Als Marias Mann sie und ihre Töchter verlässt, steht die Familie vor dem Nichts. Sie weiß nicht, wie sie als alleinerziehende Mutter Geld verdienen kann. Doch für Maria ist Aufgeben ein Fremdwort.
Als sie die Möglichkeit bekommt, tritt sie einer Spargruppe von World Vision bei. Dort nimmt sie an einem Finanztraining von World Vision teil und bekommt in der Folge einen Kleinkredit. Davon kauft sie Hühner und macht sich selbstständig. Das ist aber nur der Anfang von Marias Empowerment-Geschichte:
Heute besitzt sie einen Gemischtwarenladen, eine Bäckerei und einen Friseursalon – und führt ein selbstbestimmtes Leben.
Finanzielle Bildung bietet Chancen, wo vorher keine waren
Lange Zeit hat Maria nicht genug Essen für sich und ihre Töchter. Die alleinerziehende Mutter aus Guatemala suchte lange nach einer Möglichkeit, Geld zu verdienen. Aber ihr fehlten Mittel, Wege und Wissen, um ihre Ziele verfolgen zu können. Die Coronapandemie beeinträchtigte den Zugang zu frischen Lebensmitteln in der Region zusätzlich.
Dann tritt Maria einer Spargruppe für Frauen bei, die World Vision in ihrer Nachbarschaft ins Leben ruft. In diesen Gruppen legen Menschen gemeinsam kleine Beträge zurück, um mit dem Ersparten eigene Geschäfte auf- und auszubauen. World Vision schult die Mitglieder darin, wie sie gemeinsam eine Finanzplanung aufsetzen und Entscheidungen für kluge Investitionen treffen.
Spargruppen stärken das gegenseitige Vertrauen, den Zusammenhalt und den Mut, die eigene Zukunft selbst in die Hand zu nehmen. Sie sind daher ein zentrales Instrument in der Entwicklungszusammenarbeit. Für Maria ist die Gruppe eine Möglichkeit, sich mit gleichgesinnten Frauen auszutauschen und einander zu unterstützen. Für eine Mutter mit wenigen Rücklagen und fehlendem Finanzwissen sind Bankkredite keine Option. „In der Spargruppe helfen wir Frauen uns gegenseitig. Wir sparen einen Teil unserer Einnahmen, gewähren einander Kredite und werden unabhängiger“, berichtet Maria. Gemeinsam entscheiden die Frauen, wofür sie Kleinkredite vergeben und wie diese so fair wie möglich abbezahlt werden können. Das erlaubt Maria, sich nach und nach mehrere finanzielle Standbeine aufzubauen, mit denen sie auch gleichzeitig die ganze Gemeinschaft bereichert.
Dank Maria hat ihre Gemeinschaft endlich wieder frisches Brot
Nach Eintritt in die Spargruppe beginnt Maria zuerst mit der Hühnerzucht. Die Eier versorgen nicht nur ihre eigene Familie, sie verkaufen sich auch gut. Die Einnahmen nutzt sie, um einen kleinen Gemischtwarenladen zu eröffnen. Dort bietet sie neben ihren eigenen Eiern weitere Lebensmittel an. Nachdem die Coronoapandemie den Handel in der Region geschwächt hat, gibt es dank Maria nun endlich wieder eine Einkaufsmöglichkeit in der Nachbarschaft.
Frisches Brot ist allerdings weiterhin kaum zu bekommen. Das Brot aus der nächstgelegenen Stadt ist bei Ankunft schon über eine Woche alt und teilweise schimmlig. Kurzerhand entscheidet Maria sich daher, ihr Geschäft um eine Bäckerei auszuweiten.
Neben dem Startkapital führen Weiterbildungen zu Marias Erfolg
Die Spargruppe ermöglicht Maria die ersten Schritte ins Unternehmertum. Aber nicht nur die finanzielle Unterstützung durch Kleinkredite ist ausschlaggebend für ihren Erfolg. World Vision bietet Finanztrainings für die Teilnehmerinnen an und begleitet sie auch dabei, die nötigen Kompetenzen für ihren Berufsweg zu erwerben. „Ich hatte schon früher Hühner, aber ich wusste nicht wirklich, was ich tat. World Vision brachte uns bei, wie man sich richtig um sie kümmert und welche Medizin sie brauchen, wenn sie krank werden.“
Unterstützt werden Maria und die anderen Frauen vor Ort von World Vision Mitarbeiter Victor Manuel Chaclan Pech. Er sorgt dafür, dass Maria ihren Traum von einer Bäckerei wahr machen kann: „Als ich ihr Brot probierte, fand ich, dass etwas fehlte. Wir haben uns auf die Suche nach jemandem mit Erfahrung gemacht und sie konnte eine Bäckereiausbildung machen. Und jetzt ist ihr Brot ein voller Erfolg!“
Auch Marias Tochter Beverlyn nimmt an einem Ausbildungsprogramm von World Vision für junge Menschen teil und lernt das Friseur-Handwerk: „Neben dem Haareschneiden und Färben habe ich gelernt, wie ich die Kundenerfahrung verbessern kann.“ Gemeinsam mit ihrer Mutter kann sie einen Salon eröffnen.
Als die ersten Hühner kamen, war das ein großer Moment. Es war genau der richtige Schritt, um uns voranzubringen.
Wenn Frauen ihre Träume verfolgen, profitiert die ganze Gemeinschaft
Marias Geschichte zeigt, wie Spargruppen besonders Frauen und ihre Familien stärken, damit sie ein besseres Leben führen können. Maria kann ihre Töchter nicht nur versorgen. Sie ist auch deren größtes Vorbild. „Jeden Morgen beim Frühstück reden wir darüber, wovon wir träumen, und wie wir dorthin kommen können.“ Beverlyns Schwester Kimberly möchte die erste Zahnärztin ihrer Gemeinschaft werden. Und Josselyn, die ihre Ausbildung zur Krankenschwester abbrach, hat wieder genug Mut, um damit weiterzumachen.
Nicht nur dieser einen Familie geht es besser. Die ganze Gemeinschaft ist durch die Investitionen der Spargruppe gestärkt. 700 Menschen aus dem Projektgebiet sind einer Spargruppe beigetreten und haben in diesem Rahmen Finanztrainings erhalten. Die größte dieser Gruppen hat bereits 10.000 US-Dollar angespart.
Maria hat in den vergangenen Jahren viel Wissen und Erfahrung gesammelt und möchte helfen, ihre ganze Region zu stärken. Laut ihr ist ihre beste Investition bislang der Kauf eines Lieferwagens: „Der Pickup ist mein bester Freund, weil er mich überall hinbringt und ich mir mit ihm alles besorgen kann, was ich brauche.“ Ihr neuer Traum ist es, die Bäckerei zu vergrößern, Arbeitsplätze zu schaffen und ihr Brot an die umliegenden Gemeinschaften zu liefern.
Bildung: Eine echte Zukunftsinvestition