Die Menschen im Westjordanland stehen vor einer der schwierigsten Phasen der vergangenen Jahre. Seit den Ereignissen vom 7. Oktober 2023 haben Gewalt, Bewegungseinschränkungen und wirtschaftliche Unsicherheit deutlich zugenommen. Viele Familien kämpfen darum, ihren Alltag zu bewältigen, während Kinder und Jugendliche zunehmend von den Folgen des Konflikts betroffen sind.
Besonders im Westjordanland haben sich die Lebensbedingungen vieler Menschen verschlechtert. Familien verlieren Einkommensmöglichkeiten, der Zugang zu wichtigen Dienstleistungen wird erschwert und die psychischen Belastungen nehmen stetig zu. Kinder wachsen in einem Umfeld auf, das von Unsicherheit, Angst und wiederkehrenden Krisen geprägt ist.
World Vision unterstützt Kinder, Familien und Gemeinden im Westjordanland. Neben Humanitärer Hilfe engagieren wir uns langfristig für Bildungsförderung, Kinderschutz, mentale Gesundheit, Ernährungssicherheit, Klimaresilienz und die Stärkung von Kindern und Jugendlichen.
Ausgewählte Erfolge unserer Arbeit
- 400 besonders gefährdete Familien konnten wir unterstützen – sie haben nun besseren Zugang zu gesunden, lokal produzierten Lebensmitteln.
- 4.540 Kinder und Jugendliche fanden in psychosozialen Angeboten Raum für Unterstützung und Stärkung im Alltag.
- 2.400 Menschen erhielten schnelle Hilfe in akuten Krisen – durch psychologische Erste Hilfe und verlässliche Begleitung.
- 10.200 Kinder entdeckten im mobilen Naturkundemuseum die Vielfalt unserer Umwelt und lernten, wie sie Biodiversität und Klima schützen können.
Aktuelle Lage in den Palästinensischen Gebieten - Westjordanland
Die Menschen im Westjordanland leben seit Jahren mit den Folgen eines anhaltenden Konflikts. Gewalt, politische Unsicherheit und eingeschränkte Bewegungsfreiheit prägen ihren Alltag. Besonders Kinder wachsen in einem Umfeld auf, das von Angst und Ungewissheit bestimmt ist. Viele von ihnen erleben immer wieder belastende und traumatische Situationen.
In besonders betroffenen Regionen verschärfen Vertreibungen, beschädigte Infrastruktur und eingeschränkte staatliche Dienstleistungen die Lebensbedingungen zusätzlich. Der Zugang zu medizinischer Versorgung, sauberem Wasser und sozialen Unterstützungsangeboten ist für viele Familien stark begrenzt.
Auch die seelische Belastung nimmt zu. Kinder und Jugendliche erleben regelmäßig Stress, Angst und Gewalt. Die Folgen reichen von anhaltender Verunsicherung bis hin zu Depressionen, Angststörungen oder posttraumatischen Belastungsreaktionen. Gleichzeitig fehlen vielerorts passende psychosoziale Unterstützungsangebote.
Viele Familien stehen zudem wirtschaftlich unter großem Druck. Sinkende Einkommen, steigende Lebenshaltungskosten und fehlende Perspektiven verschärfen die Situation. Auch die Auswirkungen des Klimawandels machen sich bemerkbar: weniger Niederschläge, höhere Temperaturen und häufigere Extremwetter erschweren die landwirtschaftliche Produktion und gefährden die Ernährungssicherheit.
Besonders Kinder, Frauen und andere vulnerable Gruppen sind von diesen Belastungen betroffen. Gemeinsam mit lokalen Partnern steht World Vision an ihrer Seite: Wir leisten akute Hilfe und stärken gleichzeitig langfristige Perspektiven – damit Kinder sicherer aufwachsen können und Familien neue Hoffnung schöpfen.
Zahlreiche Vertriebene
Seit Ende 2023 40.702 Binnenvertriebene im Westjordanland, davon 15.190 Kinder.
Armut hat stark zugenommen
Zahl der Familien, die unterhalb des Existenzminimums leben, ist auf 79 % gestiegen.
Essen fehlt zunehmend
70 % der Kinder müssen wegen wachsender Ernährungsunsicherheit regelmäßig Mahlzeiten ausfallen lassen.
Schwerpunkte der Entwicklungszusammenarbeit in den Palästinensischen Gebieten - Westjordanland
Unsere Arbeit setzt dort an, wo Kinder und Familien besonders dringend Unterstützung brauchen. Gemeinsam mit Gemeinschaften und lokalen Partnern stärkt World Vision Strukturen vor Ort, damit die Hilfe vor Ort langfristig ihre Wirkung entfalten kann. Unsere zentralen Schwerpunkte:
So hilft World Vision im Bereich Gesundheit und Ernährung
World Vision arbeitet gemeinsam mit lokalen Partnerorganisationen daran, die körperliche und seelische Gesundheit von Kindern, Jugendlichen und ihren Familien nachhaltig zu stärken. Ein besonderer Fokus liegt auf der mentalen Gesundheit und psychosozialen Unterstützung. Kinder und Jugendliche finden sichere Orte, an denen sie belastende Erfahrungen verarbeiten, ihre Resilienz stärken und neue Zuversicht entwickeln können.
Gleichzeitig stehen wir an der Seite von Gemeinschaften, um ihre Ernährung langfristig zu sichern. In Schulen und Gemeinschaften setzen wir gemeinsam Maßnahmen für nachhaltige Landwirtschaft, Klimaanpassung und Umweltbildung um.
Familien lernen klimaresiliente Anbaumethoden kennen und wie sie natürliche Ressourcen verantwortungsvoll nutzen. So verbessern sie ihre Erträge – und schaffen eine verlässliche Grundlage für die Ernährung ihrer Kinder.
Wir leisten auch Humanitäre Hilfe
Körperliche und mentale Gesundheit stärken
Im Bereich der medizinischen Nothilfe stärken wir die Gesundheitsversorgung in 67 Gemeinden – insgesamt profitieren 74 Gesundheitseinrichtungen.
Gemeinsam mit lokalen Partnern unterstützen wir auf allen Ebenen: in den Gemeinschaften, in den Kliniken und direkt bei den Familien. Gesundheitseinrichtungen erhalten wichtige Ausrüstung und werden infrastrukturell verbessert. Gleichzeitig qualifizieren wir medizinisches Personal weiter und identifizieren besonders gefährdete Menschen, damit sie gezielt die Hilfe bekommen, die sie brauchen.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der psychischen Gesundheit. Wir leisten psychologische Erste Hilfe und bieten psychosoziale Unterstützung für Menschen, die Gewalt, Verluste oder traumatische Erfahrungen erlebt haben – damit sie Stabilität finden und neue Kraft schöpfen können.
Lernrückstände aufholen und Zugang zu Bildung sicherstellen
Konfliktbedingte Schulschließungen, Gewalt und unsichere Verkehrswege haben die Bildungssituation vieler Kinder erheblich verschlechtert. Tausende Schülerinnen und Schüler haben wertvolle Lernzeit verloren und kämpfen bis heute mit den Folgen.
World Vision unterstützt Kinder dabei, Lernrückstände aufzuholen und auch in Krisenzeiten Zugang zu Bildung zu behalten. Im Rahmen des Bildungsprogramms werden derzeit 61 Schulen gefördert. Kinder erhalten Nachhilfeangebote und gezielte Lernförderung. Gleichzeitig werden Lehrkräfte geschult, Anzeichen von Traumata und Belastungsstörungen bei Kindern zu erkennen und angemessen darauf zu reagieren.
Auch Eltern werden einbezogen, damit sie ihre Kinder in schwierigen Zeiten besser unterstützen können. Besonderes Augenmerk liegt auf gefährdeten Kindern und Jugendlichen sowie auf Kindern mit Behinderungen.
So hilft World Vision im Bereich Kinderschutz
Kinder gehören zu den am stärksten von Krisen betroffenen Bevölkerungsgruppen. Viele erleben Angst, Gewalt oder traumatische Ereignisse.
Deshalb integriert World Vision Kinderschutzmaßnahmen in seine humanitären Bildungs- und Gesundheitsprogramme. Psychosoziale Unterstützungsangebote helfen Kindern und Jugendlichen, mit Belastungen umzugehen und ihr Sicherheitsgefühl zurückzugewinnen.
Zudem werden sichere Räume geschaffen, in denen Kinder lernen, spielen und Unterstützung erhalten können. Eltern, Lehrkräfte und Gemeinden werden dabei unterstützt, Kinder besser zu schützen und auf ihre besonderen Bedürfnisse in Krisensituationen einzugehen.