20.02.2020

Kinderehen in Afghanistan

Lernen statt Heiraten

Autor: KHeckmann

Gemeinsam gegen die Zwangsverheiratung von Mädchen

Esin ist 13 Jahre alt und kommt aus Herat, Afghanistan. Ihr Schicksal war bereits besiegelt, sie sollte verheiratet werden. Esin konnte ihrer Verheiratung jedoch entgehen.

Das Mädchen belauschte ihren Vater als dieser am Telefon ihre Heirat arrangierte. Ihre Familie sollte 8.000 US-Dollar Brautpreis für die Tochter erhalten. „Als ich hörte, wie mein Vater diese Vorkehrungen traf, weinte und weinte ich. Ich ging sofort zu meiner Mutter und sagte ihr, dass ich nicht heiraten will! Ich wusste, dass es in dem Dorf, in das ich gehen sollte, keine Schule und keine Zukunft für mich geben würde. Ich sagte ihr, dass ich mich umbringen würde“, berichtet Esin.

Esins Mutter nahm an einer von World Vision organisierten „Gemeindegruppe für Gesellschaftswandel“ teil. Hier wurden Esin, ihre Mutter und viele weitere Frauen über ihre Rechte informiert. Ein großes Thema ist die Aufklärung über Zwangsverheiratung von Mädchen sowie sexuelle Gewalt. Mit der Unterstützung des Gruppenleiters konnte auch Esins Vater überzeugt werden, die Eheschließung nicht durchzuführen.

Satellitenartikel von Afghanistan
Ich möchte andere Mädchen ermutigen, ihre Stimme zu erheben.
Esin, 13 Jahre aus Afghanistan

Auch Esins Mutter Shakib wurde mit 13 Jahren verheiratet und mit 14 schwanger; sie wollte nicht, dass Esin das gleiche Schicksal erleidet. Deshalb nahm sie an den von World Vision organisierten Gruppen zur Veränderung der Gemeinschaft teil und lernte die körperlichen und geistigen Folgen von Kinderheirat und Kinderschwangerschaft kennen. Sie wurde ebenfalls darüber aufgeklärt, dass Esin das Recht hatte, nicht zu heiraten, wenn sie nicht wollte. Esins Mutter bat ihren Mann, die Ehe zu beenden, aber er lehnte ab. Er war arbeitslos mit ernsthaften Gesundheitsproblemen und sah den Brautpreis als eine Lösung für ihre finanziellen Probleme an. Esin und ihre Mutter wandten sich an die Gruppe für Gemeindeveränderungen, um einzugreifen. Diese schloss sich dem Gemeindeältesten an und es dauerte fast einen Monat, bevor er seine Meinung änderte und die Ehe beendete.

Mädchen werden über ihre Rechte aufgeklärt
Frauen und Mädchen werden über ihre Rechte aufgeklärt.
Männer werden über das Thema Kinderheirat aufgeklärt
Auch die Männer treiben den Gesellschaftswandel voran.

Bei den Sitzungen der Gemeindegruppe teilt Esin nun ihre Erfolgsgeschichte gegen die Frühverheiratung mit anderen Frauen und Mädchen, damit diese ermutigt werden, auch für ihre Rechte zu kämpfen. „Ich möchte andere Mädchen ermutigen, ihre Stimme zu erheben. Ich erzähle meinen Freundinnen von meiner verhinderten Zwangsverheiratung, damit sie ihr Recht kennen, nicht zu heiraten! Sie sagen mir, dass sie sehr glücklich sind, dass ich immer noch bei ihnen bin. Ich hoffe, dass alle afghanischen Mädchen eine Ausbildung erhalten, damit sie ihre Talente für den Aufbau dieses Landes einsetzen können.“

Dank der Aufklärungsarbeit über die Rechte der Mädchen und Frauen kann Esin nun weiterhin zur Schule gehen und kommt ihren Träumen damit ein Stück näher. „Ich liebe Mathe, ich möchte entweder Ärztin oder Ingenieurin werden, ich habe mich noch nicht entschieden. Ich bin so glücklich, dass ich nicht heiraten werde. Ich werde noch härter in der Schule arbeiten und Klassenbeste sein, eines Tages werde ich meine Familie unterstützen.“

Helfen Sie uns mit einer Spende, Kinder vor Zwangsverheiratung zu schützen und ihre Kindheit zu erhalten.

Frühverheiratung ist eine potenzielle Gefahr für jedes Mädchen in Armut – in vielen Krisenregionen der Welt sind sie mit 12 schon längst Ehefrauen. Krieg, Flucht und finanzielle Not treiben ihre Familien dazu, sie für ein paar tausend Dollar als Braut preiszugeben. Kurz darauf werden sie zur Mutter, obwohl sie selbst noch Kinder sind. Was folgt, ist verheerend: Gefahren für Leib und Leben, Verzweiflung, Depression bis hin zum Selbstmord.

Schätzungsweise zwölf Millionen Mädchen ereilt jährlich dieses Schicksal. Alltägliche sexuelle Gewalt erleiden noch viele Millionen mehr. Und die Dunkelziffer kennt niemand.

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