Georgien liegt im Südkaukasus und hat eine bewegte Geschichte und ein großes wirtschaftliches, kulturelles und gesellschaftliches Potenzial. In den letzten Jahren hat sich die Wirtschaft stark entwickelt: 2024 stieg das Bruttoinlandsprodukt sogar um 9,4 %. Trotzdem profitieren nicht alle Menschen davon.
Viele Familien, besonders auf dem Land und junge Menschen, kämpfen mit Arbeitslosigkeit, schwierigen Jobchancen und sozialen Ungleichheiten. Für viele ist es schwer, einen sicheren Job oder sozialen Schutz zu bekommen.
Hinzu kommen langjährige politische Spannungen wegen der Konflikte in Südossetien und Abchasien. Sie machen das Land unsicher, hemmen wirtschaftliche Chancen und belasten das soziale Leben. Probleme wie schwache Institutionen und Korruption erschweren außerdem dauerhafte Verbesserungen. Deshalb gilt Georgien weiterhin als Entwicklungsland.
Armut ist in vielen Regionen spürbar. Trotz positiver Entwicklungen leben noch immer viele Menschen mit wenig Chancen: 11,8 % in absoluter Armut und rund 48 % in relativer Armut.
Als NGO in Georgien arbeitet World Vision deshalb seit 1996 mit lokalen Partnern zusammen. Unsere Entwicklungszusammenarbeit in Georgien setzt dort an, wo Menschen Perspektiven brauchen. Schwerpunkte unserer Projektarbeit in Georgien sind unter anderem Jugendförderung, soziale Dienste für sozial schwache Familien sowie die Förderung der Wirtschaft.
World Vision in Georgien
- seit 1996 vor Ort
- Sitz des Landesbüros: Tifilis
- Hier ist World Vision aktiv: in den Gebieten Tiflis, Batumi (Adjara), Imereti, Kacheti, Samtskhe-Javakheti and Abchasien
- 150 Mitarbeitende machen unsere Entwicklungszusammenarbeit in Georgien möglich.
Ausgewählte Erfolge unserer Arbeit
- 16.854 ukrainische Geflüchtete erhielten finanzielle Unterstützung
- 1.930 ukrainische Kinder konnten Winterkleidung erwerben
- 2.094 Kinder erhielten psychosoziale Unterstützung
- 702 georgische Haushalte und 200 geflüchtete Haushalte erhielten Fortbildungen zur Verbesserung ihrer Lebensgrundlagen
- 741 Haushalte wurden mit Equipment zur Stärkung ihrer Lebensgrundlage ausgestattet
Obwohl die Wirtschaft in Georgien in den letzten Jahren gewachsen ist, bleibt die Lage im Land angespannt. Besonders in ländlichen Regionen und unter jungen Menschen finden viele weiterhin keinen Job. Etwa 31 % der Jugendlichen sind weder in Ausbildung noch in Arbeit. Viele fühlen sich perspektivlos – manche sehen ihre Zukunft nur noch in den großen Städten oder im Ausland. Rund ein Viertel aller Kinder wächst in Armut auf und hat dadurch von Anfang an schlechtere Chancen zu lernen und sich gut zu entwickeln.
Armut betrifft nicht nur das Einkommen. Sie entscheidet auch darüber, ob Familien Zugang zu guter Bildung, medizinischer Versorgung und sozialer Unterstützung haben. Gerade im Kinderschutz zeigen sich große Lücken: Die bestehenden Hilfsangebote sind oft schlecht miteinander verbunden, finanziell knapp ausgestattet und zu wenig Personal ist ausgebildet. Für besonders verletzliche Familien bedeutet das lange Wege, viel Bürokratie oder nur sehr begrenzte Hilfe.
In Abchasien sind die Herausforderungen noch größer. Seit dem Krieg von 1992–1993 steht das Gebiet de facto außerhalb der Kontrolle von Tiflis. Die politische Isolation und die schwache wirtschaftliche Anbindung haben die Situation über viele Jahre hinweg verschlechtert.
Gerade deshalb bleibt Entwicklungszusammenarbeit wichtig. Sie setzt dort an, wo große strukturelle Lücken bestehen, stärkt lokale Systeme und schafft neue Chancen für Familien und junge Menschen – besonders für diejenigen, die ohne Unterstützung kaum Hoffnung auf eine stabile Zukunft hätten.
Aktuelle Situation: Warum Hilfe in Georgien notwendig ist
Armut und soziale Ungleichheit
11,8 % der Menschen leben in absoluter Armut. Etwa 48 % sind von relativer Armut betroffen.
Arbeits- und Perspektivlosigkeit
Etwa 31 % der Jugendlichen machen gerade weder eine Ausbildung noch arbeiten.
Politische Spannungen
Langjährige politische Spannungen und Konflikte in den Regionen Südossetien und Abchasien machen das Land instabil.
Schwerpunkte unserer Entwicklungszusammenarbeit in Georgie
World Vision setzt in Georgien auf langfristige Entwicklungszusammenarbeit mit einem ganzheitlichen Ansatz. Gemeinsam mit Gemeinschaften, lokalen Partnerorganisationen und staatlichen Stellen stärken wir soziale Dienste, fördern Bildung und berufliche Perspektiven für junge Menschen, verbessern den Kinderschutz und unterstützen Familien beim Aufbau nachhaltiger Lebensgrundlagen.
Unser Ziel ist die Hilfe zur Selbsthilfe, damit Menschen ihre Zukunft eigenständig gestalten können. Das sind unsere zentralen Schwerpunkte:
Gesundheit und Ernährung
Im Rahmen verschiedener Projekte werden besonders gefährdete Familien gezielt mit bestehenden Sozialdiensten in Verindung gesetzt. So bekommen sie regelmäßig Unterstützung – zum Beispiel Lebensmittel. In akuten Krisen verteilt World Vision Nahrungsmittel- und Hygiene-Sets, wenn andere Hilfsangebote nicht erreichbar sind.
Ein weiterer wichtiger Baustein sind Maßnahmen, die Familien helfen, eigenes Einkommen zu erwirtschaften. Wenn Eltern stabile Einkommensquellen aufbauen können, verbessert sich langfristig auch ihre Ernährungssicherheit. Gesundheit und wirtschaftliche Stabilität hängen eng zusammen – deshalb betrachten wir beide Bereiche zusammen.
Bildung und Jugendförderung
World Vision hilft beruflichen Bildungseinrichtungen dabei, neue und praktische Ideen für die Ausbildung junger Menschen zu entwickeln. Dazu gehört, dass wir Sozialunternehmen im digitalen und ökologischen Bereich stärken und Jugendlichen zeigen, wie sie unternehmerisch denken und handeln können. So bekommen sie Werkzeuge an die Hand, mit denen sie ihre berufliche Zukunft aktiv gestalten.
Blinde und schwerhörige Kinder lernen gezielt Blindenschrift oder Gebärdensprache. Auch ihre Familien beziehen wir ein, damit die Kinder gut am Schulalltag teilnehmen und langfristig selbstständig leben können.
Außerdem ermutigen wir Jugendliche, sich in ihren Gemeinden einzubringen – sozial wie politisch. Sie lernen, eigene Ideen zu entwickeln und Projekte Schritt für Schritt umzusetzen.
Kinderschutz und soziale Dienste
In Georgien stärkt World Vision gemeinsam mit lokalen Partnerorganisationen Sozial- und Kinderschutzdienste, um bestehende Lücken zu schließen und den Zugang zu professioneller Unterstützung zu verbessern. Dazu gehören Fallmanagement, Elternberatung und psychosoziale Angebote. Gleichzeitig unterstützen wir staatliche Stellen bei der Weiterentwicklung des Sozialsystems und bringen fachliche Expertise in strukturelle Verbesserungen ein.
In Abchasien werden lokale Kinderschutz- und Sozialdienste gezielt ausgebaut. Ein gemeindebasierter Ansatz befähigt die Bevölkerung, kritische Situationen frühzeitig zu erkennen und Hilfe einzuleiten. Geschlechtergerechtigkeit und Inklusion werden dabei bewusst gefördert. Besonders gefährdete Gruppen, etwa Straßenkinder oder alleinerziehende Eltern, erhalten konkrete Unterstützung wie Beratung, Kinderbetreuung und Weiterbildungsangebote.
Nachhaltige Lebensgrundlagen und Wirtschaftsförderung
Um Armut in Georgien langfristig zu verringern, unterstützt World Vision Familien dabei, stabile Lebensgrundlagen aufzubauen. In Fortbildunge lernen sie, wie sie ein Sozialunternehmen gründen, ein Budget führen oder ein Projekt planen. Wenn eine Geschäftsidee besonders viel Potenzial zeigt, erhält sie finanzielle Hilfe und eine persönliche Begleitung durch Coaching. Außerdem entstehen Räume, in denen sich die Teilnehmenden austauschen und sich gegenseitig stärken.
In Abchasien begleiten wir die besonders gefährdeten Familien mit dem sogenannten Ultra-Poor-Graduation-Modell. Hier lernen sie einen Beruf, bekommen Unterstützung bei der Jobsuche, erhalten Zugang zu Krediten und notwendige materielle Hilfe.
So wirkt unsere Entwicklungszusammenarbeit in Georgien
Unsere Entwicklungszusammenarbeit in Georgien wirkt dort, wo Unterstützung gebraucht wird. Sie schafft Perspektiven für Kinder, stärkt Familien und verbessert soziale Strukturen langfristig.
Sopho bringt neues Leben ins Dorf
Sopho kehrte nach einer schweren Krebserkrankung in ihr Heimatdorf Wasisubani zurück, um dort als Sozialunternehmerin echte Veränderung zu bewirken. Mit ihrem Projekt „Kakheti Events“ schafft sie Arbeitsplätze für Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen und unterstützt Familien in Not direkt in der Region Kachetien. Sie mobilisiert die lokale Gemeinschaft, schult Frauen in der Herstellung traditioneller Produkte und arbeitet erfolgreich mit großen Unternehmen zusammen.
Zwei Mariams verändern Zugdidi
In der westgeorgischen Stadt Zugdidi teilen zwei junge Frauen nicht nur ihren Namen, sondern auch ihre Vision für die Jugend ihrer Region. Die 25-jährige Mariam Kursua und die 18-jährige Mariam Darsania leiten gemeinsam den vom SKYE-Projekt geförderten Jugendclub der Stadt. In den Räumen eines lokalen Klosters organisieren sie Workshops zu Umweltschutz, Berufsberatung und Filmabende, um der Perspektivlosigkeit vor Ort entgegenzuwirken. Durch ihr Engagement haben sie gelernt, Verantwortung zu übernehmen und Projekte von der Idee bis zur Finanzierung zu führen.
Vazha schafft neue Chancen
Der junge Jurist Vazha verwandelt das Haus seines Großvaters in Kutaisi in ein modernes Jugendzentrum, um der nächsten Generation in Westgeorgien bessere Perspektiven zu bieten. Inspiriert durch seine eigenen Erfahrungen während des Studiums, gründete er mit Unterstützung der EU und World Vision das Sozialunternehmen „Knowledge Oda“. Das Zentrum kombiniert eine Bibliothek mit IT-Schulungen und Workshops zu Bürgerrechten, um die Bildungslücke in der Region zu schließen. Durch den fachlichen Austausch und neue Partnerschaften bringt Vazha frische Impulse aus ganz Europa in seine Heimatstadt.
Die prekäre wirtschaftliche und politische Situation des Landes macht es den Menschen – vor allem auf dem Land – schwer, ihre Zukunft zu gestalten. Unsere Projekte zielen darauf ab, die Voraussetzung zu schaffen, um diese selbstbestimmt gestalten zu können.
Wir leisten auch Humanitäre Hilfe in Georgien
Neben der langfristigen Entwicklungszusammenarbeit leistet World Vision in Georgien auch Humanitäre Hilfe. Diese wird immer dann notwendig, wenn akute Krisen bestehende soziale Strukturen zusätzlich unter Druck setzen.
Seit Beginn des Krieges in der Ukraine hat Georgien innerhalb kurzer Zeit hunderttausende Menschen aufgenommen. Für ein Land mit begrenzten sozialen und wirtschaftlichen Ressourcen bedeutete dies eine erhebliche zusätzliche Belastung für Arbeitsmarkt, Bildungssystem und soziale Dienste. Viele Familien kamen mit wenig Besitz und ohne gesicherte Perspektive an; zugleich standen auch georgische Gemeinden selbst vor wirtschaftlichen Herausforderungen.
Häufig gestellte Fragen zu Georgien
Obwohl sich viele Umstände in Georgien in den letzten 10 Jahren verbessert haben, kann man das Land immer noch als sogenanntes Entwicklungsland bezeichnen. So liegt das Bruttonationaleinkommen pro Kopf trotz eines starken Wirtschaftswachstums immer noch niedrig. Außerdem sind größere Teile der Bevölkerung von Arbeitslosigkeit, Armut, Ernährungsunsicherheit sowie Marginalisierung betroffen, womit einige Merkmale für ein Entwicklungsland erfüllt sind.
In Georgien gibt es große Unterschiede im Lebensstandard. Zwar ist die Wirtschaft in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen – allein 2024 stieg das Bruttoinlandsprodukt um 9,4 % –, doch nicht alle Menschen spüren diesen Fortschritt. Wegen anhaltender struktureller Probleme, einem niedrigen Einkommen pro Kopf und großer sozialer Ungleichheit gilt das Land weiterhin als Entwicklungsland.