Entwicklungszusammenarbeit in Myanmar

Vor Ort aktiv seit 1993.

Myanmar liegt in Südostasien und ist ein Land mit großer kultureller Vielfalt – zugleich jedoch seit Jahren von Konflikten, politischer Instabilität und wirtschaftlichem Einbruch geprägt. Millionen Familien wurden aus ihrem Alltag gerissen. Mehr als 3,5 Millionen Menschen sind innerhalb des Landes vertrieben, während steigende Preise und wegbrechende Einkommen viele Haushalte an ihre Grenzen bringen. Besonders Kinder leiden, wenn Schulen schließen, medizinische Versorgung fehlt und sauberes Wasser nicht verlässlich verfügbar ist.
Das schwere Erdbeben Ende März 2025 hat die Lage zusätzlich verschärft. Häuser, Infrastruktur und Lebensgrundlagen wurden zerstört – in einem Land, das ohnehin kaum Reserven hatte. Viele Familien stehen heute vor der Frage, wie sie den nächsten Tag überstehen.
World Vision ist deshalb seit 1993 in Myanmar aktiv und engagiert sich gemeinsam mit lokalen Partnern mit langfristiger Entwicklungszusammenarbeit, die Familien stabilisiert und Kinder schützt. Schwerpunkte unserer Entwicklungszusammenarbeit in Myanmar sind: Gesundheit und Ernährung, Bildung, Kinderschutz, Wasser- und Sanitärversorgung sowie die Stärkung von Lebensgrundlagen und die Einkommenssicherung.
 

World Vision in Myanmar

  • seit 1993 vor Ort
  • Sitz des Landesbüros: Yangon (ehemalige Hauptstadt des Landes)
  • Hier ist World Vision Deutschland aktiv: in den ländlichen Gebieten außerhalb Yangons (Hlegu North) und in der Mon Region (Chaungzon).
  • Wir leisten auch Humanitäre Hilfe in Konfliktgebieten, vor allem im Norden des Landes in der Region Kachin.
  • In 2024 hat World Vision Deutschland 2 AP und ein Projekt der Humanitären Hilfe durchgeführt.
     

Ausgewählte Erfolge unserer Arbeit 2024

  • Wir haben 1,35 Millionen Menschen erreicht, darunter 349.383 Mädchen und 319.724 Jungen.
  • 24.190 Kinder wurden mit Bildungsangeboten unterstützt, u. a. mit 233 Leseklubs und 155 Community-Lernorten
  • 406.435 Menschen profitierten von Maßnahmen zur Trinkwasseraufbereitung
  • 20.623 Menschen erhielten Cash-for-Food-Unterstützung, darunter 1.019 Kinder unter zwei Jahren, 247 schwangere und stillende Frauen und Mädchen sowie 435 Menschen mit Behinderungen.
     

Aktuelle Lage: Warum Hilfe in Myanmar notwendig ist

Die aktuelle Situation in Myanmar ist das Ergebnis mehrerer Krisen, die in kurzer Zeit aufeinander folgten. Seit das Militär am 1. Februar 2021 erneut die Macht übernommen hat, lebt das Land im Ausnahmezustand. Viele Regionen sind durch anhaltende Kämpfe und politische Spannungen stark belastet.
Gleichzeitig hat die COVID-19-Pandemie sowohl die Wirtschaft als auch das Gesundheitssystem geschwächt. Das Erdbeben von 2025 hat die ohnehin schwierige Lage weiter verschärft.
Trotz internationaler Unterstützung auf dem Weg zu mehr Demokratie bleiben viele Herausforderungen bestehen – besonders der Umgang mit Minderheiten und die Lösung politischer Konflikte.
Die Auswirkungen sind gravierend:

  • 25 Millionen Menschen leben in Armut.
  • 19,9 Millionen sind auf humanitäre Hilfe angewiesen.
  • 15 Millionen sind von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen.
  • 12,1 Millionen benötigen grundlegende Gesundheitsversorgung.

Viele Haushalte verschulden sich, um Lebensmittel zu kaufen. Schwangere Frauen bringen ihre Kinder ohne medizinische Betreuung zur Welt. Krankheiten wie Denguefieber breiten sich leichter aus, wenn Hygiene- und Wasserversorgung fehlen. Millionen Kinder haben keinen verlässlichen Zugang zu Bildung.
Myanmar steht damit vor einer doppelten Herausforderung: akute Nothilfe sichern und gleichzeitig langfristige Strukturen für Stabilität, Versorgung und Perspektiven aufbauen.

Icon Politische Instabilität

Politische Instabilität

Durch die anhaltenden Kämpfe und politischen Spannungen mussten bereits mehr als 3,5 Millionen  Menschen ihr Zuhause verlassen.

Icon Geld

Wirtschaftlicher Einbruch und extreme Armut

Die politische Krise und die Folgen der COVID-19-Pandemie haben Wirtschaft und Gesundheitssystem stark belastet. Rund 25 Millionen Menschen in Myanmar leben deshalb in Armut.
 

Icon Gesundheit

Medizinische Grundversorgung ist nicht gesichert

Etwa 12,1 Millionen Menschen auf Hilfe angewiesen sind und Krankheiten wie Denguefieber sich mangels Hygiene leichter ausbreiten.
 

Schwerpunkte unserer Entwicklungszusammenarbeit in Myanmar

Die Herausforderungen in Myanmar sind gravierend: anhaltende Konflikte und Vertreibung, steigende Lebenshaltungskosten und große Lücken in der medizinischen Versorgung und Hygiene. 
World Vision verfolgt in Myanmar mit langfristiger Entwicklungszusammenarbeit einen ganzheitlichen Ansatz und setzt genau dort an, wo Unterstützung am dringendsten gebraucht wird. Gemeinsam mit Gemeinden und lokalen Partnern stärken wir Gesundheit und Ernährung, ermöglichen Bildung, schützen Kinder und sichern Lebensgrundlagen. 

Das sind unsere zentralen Schwerpunkte:

Bildung Bild

Bildung zur Sicherung der Zukunft

World Vision setzt sich dafür ein, dass Kinder zwischen drei und zwölf Jahren in Myanmar eine gute und sichere Schulbildung erhalten. Dafür schaffen wir Lernorte, in denen sich Kinder willkommen fühlen und Unterstützung bekommen. Gemeinsam mit Familien, Lehrkräften, Gemeinschaften, lokalen Partnern und staatlichen Stellen verbessern wir Unterrichtsmethoden und stärken die Zusammenarbeit zwischen Eltern und Schulen. Auch Themen wie Klimawandel und Resilienz sind Teil des Lernens, damit Kinder besser mit Krisen umgehen können.
Für Kinder, die nicht zur Schule gehen können, entwickeln wir alternative Angebote: etwa Spielgruppen, Hausunterricht, frei nutzbare Lernmaterialien oder Gemeinschaftsbibliotheken. Ein besonders wichtiges Ziel ist es, alle Kinder einzubeziehen – auch diejenigen mit Behinderungen – damit sie die gleichen Chancen auf Bildung haben wie andere.
 

Bild Myanmar

Gesundheit und Ernährung

Viele Risiken für Kinder entstehen dort, wo Vorsorge und medizinische Grundversorgung fehlen. Deshalb stärkt World Vision Gesundheit und Ernährung gezielt bei den Familien, die es am dringendsten brauchen. Mütter und Betreuungspersonen von Kindern unter fünf Jahren erhalten dabei Aufklärung zur Gesundheitsvorsorge. Schwangere und stillende Frauen werden mit Mikronährstofftabletten versorgt und Kinder unter fünf Jahren erhalten Beutel mit Mikronährstoffpulver. Zusätzlich erhalten schwangere Frauen saubere Geburtssets und Neugeborene passende Neugeborenen-Sets. 
 

Child Protection

Kinderschutz und Kinderrechte

World Vision schützt Kinder vor Missbrauch, Ausbeutung und Gewalt. Besonderen Fokus haben die am stärksten gefährdeten Kinder, etwa in Konfliktkontexten oder dort, wo Kinderarbeit, Menschenhandel, Frühverheiratung oder das Leben auf der Straße Risiken erhöhen. Dazu arbeitet World Vision eng mit Kindern, Eltern, Betreuungspersonen, religiösen Führungspersonen, Lehrkräften und lokalen Behörden zusammen, um ein starkes Unterstützungsnetzwerk aufzubauen und den Zugang zu hochwertigen Schutzdiensten sicherzustellen. Gleichzeitig werden Kinder gestärkt, ihre Rechte zu kennen und sich sicher einzubringen - damit Entscheidungen, die ihr Leben prägen, nicht ohne sie getroffen werden.
Wollen Sie Kindern langfristig helfen? Informieren Sie sich hier über eine Kinderpatenschaft in Myanmar.
 

Myanmar Wash

Wasser, Sanitärversorgung und Hygiene (WASH)

Sauberes Wasser und Hygiene schützen vor Krankheiten und entlasten Familien im Alltag. World Vision unterstützt Gemeinschaften dabei, dauerhaft bessere WASH-Bedingungen zu schaffen. Gemeindemitglieder nehmen an Programmen zur Veränderung von WASH-Verhaltensweisen teil. Haushalte und Schulen erhalten Unterstützung beim Bau von Latrinen, während Menschen über Wasserversorgungssysteme und Wassertest-Initiativen Zugang zu sauberem Wasser erhalten. Außerdem verteilen wir Wasserreinigungsbeutel an Haushalte, damit besonders gefährdete Familien Trinkwasser sicher aufbereiten können.
 

Myanmar EInkommen

Nachhaltige Lebensgrundlagen und Einkommenssicherung

Damit Familien Krisen besser bewältigen können, unterstützt World Vision sie dabei, stabile und verlässliche Einkommensquellen. Dazu gehören praktische Hilfe im Alltag, hochwertiges Saatgut und wichtige Betriebsmittel. Familien lernen außerdem, wie sie ihre Felder und Tiere nachhaltiger bewirtschaften können. Gemeinsam mit Unternehmen vor Ort entstehen lokale Wertschöpfungsketten und integrative Marktsysteme, von denen ganze Gemeinden profitieren.

Parallel dazu lernen Haushalte, ihr Geld besser zu planen und zu nutzen: durch Spargruppen, Trainings zur Finanzkompetenz, persönliche Coachings sowie Unterstützung bei der Planung und Umsetzung kleiner Geschäfts¬ideen – alleine oder in Gruppen. So können Familien langfristig selbst für mehr Sicherheit sorgen. 
 

Die Wirkung unserer Entwicklungszusammenarbeit in Myanmar

Unsere Entwicklungszusammenarbeit in Myanmar wirkt:  World Vision stärkt Kinder, Familien und Gemeinden dort, wo die Not am größten ist - mit besserer Gesundheits- und Ernährungsversorgung, Bildungsangeboten, Kinderschutz sowie Maßnahmen für sauberes Wasser und sichere Hygiene.

Stories
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Myanmar Erfolgsgeschichte
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Meine Hände wurden meine Stimme
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Nach dem frühen Schulabbruch in Myanmar und der Flucht nach Bangladesch schien ihre Zukunft durch Armut und Vertreibung begrenzt. Doch im Trainingsprogramm von World Vision Bangladesh in Cox's Bazar entwickelte sie ihr handwerkliches Talent weiter und übernahm schließlich die Leitung einer Hanarbeits- und Nähgruppe. Heute steht sie mit 24 Jahren für Selbstbestimmung und Kompetenz. Ihr Können verschafft ihr Anerkennung, ihr Durchhaltevermögen eröffnet ihr neue Perspektiven. 

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Myanmar Schwimmende Toiletten
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Schwimmende Toiletten verbessern Gesundheit und Umwelt
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An einem See in Myanmar wurde aus einer schweren Umwelt- und Gesundheitskrise eine zukunftsweisende Lösung: Gemeinsam mit dem Gesundheitsministerium entwickelte World Vision Myanmar ein innovatives, schwimmendes Bio-Klärsystem, das sich flexibel an steigende und sinkende Wasserstände anpasst. Die neuen Toiletten verhindern, dass Fäkalien direkt ins Wasser gelangen, reduzieren nachweislich Krankheitsrisiken wie Durchfall oder Hepatitis und stärken besonders den Schutz von Frauen und Kindern. Erste Installationen zeigen bereits messbare Verbesserungen für Gesundheit und Wasserqualität. Das Projekt gilt damit als skalierbares Modell für klimaresiliente Sanitärlösungen in ganz Myanmar.

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Myanmar
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Mit Mikrofinanzierung zum Wachstum
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Was als kleine Schneiderei in Mandalay begann, entwickelte sich für Daw  mit Unterstützung von VisionFund Myanmar zu einem wachsenden Produktionsbetrieb. Durch gezielte Kredite konnte sie Materialien bar einkaufen, mehrere Stickmaschinen anschaffen und schließlich  eine eigene Fabrik mit sechs festen Mitarbeitenden aufbauen. Selbst während der COVID-19-Pandemie sicherte sie durch die Produktion von T-Shirts, Hüten und Masken Arbeitsplätze und blieb finanziell stabil. Heute beliefert ihr Unternehmen Kundinnen und Kunden über Mandalay hinaus und steht für nachhaltiges Wachstum, unternehmerische Resilienz und neue Perspektiven für ihre Familie und die Gemeinschaft.

Nachhaltige Hilfe

Dass Hilfe zur Selbsthilfe wirkt, zeigt unser Projekt in Hlegu.

Damit die Familien langfristig ihre Zukunft selbst in die Hand nehmen können, ist es unter anderem entscheidend, dass sie genügend Einkommen haben, um ihre Kinder gut zu ernähren. Wir helfen deshalb dabei, Spargruppen zu gründen: Ihre Mitglieder sparen Geld und vergeben Kredite an besonders bedürftige Familien, die sie dann für die Gründung oder Erweiterung von Kleingewerben nutzen können. 

Kinder sollen gesund aufwachsen können - eines unserer Ziele in Hlegu. Deshalb sind auch einfache Hygienepraktiken so wichtig. In Hlegu kennen jetzt viele Menschen vor Ort dank unserer Schulungen den Zusammenhang zwischen Hygiene und Gesundheit. 

Hier ein paar Eindrücke aus unserem Projekt:

WASH Myanmar

Paing ist acht Jahre alt und weiß ganz genau, warum Händewaschen wichtig ist: "Wir müssen Seife verwenden und die Hände gut waschen. Das hilft uns, gesund zu bleiben."

Hlegu Shop

Mit ihrem Lebensmittelgeschäft unterstützt Ma ihre Familie und stärkt zugleich Resilienz und Ernährungssicherheit.

Hlegu Nähen

Familien in Hlegu verdienen ihren Lebensunterhalt mit Nähen, unterstützt von World Vision durch Trainings, psychosoziale Betreuung und Grundversorgung.

Pig Farming

Durch ihre Schweinezucht und den Schweineverkauf sichert diese Familie den Lebensunterhalt.

Durch unsere Arbeit wurden Kleinbauern in Schweinezucht geschult und konnten mit dem Verkauf eigens gezüchteter Schweine das Haushaltseinkommen erhöhen.
Anja Gold, Referentin Entwicklungszusammenarbeit

Häufig gestellte Fragen zu unserer Hilfe in Myanmar

Question & Answer Section
Question
Wie viele Menschen in Myanmar benötigen Humanitäre Hilfe?

In Myanmar sind derzeit rund 19,9 Millionen Menschen auf humanitäre Unterstützung angewiesen. Die Lage ist so kritisch, weil mehrere Krisen gleichzeitig zusammenkommen: Seit der Machtübernahme des Militärs im Februar 2021 lebt das Land im Ausnahmezustand. In vielen Regionen gibt es weiterhin Kämpfe und politische Spannungen.
Hinzu kommen ein starker wirtschaftlicher Einbruch, die Folgen der COVID-19-Pandemie und ein schweres Erdbeben Ende März 2025. All das hat dazu geführt, dass Millionen Menschen ihre Lebensgrundlagen verloren haben.
 

Question
Wie viele Rohingya sind aus Myanmar geflohen?

Rund eine Million Rohingya sind in den vergangenen Jahren aus Myanmar nach Bangladesch geflohen. Gleichzeitig sind innerhalb Myanmars etwa 3,5 Millionen Menschen als Binnenvertriebene auf der Flucht im eigenen Land. (Quelle: UNO-Flüchtlingshilfe, 2025)

Question
Wie ist die aktuelle Situation in Myanmar?

Seit dem Militärputsch im Februar 2021 steckt Myanmar in einer schweren politischen und humanitären Krise. Bewaffnete Konflikte, wirtschaftlicher Einbruch und Naturkatastrophen haben Millionen Menschen in Not gebracht. Rund 3,5 Millionen sind innerhalb des Landes vertrieben, etwa 20 Millionen sind auf humanitäre Hilfe angewiesen.

Question
Ist Myanmar ein Entwicklungsland?

Myanmar gehört laut Weltbank zur Gruppe der Länder mit niedrigem bis unterem mittlerem Einkommen. Jahrzehntelange Konflikte, politische Instabilität und wirtschaftliche Krisen haben die Entwicklung stark gebremst. Millionen Menschen leben in Armut und sind auf Humanitäre Hilfe angewiesen.

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