Schulkinder in Sierra Leone

Sierra Leone: Patenschaft bringt Lebensfreude

Reise durchs Land der Überlebenskünstler
Author: UBauer  | 
7. Februar 2019
Author: UBauer
Mit dem World Vision Jeep in Sierra Leone

Schon bei der Planung für den Aufenthalt in Sierra Leone ist alles viel aufregender als üblich. Es sind viele Impfungen nötig, aufwendige Sicherheitsbriefings, Fotogenehmigungen, gute Autos für sehr schlechte Straßen und viel, viel Zeit. Um die Hauptstadt Freetown zu erreichen, braucht man aus Deutschland zwei Flüge, einen Bus-Shuttle zum Steg und ein Speed-Taxiboat, das uns in völliger Dunkelheit vierzig Minuten lang in die Stadt fährt - zu unserem Glück bei ruhiger See und mit Rettungswesten.

Am nächsten Morgen holt uns das World Vision-Auto ab - es wird unser Hauptquartier für diese Woche. Zunächst bringt es uns ins Nationalbüro zu einer Besprechung.

Uns wird wieder bewusst, mit welchen Herausforderungen die Menschen hier zu kämpfen haben: Malaria, Ebola, Erdrutsche und Überflutungen.
Juliana über Sierra Leone

Später erreichen wir die Stadt Bo: staubig und nicht besonders schön, aber mit einer Handvoll Unterkünften. Es sind keine hundert Kilometer bis zu unseren Patenschafts-Projekten, aber die Fahrt dauert 3,5 Stunden. Auf dem hinteren Sitz müssen wir unsere Arme ineinander einhaken, damit wir uns den Kopf nicht an der Decke stoßen. Um uns herum: Dschungel, Palmen, riesige, tropische Bäume, Flüsse, 40 Grad Hitze und 95 Prozent Luftfeuchtigkeit.

Bürgerkriege, Ebola, Erdbeben und Klimakatastrophen forderten die Menschen hier in den letzten Jahren heraus. Sierra Leone ist ein Land für Überlebenskünstler.

Frau mit Kopflast in Sierra Leone

Auf dem Land ist das Leben noch härter. Strom oder Geschäfte gibt es nicht. Mindestens 30 Minuten laufen die Menschen zum Brunnen.

Kinder auf dem Schulweg in Sierra Leone

Die Schulen sind weit entfernt und nur sie haben Latrinen.

Feldfrüchte an einem Verkaufsstand in Sierra Leone

Die Menschen bauen, sofern das Wetter es zulässt, alles an, was sie essen - Maniok, Kassava, Reis, Gemüse, Bohnen und Bananen. Und alles per Hand, keine Maschine weit und breit.

Einfache Hütte in Sierra Leone

Die Lehmhütten bauen die Menschen in Sierra Leone selbst und auch die Kleidung wird selbst genäht.

Waren auf einem Markt in Sierra Leone

Hier gibt es noch Tauschgeschäfte und donnerstags einen Markt, auf den alle ihre Ernte bringen und auf gute Geschäfte hoffen.

Gemeinsam sparen und arbeiten

In unserem Projekt Bum werden wir freundlich empfangen und lernen eine Bauernkooperative kennen, die gemeinsam spart und sich gegenseitig Minikredite für den Kauf von Saatgut und Kleinwerkzeugen gibt. Ein Erfolgsmodell der Hilfe zur Selbsthilfe, das World Vision dank der Patenschaften hier einführen konnte! Drei Mitglieder wachen über die Sparbox mit drei Schlössern. Gemeinsam bestellen die Bauern ein großes Reisfeld, einige sitzen auf Wachtürmen und verscheuchen die Vögel vom Feld, andere arbeiten auf dem Feld. Die Reisernte selbst ist ein Knochenjob: ernten mit der Handsichel, dreschen mit bloßen Füßen, mehrtägige Trocknung auf großen Matten und am Ende das Schälen mit einfachsten Handwerkzeugen.

Spargemeinschaft in Sierra Leone
Dreschen mit bloßen Füßen in Sierra Leone

World Vision-Initiative für gesunde Mütter und Babies

Nach einem kurzen Treffen mit dem Chief der Gemeinde besuchen wir das Großmütter-Programm. Großmütter aus dem Dorf, echte Powerfrauen, bringen schwangeren Frauen bei, sich während der Schwangerschaft gesund zu ernähren, in der Gesundheitsstation zu gebären und sofort nach der Geburt für 12 Monate ausschließlich zu stillen, um Krankheiten durch verunreinigtes Wasser zu vermeiden.

Mutter mit Baby in Sierra Leone

Das Ergebnis dieser World Vision-Initiative kann sich sehen lassen: jede Menge gesunde Mütter und propere Babys. Als Anreiz bekommen alle neuen Mütter im Programm ein Paket mit Babypuder, Windeln, Binden, einer Babywanne und -decke und Hygieneartikel. Das macht den Start ins Leben leichter.

Helfen auch Sie Babies in Sierra Leone mit einem Startpaket.

 

Neue Schulen für mehr Spaß am Lernen

In den nächsten Tagen besuchen wir zwei neue Schulen in Tongia und Levuma mit neuen Toilettenhäuschen und Brunnen. Zuvor wurde der Unterricht im Freien unter Bäumen und auf dem heißen, staubigen Boden gehalten und als Toilette diente nur der Busch. Wasser gab es hier nicht. Umso mehr freuen sich alle über diese kinderfreundliche Lernumgebung und auch viele Erwachsene nutzen jetzt schon den Brunnen.

Schulkind in Sierra Leone in einem neuen Klassenraum.
Schulkinder trinken Wasser aus ihrem neuen Brunnen in Sierra Leone.

Die Kinder in Bum begegnen uns offen und wollen sofort mit uns spielen. Sie verkörpern geballte Lebensfreude. Wir genießen gemeinsam diesen Tag und freuen uns darüber, dass diese Kinder durch die Patenschaften einen guten Start ins Leben erhalten und damit auch bessere Zukunftschance haben. Zwar bleibt hier noch sehr viel zu tun, aber sie werden sicher mit anpacken, um irgendwann die grausame Vergangenheit in Sierra Leone zu überwinden und in diesem schönen Land mit traumhaften Stränden, leckerem Essen und tollen Afrobeats glücklich zu werden."