen Bevölkerung sind Kinder und Jugendliche. Längere Zeiten akuter Mangelernährung führen zu lebenslangen Schäden. Gleichzeitig sind im aktuellen Konflikt mehr als die Hälfte der Schulen des Landes zerstört worden. Für die Zukunft der Kinder sieht es daher sehr schlecht aus – jahrelange Fehlzeiten in der Schule sind nur unter günstigen Bedingungen wieder aufholbar. Ich arbeite mit dem Auswärtigen Amt daran, dass ausreichend Nothilfe bereitgestellt wird und gleichzeitig diplomatischer Druck auf die Kontrahenten ausgeübt wird, damit diese das unterzeichnete Friedensabkommen auch wirklich einhalten.

Ein regionaler Schwerpunkt meiner Arbeit liegt auf Subsahara-Afrika, wo wir für die kommenden Jahre noch weitere „gescheiterte“ Staaten erwarten.

Wie sieht das praktisch aus, „Anwalt der Armen“ zu sein/„den Armen eine Stimme zu geben“?

Wir setzen uns zum Beispiel gegen Rüstungsexporte in Krisen- und Konfliktgebiete ein – und hier ganz besonders gegen Kleinwaffenexporte (und deren Munition). Mit dem Deutschen Bündnis Kindersoldaten führen wir jedes Jahr am „Red Hand Day“ - am 12. Februar - eine Aktion und ein Pressegespräch durch. Wir laden dazu auch immer frühere Kindersoldaten ein, die jetzt in Deutschland leben und dort von ihren Erlebnissen berichten können.

Das Thema Frieden braucht vor allem Öffentlichkeit. Ich begleite daher auch Bundestagsabgeordnete, wenn sie sich unsere Projekte anschauen wollen, und gebe Interviews in den Medien. Kinder aus Konfliktgebieten sollten auch hier gehört werden – und ich versuche, ihnen eine Stimme zu geben. Aus unserer Sicht sollte die Bundesregierung vor allem in die Prävention von Konflikten investieren – dazu gehört die Unterstützung von Dialogforen zwischen Zivilgesellschaft und lokalen Regierungsstrukturen ebenso wie massive Investitionen in die Bildung und die Sicherstellung der Lebensgrundlagen von Menschen in Staaten, die sonst in die Fragilität abzurutschen drohen.

Friedensförderung 2

Wie trittst Du mit Politikern in Kontakt? Gibt es bestimmte Institutionen oder Ereignisse, in denen ein regelmäßiger Austausch zwischen World Vision und Vertretern der Politik stattfindet?

Mit den Ministerien gibt es einen regelmäßigen Austausch – über den jeweiligen Informationsstand zur Situation in bestimmten Ländern, aber auch zur Abstimmung. Beispielsweise treffen wir mit anderen Hilfswerken regelmäßig im „Koordinierungsausschuss humanitäre Hilfe“ im Auswärtigen Amt zusammen. Aber die Gesetze werden im Parlament beschlossen – und deshalb werben wir auch im deutschen Bundestag für Unterstützung. Um beim Beispiel Südsudan zu bleiben – gemeinsam mit anderen Organisationen informieren wir seit Jahren bei sogenannten ‚Parlamentsfrühstücken‘ die Abgeordneten über das, was wir aus unseren Projekten und von den Kindern und Jugendlichen vor Ort erfahren.

Um Konfliktlösungen voranzutreiben, braucht es globale Allianzen. Mit welchen Partnern arbeitet World Vision auf internationaler Ebene erfolgreich zusammen?

Internationale Konflikte oder Bürgerkriege sind meist komplex – und die politischen Beweggründe der einzelnen Akteure nicht leicht zu ergründen. Veränderungen kann man hier nur gemeinsam mit anderen Akteuren erreichen. Wir arbeiten deshalb mit der jeweiligen Zivilgesellschaft zusammen. Zurzeit vertrete ich World Vision auf den globalen Foren „Civil Society for Peacebuilding and Statebuilding“ ( https://www.cspps.org/ ) und der „Global Partnership fort he Prevention of Armed Conflict“ (https://www.gppac.net/ ). Auf europäischer Ebene versuchen wir mit einer Stimme aufzutreten und haben eine gemeinsames Büro mit vielen anderen friedensfördernden Organisationen gegründet, das European Peacebuilding Liaison Office (https://eplo.org/ ).