In einem Kinderschutzzentrum in Kiew dachte die achtjährige Sofia kurz vor Weihnachten über ihre Wünsche nach und sagte dann: "Der Krieg hat an meinem fünften Geburtstag begonnen, und ich fände es so cool, wenn er auch an meinem Geburtstag enden könnte". Sofia hat am 24. Februar Geburtstag.
Tag für Tag zerstört der Krieg das normale Leben, nachdem sich die Kinder in der Ukraine zurück sehnen. Der Winter stürzt das Land in eine noch tiefere humanitäre Krise. Wiederholte Angriffe auf die Energieinfrastruktur haben dazu geführt, dass Millionen Familien bis zu 17 Stunden am Tag und manchmal auch mehrere Tage ohne Strom, Heizung und Wasser auskommen müssen. Viele Schulen und Kindergärten sind geschlossen, so dass die Kinder nicht nur bei Luftalarm häufig von Lernmöglichkeiten und von Freunden abgeschnitten sind.
"Die Kinder in der Ukraine durchleben gerade den schlimmsten Winter, seit der Krieg begann", sagt Arman Grygorian, Leiter der Ukraine-Hilfe von World Vision. „Die langen Stunden in der Dunkelheit und Kälte schaden der Gesundheit der Kinder, erhöhen Stress und Ängste und belasten sie somit auch psychisch. Ihre Bildung wird in einer für ihre Entwicklung entscheidenden Phase unterbrochen. Auch humanitäre Einsätze werden erheblich behindert, da die Hilfsteams mit Stromausfällen, vereisten Straßen und beschädigter Infrastruktur zu kämpfen haben und auf Generatoren angewiesen sind, um die Grundversorgung aufrecht zu erhalten.“
Kinder beschreiben den harten Alltag
„Manchmal gibt es den ganzen Tag keinen Strom. Es ist schwer, zu lesen oder Hausaufgaben zu machen, und die Kälte lässt nie nach. Wir sitzen zu Hause und tragen Handschuhe, Mützen und Jacken. Seit zwei Monaten ist es dunkel und kalt“, sagt die 12-jährige Gloria aus Kiew.
„Wir haben ständig Stromausfälle, keine Heizung und keine Möglichkeit, uns warm zu halten. Die Akkus unserer Telefone und Geräte sind leer, aber wir brauchen sie, um Informationen zu erhalten oder Hilfe zu rufen. Der Unterricht findet online statt, aber das Lernen ist schwierig, wenn Strom und WLAN nicht funktionieren. Manchmal kann ich meinen Lehrer überhaupt nicht hören. Ohne Strom, ohne Heizung und mit häufigen Luftalarmen ist es sehr schwer, normal zu leben“, berichtet Mark, ein 8-jähriger Schüler aus Kiew.
Die Kinder in der Ukraine erleben gerade den schlimmsten Winter seit Beginn des Krieges.
„Wir halten unsere Räume trotz ständiger Stromausfälle im Winter geöffnet, weil die Kinder Wärme, Bildung und ein Gefühl der Normalität brauchen", sagt Olena, Betreuerin in einem von World Vision unterstützten Kinderschutzzentrum in Kiew. „Wir verwenden Generatoren und Wechselrichter-Batterien, aber manchmal reichen diese nicht für Alles aus. Die Kinder spielen, basteln oder lernen dann im Schein von Taschenlampen. Die Eltern bringen ihre Kinder auch zum Aufwärmen hierher, weil es zu Hause nur acht oder neun Grad warm ist."
Aktuell ist dieses Hilfsangebot so wichtig wie nie. Wenn die Mädchen und Jungen zwischen vielen angstvollen Momenten ihrer Phantasie freien Raum lassen, miteinander reden oder sich auch mal austoben können, ist die schwere Zeit leichter zu überstehen.
Seit Beginn des Krieges haben World Vision und seine lokalen Partner über 2,3 Millionen betroffene Menschen, darunter mehr als eine Million Kinder, bei der Bewältigung der Folgen unterstützt. Aktuelle Schwerpunkte der Hilfsprogramme sind - neben der Winterhilfe und Grundversorgung in Frontgebieten - inklusiver Zugang zu Bildung in geschützter Umgebung, Maßnahmen zur Sicherung des Lebensunterhalts und psychologische Unterstützung. World Vision ist in 22 der 24 Regionen der Ukraine engagiert.