15.11.2022

Welttoilettentag

Warum Toiletten wichtig sind

Autor: IBrecheis

Die „Toilette“ heißt in den LĂ€ndern des globalen Nordens nicht umsonst „stilles Örtchen“. Hinter einer abschließbaren TĂŒre warten Keramik-WC mit KlospĂŒlung, Toilettenpapier, Abfalleimer, fließendes Wasser, Seife und Handtuch. Eine SelbstverstĂ€ndlichkeit fĂŒr viele. In zahlreichen LĂ€ndern dieser Erde ist die „Toilette“ ein Ort irgendwo im GebĂŒsch.

3,6 Milliarden Menschen auf der Welt haben keinen Zugang zu angemessenen sanitĂ€ren Einrichtungen! Um auf diesen untragbaren Zustand aufmerksam zu machen und zu politischem Handeln aufzurufen, haben die Vereinten Nationen den 19. November im Jahr 2013 zum World Toilet Day, zum jĂ€hrlichen Welttoilettentag, erklĂ€rt. Toiletten sollen kein Luxus sein. Sie sind unabdingbar - nicht nur fĂŒr die menschliche Gesundheit.

Toilette fĂŒr das Dorf im Falle von Überschwemmungen

Indien: Bei Überschwemmungen errichten die Dorfbewohner eine Behelfstoilette.

MĂŒllhalde und öffentliche Toilette

DRC: MĂŒllhalde und öffentliche Toilette fĂŒr die Dorfbewohner.

Die Toilette hinter dem GebĂŒsch

Indien: Manchmal ist es zu anstrengend weite Wege fĂŒr mehr PrivatsphĂ€re zu haben, um seine Notdurft zu verrichten. Dann muss der nĂ€chste Busch genĂŒgen.

Schultoilette ohne TĂŒren

Eswatini: Keine PrivatsphÀre ist auf dieser Schultoilette möglich. Freunde schirmen einander mit ihren Körper ab.

4 GrĂŒnde, warum Toiletten wichtig sind

1. Toiletten sorgen fĂŒr eine saubere Umwelt

Laut SchÀtzungen der Vereinten Nationen praktizieren rund 494 Millionen Menschen weltweit ihren Stuhlgang im Freien. Das belastet die Umwelt und trÀgt dazu bei, dass sich Magen-Darm-Erkrankungen leicht und schnell verbreiten. Damit die FÀkalien weder Boden noch das Grundwasser verseuchen, ist ein funktionsfÀhiges Abwassersystem bzw. funktionsfÀhige Komposttoiletten. 122 Millionen Menschen trinken laut WHO bodennahes Wasser, das leicht durch FÀkalien verunreinigt werden kann.

MĂŒllhalde und öffentliche Toilette
MĂŒllhalde und öffentliche "Toilette" - eine Gefahr fĂŒr die Umwelt und die menschliche Gesundheit

2. Toiletten sorgen fĂŒr Sicherheit

Toiletten bedeuten auch Sicherheit, denn sexuelle BelĂ€stigung, Vergewaltigung oder EntfĂŒhrung sind ein Risiko fĂŒr viele Frauen, die bis zum Einbruch der Dunkelheit warten oder lange Wege auf sich nehmen mĂŒssen, um sich im Freien zu erleichtern. Das Gleiche gilt fĂŒr Kinder. Außerdem lauern im GebĂŒsch weitere Gefahren wie Schlagen, Skorpione oder Tiger und andere Wildtiere. Eine einfache ortsnahe Grubenlatrine kann da oft schon Abhilfe schaffen.
 

Ich habe keine Angst mehr vor Schlangen und EntfĂŒhrungen.
Yar

Hier geht es zu Yars Geschichte und wie die Grubenlatrine sein Leben verÀndert hat.

3. Toiletten tragen zur Gesundheit bei

Wenn Menschen ihre Notdurft im Freien verrichten, können sich Krankheiten wie Durchfall und DarmwĂŒrmer leicht verbreiten. Und damit steigt auch das Risiko von UnterernĂ€hrung, denn nach der Weltgesundheitsorganisation WHO ist Durchfall als Folge von unsauberer Wasserversorgung, mangelhafter Abwasserentsorgung und mangelnder Hygiene eine der Hauptursachen fĂŒr UnterernĂ€hrung bei Kindern unter fĂŒnf Jahren. Denn wenn Kinder Durchfall haben, essen sie weniger und sind weniger in der Lage, die NĂ€hrstoffe aus ihrer Nahrung aufzunehmen. UnterernĂ€hrung wiederum macht die Kinder anfĂ€lliger fĂŒr Durchfallerkrankungen. Ein Teufelskreis.

4. Toiletten sind SĂ€ulen fĂŒr Inklusion & Gleichberechtigung

Frauen und MĂ€dchen brauchen nicht nur eine Toilette, um sich zu erleichtern. Sie brauchen auch einen geschĂŒtzten Ort, fĂŒr ihre BedĂŒrfnisse wĂ€hrend der Menstruation, der Schwangerschaft und der Zeit nach der Geburt. Wenn Toiletten inklusiv gebaut werden, die BedĂŒrfnisse aller Geschlechter und von Menschen mit Behinderungen berĂŒcksichtigen, so ist dies ein weiterer Schritt hin zu gesellschaftlichen Gleichberechtigung und der Wahrung der WĂŒrde des Menschen.

Eine inklusive Latrine fĂŒr Ares und Hares

Wie das selbst mit einfachsten Mitteln gelingen kann, zeigt unser Projekt aus Bangladesch. Dort lebt Juhara mit ihren beiden Söhnen Ares und Hares – 8 und 5 Jahre alt. Sie leben in einer provisorischen Unterkunft in einem Rohingya Lager in Cox Basar. 

Zwar gibt es dort eine Latrine. Diese befindet sich etwas erhöht und ist ĂŒber eine kleine BrĂŒcke zugĂ€nglich. FĂŒr Ares und Ares eine unĂŒberwindbare HĂŒrde, denn sie kamen mit einer körperlichen BeeintrĂ€chtigung zur Welt – Laufen fĂ€llt ihnen schwer.

So mussten sie sich auf dem Platz vor ihrer HĂŒtte erleichtern und Juhara musste sie dann waschen und den Kot beseitigen. Jetzt gibt es einen Handlauf, der den beiden hilft, zu den Toiletten zu gelangen. Und eine von ihnen wurde nun fĂŒr Menschen mit körperlicher Behinderung eingerichtet. Begleitet wurden der Bau von lebenspraktischen Kursen ĂŒber Hygiene fĂŒr die Anwohner.

Die HandlĂ€ufe sind fĂŒr meine Kinder wirklich von großem Nutzen. Jetzt mĂŒssen sie nicht mehr offen im Hof ihre Notdurft verrichten. Sie können leicht selbst auf die Toilette gehen.
Juhara

Ares auf dem Weg zur inklusiven Toilette

Zahlen & Fakten zum Welttoilettentag

Gemeinsam fĂŒr die Zukunft von Kindern

Kindern zu einer besseren Zukunft zu verhelfen, daran arbeiten wir jeden Tag -  dank der Hilfe von Menschen wie dir! 

Es gibt viele Agumente wieso die sanitĂ€re Anlage einer Schule fĂŒr's Lernen wichtig ist. Ein dieser wichtigen Aspekt: Nur wenn es genĂŒgend Toiletten und Handwaschgelegenheiten gibt, können ansteckende Krankheiten eingedĂ€mmt werden. Das betrifft vor allem auch Schulen. Hilf uns dabei, Schulen besser auszustatten und sei beim Bau von sanitĂ€ren Einrichtungen dabei.

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