Das Wohlbefinden von Kindern nachhaltig zu verbessern, ist das oberste Ziel unserer Arbeit. World Vision richtet seine gesamte Arbeit daran aus. So sind alle Projekte darauf ausgelegt, Wirkungen für das Kindeswohl zu erzielen und werden davon ausgehend geplant und umgesetzt. World Vision handelt also wirkungsorientiert. Das alles ist Teil eines gemeinschaftlichen Prozesses - von Anfang an sind die Zielgruppen in die Planung, Durchführung und Bewertung von Projektmaßnahmen miteinbezogen.
Anhand von organisationsweiten Standardindikatoren werden die Wirkungen regelmäßig überprüft, u.a. in den Bereichen Kinderschutz, Bildung, Gesundheit. Zentrale Frage ist: Welche Veränderungen haben die von World Vision durchgeführten Maßnahmen im Lebensumfeld der Kinder und Familien bewirkt? Der aktuelle Wirkungsbericht gibt einen Einblick in die Wirkungen unserer Projektarbeit und zeigt, wie Wirkungsorientierung bei World Vision genau funktioniert.
Was ist Wirkung?
Wir verstehen Wirkungen als alle durch die Maßnahmen ausgelösten, beabsichtigten wie nicht beabsichtigten, positiven wie negativen, mittel- und langfristigen Effekte in den Regional-Entwicklungsprojekten. Ein gebauter Brunnen ist daher noch keine Wirkung, erst wenn der Brunnen in Betrieb ist, genutzt wird und so langfristig zum Beispiel die Durchfallrate bei Kindern zurückgegangen ist, kann von einer Wirkung gesprochen werden.
Das lässt sich am Beispiel einer Schulung für Lehrkräfte, eine Bildungsmaßnahme von World Vision, verdeutlichen. Die Annahme lautet, dass die Lehrkräfte durch Schulungen neue Kompetenzen lernen, diese anwenden und so dazu beitragen, dass Kinder lesen und schreiben können. Eine erfolgreich durchgeführte Schulung kann potenziell auch negative Wirkungen verursachen.
So muss die Möglichkeit bedacht werden, dass die nun besser qualifizierten Lehrkräfte die Projektregion verlassen könnten, weil sie sich außerhalb der Projektregion bessere Verdienstmöglichkeiten erhoffen. Auch könnte es sein, dass die Lehrkräfte ihr neues Wissen im Unterricht nicht anwenden. All dies würde sich darauf auswirken, wie viele Kinder am Ende der Projektlaufzeit Lese- und Schreibfertigkeiten entwickelt haben. Im Rahmen der Projektplanung wird versucht, mögliche negative Wirkungen bereits zu bedenken und ihnen entgegenzuwirken. Zudem ist es wichtig, mögliche negative Auswirkungen unserer Arbeit im weiteren Verlauf des Projektes zu beobachten und gegebenenfalls gegenzusteuern.
Erfahren Sie mehr über die Wirkungen unserer Arbeit sowie unsere Arbeitsweise:
Wie erreichen wir Wirkungen?
Unsere Projektmodelle: Um unsere Ziele für das Wohlbefinden der Kinder zu erreichen, arbeitet World Vision in fünf Sektoren: Kinderschutz, Bildung, Gesundheit und Ernährung, Wasser, Sanitärversorgung und Hygiene sowie Landwirtschaft und wirtschaftliche Entwicklung. Für jeden dieser Sektoren hat World Vision mehrere systematische Ansätze ausgewählt und weiterentwickelt, die sich in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit und der humanitären Hilfe bewährt haben. Sie zeigen auf, wie sich durch gezielte Maßnahmen kurz-, mittel- und langfristige Wirkungen in den Projektgebieten erzielen lassen und beinhalten Instrumente und Hilfestellungen für die Projektplanung und -umsetzung.
Standardindikatoren
World Vision arbeitet mit einheitlichen projektübergreifende Standardindikatoren zur Messung der Ziele des Kindeswohls in den Bereichen Gesundheit, Ernährung, Bildung, Kinderschutz und Beteiligung. Mit den Standardindikatoren möchte World Vision die Wirkungen seiner Arbeit für das Kindeswohl organisationsweit erheben und wo möglich Ergebnisse auf Länder- oder regionaler Ebene zusammenfassend darstellen. Außerdem kann World Vision damit seinen Beitrag zur Erreichung der nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen darlegen.
Warum ist uns Wirkungsorientierung wichtig?
- Wir wollen Wissen über die Funktionsweise und Wirksamkeit der Maßnahmen erhalten.
- Die Reflektion über Veränderungen soll Lernprozesse vor allem bei den Zielgruppen und Partnerinnen und Partnern, aber auch bei World Vision, fördern. Auch soll das Gelernte Anpassungen in den laufenden Projekten ermöglichen.
- Wirkungsorientierung soll helfen, Rechenschaft gegenüber der Zielbevölkerung, den Geberorganisationen, Spendenden und der Öffentlichkeit abzulegen.
- Die Handlungsfähigkeit von Partnerinnen, Partnern und Zielgruppen soll gestärkt werden. Je intensiver die Akteurinnen und Akteure in Datenerhebungs- und Analyseprozesse eingebunden sind, desto mehr werden sie zur Gestaltung ihres eigenen Umfelds befähigt.
Wie beobachten und messen wir Wirkungen?
Um sicherzustellen, dass Hilfsprojekte nachhaltige Veränderungen bewirken, verfolgt World Vision einen systematischen Ansatz der Wirkungsmessung. Dieser Prozess verbindet fundierte Planung vor Ort mit globaler Expertise und unabhängiger Prüfung.
1. Bedarfsanalyse und Partnerschaft (Assessment)
Jedes Engagement beginnt mit einem sogenannten Assessment. In dieser Phase wird geprüft, ob die Voraussetzungen für ein Projekt erfüllt sind. Im Fokus steht das Wohlbefinden der Kinder: Die aktuelle Situation wird analysiert, um Notwendigkeiten und Prioritäten festzulegen. Gleichzeitig identifiziert World Vision bereits aktive Akteure (wie Behörden oder NGOs) in der Region, um Synergien zu nutzen und lokale Strukturen gezielt zu unterstützen.
2. Strategische Planung und Indikatoren
Die Planung erfolgt gemeinsam mit lokalen Partnern – darunter Komitees, Kirchen und Regierungsstellen. World Vision greift hierbei auf bewährte Projektmodelle und Wirkungshypothesen aus den Bereichen Bildung, Gesundheit, Ernährung und Kinderschutz zurück.
Zentral für den Erfolg sind klar definierte Indikatoren. Dies sind messbare Merkmale (z. B. die Durchfallrate bei Kindern), die Hinweise darauf geben, ob geplante Aktivitäten durchgeführt wurden und Wirkungen eingetreten sind. Bevor die Umsetzung startet, wird anhand dieser Indikatoren die Ausgangslage (Baseline) erhoben.
3. Monitoring und kontinuierliche Überprüfung
Während der Projektlaufzeit werden die Maßnahmen und Indikatoren fortlaufend durch ein Monitoringsystem verfolgt. Viele qualitative Datenerhebungsmethoden helfen dabei darzustellen, inwieweit die Aktivitäten zu den gewünschten Veränderungen beitragen.
4. Unabhängige Evaluation und Lernen
Nach einem festgesetzten Zeitrahmen findet in der Regel eine Evaluation statt. Diese wird meist von unabhängigen Gutachtenden durchgeführt, um Objektivität zu gewährleisten. Evaluationen können zu verschiedenen Zeitpunkten sinnvoll sein:
In der Projektmitte: Um Anpassungen im laufenden Betrieb vorzunehmen.
Am Ende oder nach Projektabschluss: Um den Gesamterfolg und die Nachhaltigkeit zu bewerten.
Die Ergebnisse dienen nicht nur der Kontrolle, sondern sind ein wesentliches Lerninstrument: Empfehlungen fließen direkt in laufende Maßnahmen ein oder werden bei der Planung neuer Projekte berücksichtigt. Zudem helfen sie World Vision dabei, die eigenen Projektmodelle kontinuierlich zu hinterfragen und zu verbessern.
Häufige Fragen zur Evaluation
Unter Evaluation verstehen wir die systematische Erhebung, Auswertung und Bewertung von Informationen in einem Projektgebiet, die wir anhand objektiv nachprüfbarer Kriterien erfassen.
Dazu zählen zum Beispiel die DAC-Kriterien der OECD: Relevanz, Effektivität, Effizienz, Wirkung und Nachhaltigkeit der Projektmaßnahmen. An diese Informationen gelangen wir mit verschiedenen sozialwissenschaftlichen Methoden. Die meisten Evaluationen umfassen einen Mix aus quantitativen Daten (Haushaltsumfragen, Sekundärdaten aus der Projektregion etc.) und qualitativen Daten (z. B. Gruppendiskussionen, Experteninterviews, Ranking-Methoden etc.). Ein Methodenmix hilft, die Schwächen einzelner Methoden zu verringern.
Dies kann man nicht pauschal sagen, da jedes Jahr unterschiedlich viele Projekte enden oder während ihrer Laufzeit zwischenevaluiert werden. In den Jahren 2016 und 2017 haben wir insgesamt 58 Evaluationen durchgeführt: 28 in regionalen Entwicklungsprojekten, die durch Privatmittel finanziert wurden, und 30 in Projekten, die durch öffentliche Mittel gefördert wurden.
In der Regel wird ein langfristiges Regional-Entwicklungsprojekt alle vier bis sechs Jahre zwischenevaluiert sowie bei Projektende evaluiert. Bei bislang zwei Regional-Entwicklungsprojekten wurde zudem eine Ex-Post-Evaluation nach Förderende durchgeführt. Ex-Post-Evaluationen werden in der Regel ca. zwei bis fünf Jahre nach Projektende durchgeführt, um die Nachhaltigkeit zu ermitteln. Bei kürzeren Projekten mit einer Laufzeit von drei bis fünf Jahren gibt es meistens lediglich eine Abschlussevaluation. Dies betrifft vor allem von öffentlichen Gebern finanzierte Projekte. Dabei gelten immer die Richtlinien des Gebers.
In den meisten Fällen beauftragt das Länderbüro vor Ort einen lokalen Gutachter bzw. ein Team aus Gutachtern. Nur in Ausnahmefällen wird ein Gutachter aus Deutschland beauftragt oder die Kollegen vor Ort führen selbst eine Evaluation durch.
Im letzteren Fall evaluieren nicht die Projektverantwortlichen ihr eigenes Projekt (Selbstevaluation), sondern organisationsinterne Personen, die keine Verantwortung für das zu evaluierende Projekt ausüben (interne Fremdevaluation).
World Vision Deutschland ist an dem gesamten Evaluationsprozess beteiligt. Dazu gehören u. a. die Ausschreibung, die Auftragsklärung zur Methodik und die Abnahme des Evaluationsberichts. Die Gutachter bewerben sich auf eine öffentliche Ausschreibung mit einem Angebot und werden dann nach Kriterien wie Erfahrung, Kompetenzen, Preis u.a. ausgewählt.
Eine Evaluation dauert durchschnittlich 25-30 Tage. Davon sind ca. 5-7 Tage für die Vorbereitung, ca. 13-15 Tage für die Datenerhebung im Projektgebiet und ca. 5-8 Tage für die Datenauswertung und die Erstellung des Evaluationsberichts.
Dies hängt teils vom Umfang des Projekts, teils von den Kosten vor Ort und teils davon ab, ob ein Gutachter bzw. welcher Gutachter (lokal oder in Deutschland) beauftragt wird. Grob kann man sagen, dass eine Evaluation zwischen 10.000 € und 35.000 € kostet.
Ja. Im Zentrum der Arbeit von World Vision stehen bei allen Projekten die Kinder. Deshalb haben wir 15 Ziele für das Wohlbefinden von Kindern festgelegt, an denen wir unsere Arbeit für und mit Kindern ausrichten.
Für jedes Ziel hat World Vision Indikatoren definiert oder international anerkannte Indikatoren übernommen (Standardindikatoren). Diese ermöglichen es uns zu messen, inwieweit sich die Situation der Kinder in einem Projekt verändert hat. Die Standardindikatoren sind für alle World Vision-Büros verbindlich, d. h. in jedem Projekt werden Evaluationen unter Berücksichtigung dieser Indikatoren durchgeführt.
Eine Evaluation gibt Aufschluss darüber, ob und inwiefern unsere Maßnahmen im Projektgebiet zu Veränderungen beigetragen haben – positiv oder negativ. Somit helfen uns die Informationen, die wir bei einer Evaluation gewinnen, unsere Maßnahmen in der nächsten Projektphase zu verbessern. Darüber hinaus ist eine Evaluation eine Möglichkeit, um bei Spendern und öffentlichen Gebern Rechenschaft über die Wirksamkeit unserer Arbeit abzulegen.
Zum einen werden die Ergebnisse genutzt, um Spender und öffentliche Geber über die Fortschritte bzw. erreichten Wirkungen der Projektarbeit zu informieren. Zudem werden die Ergebnisse vor Ort genutzt, um mit den beteiligten Familien und lokalen Partnern die weiteren Maßnahmen zu planen bzw. anzupassen.
Negativen Ergebnissen schenken wir besondere Aufmerksamkeit, denn sie helfen uns, unsere Arbeit für das Wohlbefinden von Kindern zu verbessern. Wir analysieren die Ursachen genau, um den Schwachstellen in der nächsten Phase entgegenzuwirken bzw. sie bei der Planung eines neuen Projekts zu berücksichtigen.
Die Ursachen für negative Ergebnisse können beispielsweise sein: Schwächen bei der Projektplanung bzw. -umsetzung, fehlende fachliche Kenntnisse bei den Projektmitarbeitern, Instabilität im Kontext durch politische Krisen oder Naturkatastrophen.
Partizipative Wirkungsorientierung erlaubt, die Zielgruppen aktiv zu beteiligen. Dies erfordert vor allem Zeit. Wenn die Zielgruppen das Projekt als ihr Eigenes ansehen, ist das ein schöner Moment in unserer Arbeit.