27.11.2019

Achtsamer Umgang mit der Natur hilft dem Frieden

Weniger Konflikte in aufgeforsteten und begrünten Regionen

Autor: Iris Manner

von Tony Rinaudo

Wenn es den Menschen gut geht, sie genug zu essen und zu trinken haben, eine Zukunft für sich und ihre Kinder sehen, gibt es keinen Grund zu kämpfen. Ein achtsamer Umgang mit der Natur vermehrt nach meiner Erfahrung viele Ressourcen, die das Überleben sichern und Wohlstand fördern - wie Wasser, Nahrugnsmittel, Tierfutter, Baustoffe und Energiequellen.

Auf meinen Reisen habe ich unzählige Geschichten über Konflikte zwischen Hirten und Bauern gehört. Oft steht der zunehmende Wettbewerb um fruchtbares Land oder Wasserknappheit im Mittelpunkt dieser Auseinandersetzungen. In vielen Ländern beobachte ich ein erschreckendes Ausmaß an Zerstörung von Wäldern und Pflanzen, sowie die Austrocknung von Böden. Bis zu zwei Drittel der produktiven Landfläche in Subsahara-Afrika sollen von der Landverödung betroffen sein. Der Klimawandel verschärft die Situation. Seit den 1970er Jahren bis Anfang 2000 hat sich der Anteil, der von schwersten Dürren betroffenen Regionen, verdoppelt.

Ein Pastor kämpft für den Frieden

Natürlich sehen Afrikanerinnen und Afrikaner dieser Entwicklung nicht einfach tatenlos zu. Auf einer Konferenz traf ich Pastor James Wuye aus Kaduna in Nigeria. Er arbeitet aktiv an der Friedensvermittlung zwischen Konfliktparteien und sagt, dass die Sicherheit in vielen Gegenden Nigerias stark vom Zustand der Umwelt abhänge. "Wenn wir die Abholzung von Wäldern in diesen Gebieten in den nächsten 10 Jahren nicht stoppen und zudem wieder aufforsten, wird es zu einer Katastrophe kommen. Kahles Land zu begrünen  zählt zu den wichtigsten Maßnahmen für Frieden und Sicherheit“, betont er. „Bäume sind Friedensstifter zwischen Hirten und Bauern. Wenn wir unserem Land das zurückgeben, was wir ihm genommen haben, wird sich die Natur erkenntlich zeigen.“

Tony Rinaudo schaut auf abgeholztes Land in Äthiopien
Pastor James Wuye aus Nigeria engagiert sich für Frieden

Die Lage im Niger

In Niger sind auf etwa 6 Millionen Hektar Land mit Hilfe der natürlichen Regenerationsmethode FMNR wieder aufgeforstet worden. In diesen Regionen haben sich die Getreideerträge seit den 80er Jahren verdoppelt. Die Bauern produzieren heute zusätzlich 500.000 Getreide pro Jahr im Vergleich zu den 1970er und 1980er Jahren. In der Folge hat sich die Ernährungssituation für 2,5 Millionen Menschen verbessert. Auch das Einkommen konnte gesteigert werden. Mehr als 900.000 Haushalte profitieren davon. Laut Berichten soll die Zahl der Konflikte zwischen Hirten und Bauern in den Bezirken, die FMNR fördern, um 70% gesunken sein. Dieses Jahr hatte ich die Möglichkeit, Niger erneut zu besuchen. Zwanzig Jahre nachdem ich das Land verlassen hatte, konnte ich beobachten, dass die Anfälligkeit für Umweltschocks wie Dürren, Stürme und Insektenplagen durch regenerative Wiederaufforstung nach FMNR stark zurückgegangen ist.

Die Wiederaufforstung hat eine Grundlage für die Diversifizierung der Landwirtschaft geschaffen. Landwirte konnten ihr Einkommen zum Beispiel durch Honig, veredelten Ziziphus jujuba (chinesische Dattel) und gesünderes Vieh stark erhöhen. Auch berichteten viele Bauern davon, dass sie Produkte, die es seit Jahren in der Region nicht mehr gegeben hätte, neu anbauen würden, wie z.B. Sesam, Maniok und Süßkartoffeln. Ihre Böden sind fruchtbarer geworden und die Wasserspeicherkapazität konnte gesteigert werden. Das Ergebnis sind höhere Getreideerträge bei gleichzeitig höherer Widerstandsfähigkeit gegen Ernteausfälle, selbst in Jahren mit geringeren Niederschlägen und Jahreszeiten mit langen Trockenperioden.
 

Rückgewinnung von Natur ist eine wichtige Prophylaxe gegen den Ausbruch von Konflikten.
Tony Rinaudo
Farmer auf wiederbegrüntem Land in Kenia - FMNR
Mädchen spielen im WV-Projekt in Niger

Um Frieden zu schaffen und zu erhalten, müssen in armen Regionen sicherlich noch weitere Probleme in Angriff genommen werden. So ist es wichtig, Wertschöpfungsketten aufzubauen, Qualität zu sichern und den Zugang zu Märkten zu ermöglichen. Organisationsstrukturen wie Genossenschaften und proaktive Maßnahmen, um gegensätzliche Meinungen und Probleme rechtzeitig anzusprechen, sind für einen erfolgreichen Friedensprozess von großer Bedeutung.

Wenn wir eine friedliche Welt wollen, müssen wir die Natur schützen und reparieren. Wenn wir das Land wiederbegrünen wollen, brauchen wir Frieden.

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