Humanitäre Hilfe im Niger

Vor Ort aktiv seit 2006.

Das westafrikanische Binnenland Niger zählt zu den ärmsten Ländern der Welt und steht beispielhaft für die Herausforderungen vieler Länder des globalen Südens. Mehr als zwei Drittel des Landes bestehen aus Wüste und trockener Sahelzone. Die Lebensbedingungen sind extrem: Hitze, Wassermangel und unregelmäßige Regenzeiten erschweren den Alltag der Menschen.

Der Klimawandel macht das Leben vieler Familien schwieriger: Dürren und Überschwemmungen zerstören Ernten und bedrohen so die Lebensgrundlagen von über 80 % der Bevölkerung. Gleichzeitig zwingen Konflikte und Unsicherheit Hunderttausende Menschen zur Flucht innerhalb des Landes.

Armut ist im Niger weit verbreitet. Viele Menschen haben keinen verlässlichen Zugang zu Nahrung, sauberem Wasser oder medizinischer Versorgung. Auch Bildung bleibt für viele unerreichbar. Ein großer Teil der Erwachsenen kann weder lesen noch schreiben. Viele Kinder brechen die Schule frühzeitig ab, insbesondere Mädchen, die häufig sehr jung verheiratet werden.

Niger ist damit eines der am stärksten von Krisen betroffenen Ländern des globalen Südens. Humanitäre Hilfe in Niger ist für Millionen Menschen überlebenswichtig und gleichzeitig ein wichtiger Schritt, um langfristige Entwicklung zu ermöglichen.

World Vision ist daher seit 2006 in Niger aktiv. Gemeinsam mit den Menschen vor Ort und orientiert an ihren Bedürfnissen leisten wir Humanitäre Hilfe in Niger. Im Fokus stehen Ernährungssicherung, Gesundheit, Bildung und der Zugang zu sauberem Wasser und sanitären Einrichtungen. So entstehen nachhaltige Perspektiven für Kinder im Niger und ihre Familien. 

World Vision in Niger

  • World Vision ist seit 2006 in Niger aktiv
  • Sitz des Landesbüros: die Hauptstadt Niamey
  • Zudem hat WVN Büros in den verschiedenen Regionen, in denen ein Großteil der Mitarbeitenden basiert ist
  • 242 Mitarbeitende machen unsere Arbeit vor Ort möglich
  • World Vision Deutschland hat in den letzten Jahren, 7 Hilfsprojekte in Nigers Regionen Tillaberi, Dosso, Taoua, Zinder und Maradi umgesetzt
  • aktuell läuft 1 Projekt in Ouallam, in Tillaberi, im Westen des Landes

Ausgewählte Erfolge unserer Arbeit

  • 1.800 Haushalte wurden nach Überschwemmungen mit Bargeld für Lebensmittelversorgung unterstützt
  • 2 Gemeindegärten wurden aufgebaut und konnten Einkommen und Ernährung für 61 Haushalte sichern
  • 206 Hektar Land konnten erfolgreich renaturiert werden
  • 820 vertriebene Familien wurden mit Hilfspaketen (Kochen, Hygiene, Unterkunft) versorgt
  • 1 neuer Viehmarkt konnte gebaut und 3 wieder aufgebaut  werden
  • Errichtung von 5 Lagern für Viehfutter
  • Aufbau und Instandsetzung von 5 Wassersystemen

Aktuelle Lage: Warum Hilfe in Niger notwendig ist

Rund 40 % der Bevölkerung leben in extremer Armut. Für viele Familien fehlen damit die finanziellen Grundlagen für ein selbstbestimmtes Leben. Besonders Kinder in Niger spüren die Folgen. Unter- und Mangelernährung prägen ihren Alltag und beeinträchtigen ihre Entwicklung nachhaltig.  

Gleichzeitig wächst die Bevölkerung rasant. Mit durchschnittlich etwa sechs Kindern pro Frau gehört Niger zu den Ländern mit dem höchsten Bevölkerungswachstum weltweit. Das erhöht den Druck auf vorhandene Ressourcen und erschwert Fortschritte in der Entwicklung des Niger erheblich.

Viele Familien leben von dem, was sie anbauen – eine Lebensgrundlage, die durch unregelmäßige Regenzeiten, Wetterextreme und begrenzte Erträge immer wieder herausgefordert wird.

Diese strukturellen Herausforderungen greifen ineinander und machen deutlich: Humanitäre Unterstützung bleibt für viele Menschen in Niger ein wichtiger Baustein, um Herausforderungen zu meistern, Chancen zu erweitern und langfristige Transformation zu ermöglichen. 

Euro Icon

Extreme Armut

40 % der Menschen in Niger leben in extremer Armut.

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Zugang zu Bildung ist erschwert

Viele Erwachsene können nicht lesen oder schreiben. Viele Kinder brechen die Schule ab.

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Der Klimawandel gefährdet Lebensgrundlagen

80 % der Menschen leben von dem, was sie anbauen.

Humanitäre Hilfe in Niger: Unsere Schwerpunkte

Unsere Hilfsprojekte in Niger setzen gezielt an den größten Herausforderungen im Land an. Sie verbinden dringend benötige Humanitäre Hilfe mit langfristigen Ansätzen, um Lebensbedingungen nachhaltig zu verbessern und Perspektiven für Kinder und Familien zu schaffen. Das sind unsere Schwerpunkte der Humanitären Hilfe.

World Vision Arbeiter am arbeiten

So hilft World Vision im Bereich Gesundheit und Ernährung

Um Mangelernährung frühzeitig zu erkennen und vorzubeugen, werden Gesundheitshelferinnen und Gesundheitshelfer in der Region geschult und ausgestattet. Sie unterstützen Familien direkt vor Ort und stärken insbesondere die Ernährung von Kleinkindern.

Ergänzend entstehen auf Gemeindeebene geschützte Orte, an denen Kochkurse stattfinden. Dort lernen Familien, wie sie mit lokalen Lebensmitteln ausgewogene und nährstoffreiche Mahlzeiten zubereiten können.

Auch Schwangere erhalten Unterstützung durch Vorsorgeuntersuchungen, Impfungen und Aufklärung.

Mädchen im Klassenraum

So hilft World Vision im Bereich Bildung

World Vision setzt sich in Niger für den Zugang zu qualitativ hochwertiger Bildung ein, insbesondere für Kinder und Jugendliche, die von Flucht, Vertreibung oder Armut betroffen sind.

Im Rahmen eines von Education Cannot Wait geförderten Projekts erhielten mehr als 50.000 Kinder Zugang zu Bildungsangeboten. Schulen wurden ausgebaut und ausgestattet, Lehrkräfte geschult und Kinder durch Schulkits, Geburtszertifikate, Nachhilfeunterricht, Leseklubs sowie psychosoziale Angebote unterstützt.

Nachschule

So hilft World Vision im Bereich Kinderschutz

Kinder zu schützen und ihnen ein sicheres Umfeld zu ermöglichen, ist ein zentraler Bestandteil unserer Humanitären Hilfe in Niger. Dazu werden Kinderschutzkomitees aufgebaut und geschult. Aufklärungskampagnen stärken das Bewusstsein für Kinderrechte in den Gemeinschaften und werden über lokale Radiosender verbreitet.

Programme zur Konfliktprävention und Friedensförderung bringen intern Vertriebene, Geflüchtete und die Gemeinschaften, die sie aufnehmen, zusammen und stärken den sozialen Zusammenhalt.

Frauen am arbeiten

So hilft World Vision im Bereich Einkommensförderung

Um Familien langfristig zu stärken, unterstützen die Hilfsprojekte in Niger den Wiederaufbau von Lebensgrundlagen. Tausende Menschen profitieren von Maßnahmen zur Einkommensförderung, darunter Trainings und Startpakete für Jugendliche und Erwachsene.

Gemeindegärten, Schulungen zu Anbaumethoden und die Bereitstellung von Saatgut ermöglichen es Familien, sich selbst zu versorgen und eigenes Einkommen zu erwirtschaften.

Ergänzend stärken folgende Maßnahmen die lokale Wirtschaft: Vier Viehmärkte wurden gebaut oder rehabilitiert, fünf Lager für Viehfutter errichtet und 206 Hektar Land wieder nutzbar gemacht. In Regionen wie Tillaberi wird so der Viehhandel als zentrale Einkommensquelle nachhaltig gestärkt und die Widerstandsfähigkeit gegenüber Krisen deutlich erhöht.

Kind am Händewaschen

So hilft World Vision im Bereich WASH

Der Zugang zu sauberem Wasser ist entscheidend für Gesundheit und Entwicklung. Deshalb baut World Vision solarbetriebene Wassersysteme und sanitäre Einrichtungen auf und setzt diese instand.

Diese Infrastruktur dient sowohl der Trinkwasserversorgung als auch der Landwirtschaft und Viehhaltung. Gleichzeitig werden lokale Komitees geschult, die Betrieb und Wartung langfristig sichern.

So verbessern unsere Hilfsprojekte in Niger nachhaltig die Lebensbedingungen vieler Gemeinden. 

So wirkt unsere Humanitäre Hilfe in Niger

Unsere Arbeit zeigt konkrete Wirkung: Die Hilfsprojekte im Niger verbessern die Lebensbedingungen von Kindern und Familien nachhaltig. Sie sichern Ernährung, schaffen Zugang zu Bildung und stärken Gemeinden darin, Krisen besser zu bewältigen.

Die folgenden Beispiele geben Einblick, wie Unterstützung vor Ort wirkt und neue Perspektiven eröffnet.

Portrait von Sadi

Sadis Weg zur Stärke

Sadi ist eine mutige Witwe aus dem Niger, die hart für ihre große Familie arbeitet. Durch ein Projekt von World Vision bekam sie die Chance, Neues zu lernen und ihr eigenes Geld zu verdienen. Heute stellt sie Seife und Lebensmittel her, womit sie ihre Kinder erfolgreich unterstützen kann. Sadi fühlt sich nun stark und unabhängig, da sie nicht mehr um Hilfe bitten muss. Ihre Geschichte zeigt, dass Bildung und Zusammenarbeit das Leben von Frauen nachhaltig verbessern können.

World Vision Mitarbeiter am arbeiten

Klimaschutz in Tillaberi

Dieses Projekt unterstützt geflüchtete Menschen und lokale Gemeinschaften in der Region Tillabéri in Niger. Aufgrund des Klimawandels leidet die Bevölkerung unter extremer Trockenheit und unvorhersehbarem Wetter. Die Initiative hilft den Menschen, ihre Landwirtschaft an die schwierigen Umweltbedingungen anzupassen, um die Ernährung zu sichern. Durch neue Techniken und bessere Ressourcen wird die Region widerstandsfähiger gegen Naturkatastrophen. Gemeinsam bauen die Bewohner eine stabilere Zukunft auf, trotz der sozialen Herausforderungen.

Portrait von Faouzia

Faouzias Traum, Ärztin zu werden

In Niger haben viele Mädchen Schwierigkeiten, zur Schule zu gehen. Soziale Normen und die Unsicherheit im Land führen dazu, dass viele junge Frauen ihre Ausbildung vorzeitig abbrechen müssen. Auch für Faouzia ist es schwer, in der Schule zu bleiben, obwohl sie davon träumt, später als Ärztin zu arbeiten. Das Projekt von World Vision hilft Mädchen wie ihr, damit sie eine bessere Chance auf Bildung bekommen. Dank dieser Unterstützung kehrt die Hoffnung zurück, dass Faouzia ihren Abschluss machen und ihren Traum verwirklichen kann.

Nachhaltige Hilfe

Tausende Binnenvertriebene, Flüchtlinge und Rückkehrende sind vor der Boko Haram in die Region Diffa gekommen. World Vision konnte vor Ort von 2017 bis 2018 ein Projekt des Auswärtigen Amtes durchführen, um den Menschen im Bereich Wasser, Sanitär und Hygiene zu helfen und den Kinderschutz zu stärken. Über 60.000 Menschen haben dadurch Zugang zu Trinkwasser und besseren Sanitäreinrichtungen.

Mädchen am Brunnen in Niger

Die 15-jährige Fati und ihre Gemeinde können jetzt sauberes Wasser aus einem Brunnen trinken.

World Vision-Mitarbeiterin in Niger im Gespräch mit Hilfesuchenden

World Vision-Mitarbeitende führten im Rahmen des Projekts viele Gesprächen mit den Menschen vor Ort.

Menschen an einem Brunnen in Niger

Im Verlauf des Projekts wurden unter anderem zehn neue Tiefbrunnen gebohrt, 19 nicht funktionstüchtige Brunnen repariert, 550 Toiletten in Haushalten und elf öffentliche Toiletten gebaut.