11.05.2021

Wurzeln für Kinder

Klimaschutz ist auch Kinderschutz

Autor: SHottenbacher

Drei Mahlzeiten am Tag – davon konnten Sammy, seine Frau und ihre acht Kinder früher nur träumen. „Wir ernteten so wenig, dass wir nur einmal am Tag essen konnten und hungrig zu Bett gehen mussten.“ Der Kleinbauer aus Kenia weiß, dass der geringe Niederschlag Grund für die schlechte Ernte war: „Und ich bin mir sicher: Es fiel kein Regen, weil hier in der Region keine Bäume standen“, erinnert sich Sammy.

Klimawandel trifft die Ärmsten am härtesten

Sammy und seine Familie
Sammy und seine Familie

Sammy und seine Familie sind kein Einzelfall. Die Ärmsten der Welt leiden am stärksten an den Folgen des Klimawandels. Denn in Entwicklungsländern leben 70 % der Familien von der Landwirtschaft, in den Projektregionen von World Vision sind es sogar 80 %. Wenn Ernten ausbleiben oder Vieh stirbt, haben viele zu wenig, um ihre Familien zu versorgen. Die Folgen: Familien nehmen ihre Kinder aus den Schulen, weil sie die Schulgebühren nicht mehr bezahlen können und weil schon die Kleinen helfen müssen, das Einkommen aufzubessern. Es kommt zu Gewalt an Kindern und immer mehr Eltern sehen in der Verheiratung ihrer minderjährigen Tochter den einzigen Ausweg, wenigstens den Rest der Familie weiterhin ernähren zu können.

Zu den Dürren, unter denen rund 160 Millionen Kinder weltweit und vor allem in Afrika leiden, kommen in Asien und Mittelamerika große Müll- und Smogprobleme in den Slums der Großstädte. Etwa neun Millionen Menschen sterben jährlich an den Folgen von CO2-Emissionen, rund 21-mal so viele wie an Malaria.

Hilfe im Katastrophenfall und darüber hinaus

Viele World Vision-Projektregionen, wie zum Beispiel in Honduras, waren im vergangenen Jahr von Naturkatastrophen betroffen. Das mittelamerikanische Land wurde 2020 von gleich zwei Hurrikanen (Eta und Ilota) heimgesucht, die Verwüstung und große Not bei den betroffenen Familien hinterließen. Hier half World Vision mit Lebensmittel-Paketen, Hygiene- und Sanitärmaßnahmen und der Bereitstellung von Notunterkünften.

World Vision kümmert sich aber gemeinsam mit allen Spenderinnen und Spendern nicht nur im Katastrophenfall um die, die Angst um ihre Existenz haben, sondern hat bereits vor Jahren auch die Projektarbeit an die Herausforderungen des Klimawandels angepasst.

Aus Wüsten werden Wälder

Vor etwa 15 Jahren begann World Vision beispielsweise damit, die südäthiopische Region Humbo wieder aufzuforsten. Die sogenannte FMNR-Methode (Farmer Managed Natural Regeneration) konzentriert sich auf die Nutzung der noch im Boden vorhandenen, aktiven Wurzeln. Die aus den Wurzeln sprießenden Sträucher und Bäume werden gezielt beschnitten. Nach etwa einem Jahr sieht man wieder kleine Bäume und die Umwelt erholt sich. Diese Art der regenerativen Wiederaufforstung ist sehr effektiv, weil auch die ursprünglich in der Gegend beheimateten Pflanzen und Bäume, die an das Klima angepasst sind, wieder wachsen. Die Erfolge sprechen für sich: Die Berge sind wieder grün und 13 Quellen führen wieder Wasser. Ein angenehmer Wind weht und durch die Feuchtigkeit, die die Bäume abgeben, bilden sich Wolken. Es sieht nach Regen aus.
Auch Sammy und andere Landwirtinnen und -wirte in Kenia wenden seit mehreren Jahren die FMNR-Methode an:

Ich habe gelernt, dass ein Feld, auf dem Bäume wachsen, nicht so schnell austrocknet.
Sammy

Sammy und seine Frau stutzen die Bäume jedes halbe Jahr und verarbeiten das gesammelte Holz zu Holzkohle, um es zu verkaufen. So konnten sie die Schulgebühren ihres 15-jährigen Sohns Carlos finanzieren.
Mittlerweile wird neben Äthiopien und Kenia auch in 14 weiteren World Vision-Projektländern nach der FMNR-Methode aufgeforstet, für die ihr Entdecker, der australische World Vision-Mitarbeiter Tony Rinaudo, 2018 mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet wurde.

Wasser ist Leben

Zwei bis drei Milliarden Menschen sind – auch wegen des Klimawandels – weltweit von akuter Wasserknappheit bedroht. Um dagegen vorzugehen, finanzierten Spenderinnen und Spender in Äthiopien sieben neue solarbetriebene Wasserpumpen, dank denen 23.000 Menschen Zugang zu sauberem Wasser erhielten. In Mosambik und Simbabwe kümmerte sich World Vision nach dem Zyklon Idai um die Sanierung zerstörter Brunnen für 1.200 Familien. Um die Risiken von Naturkatastrophen zu mindern, investieren Unterstützerinnen und Unterstützer auch in Bewässerungssysteme mit Wasserspeicher. Die Aufbereitungsanlagen, Pumpen und Brunnen werden von der lokalen Bevölkerung selbst betrieben und instand gehalten.

Licht vertreibt die Dunkelheit

Vielen Familien in unseren Projekten fehlt es an Strom, um auch nach Einbruch der Dunkelheit kochen, lesen und spielen zu können. So erging es auch der achtjährigen Witney aus Karemo in Kenia. Ihre Noten haben sich erst verbessert, nachdem ihre Familie eine Solarlampe erhalten hatte:

Früher hatten meine Geschwister und ich viele Probleme mit den Kerosinlampen, weil diese so starken Rauch bildeten. Außerdem konnten sich meine Eltern den Brennstoff oft nicht leisten.
Witney, 8 Jahre

In Kenia und im Senegal zeigen wir den Familien seit mehr als 15 Jahren unter anderem, wie sie energiesparende Öfen bauen können, für die sie weniger Brennholz benötigen. Zudem schulen wir die Familien in unseren Projekten in modernen Anbaumethoden und geben ihnen dürreresistentes Saatgut, um ihnen eine ausgewogene Ernährung zu ermöglichen. Darüber hinaus klären wir sie zu Katastrophenvorsorge auf.

Weg mit dem Müll

Auch für die Müllbekämpfung in unseren Projektgebieten setzten wir uns dank vieler Spenderinnen und Spender ein – etwa in Mabo, im Westen des Senegal, wo wir seit 2003 aktiv sind. In Manila, der Hauptstadt der Philippinen, setzen wir uns für verbesserte Arbeitsbedingungen der Müllsammlerinnen und -sammler ein und im Norden Armeniens klären wir die Kinder und Jugendlichen zu Mülltrennung und Abfallverwertung auf.

So entstehen Öko-Dörfer

Gute Nachrichten gibt es auch aus Bangladesch: Hier werden alle Dörfer unserer Patenschaftsprojekte zukünftig ökologisch sein. Erde, Wasser, Luft und Feuer – sämtliche Elemente werden bedacht: Die Familien erhalten klimaresiliente Unterkünfte, die den Strom aus Solarenergie gewinnen und Energiesparöfen sowie ökologisch-betriebene Latrinen haben. Außerdem lernen sie nachhaltige landwirtschaftliche Methoden kennen. Die Menschen werden auch über die Vermeidung von Plastikmüll und Schutzmaßnahmen gegen klimabedingte Katastrophen aufgeklärt. Von diesem Vorhaben profitieren rund 30.000 Kinder.

Unsere Umwelt-Maßnahmen auf einen Blick:

•    Wir schulen die Familien, wie sie ihr Land mit FMNR wiederbegrünen können.
•    Wir geben qualitatives Saatgut aus, mit denen die Kleinbäuerinnen und -bauern z. B. verschiedene Gemüsesorten auf ihren Feldern anbauen können.
•    Wir zeigen den Bauern, wie sie natürlichen Dünger selbst herstellen, ihre Felder besser bewässern und die Ernte vor Schädlingen geschützt lagern können.
•    Wir sensibilisieren Familien für richtige Müllentsorgung.
•    Wir zeigen den Familien, wie sie energiesparende Öfen bauen können und statten sie mit Material dafür aus.
•    Wir schulen die Kleinbäuerinnen und -bauern zu Umweltthemen und warum es wichtig für ihre Felder ist, vorhandene Bäume nicht abzuholzen.
•    Wir statten Familien mit Solarlampen aus, damit die Kinder auch abends spielen und lernen können und schaffen – auch mit solarbetriebenen Pumpen – Zugang zu sauberem Wasser
•    Wir schulen die Familien in Katastrophenvorsorge und leisten nach Naturkatastrophen wichtige humanitäre Hilfe

Arbeit, die Kreise zieht

Die Klimakrise ist noch lange nicht bewältigt. Gerade, weil sie so große Auswirkungen auf die Zukunft von Kindern in unseren Projekten hat, ist unser gemeinsames Engagement so wichtig. World Vision steht in Sachen Klimaschutz daher auch im ständigen Austausch mit politischen Entscheidungsträgerinnen und -trägern, damit sich auch strukturell etwas ändert. Motivation geben Berichte wie der aus der äthiopischen Region Humbo: Den Menschen dort geht es gut: Schon sieben Jahren nach Beginn der Aufforstung konnten die Kooperativen Getreide an das „World Food Programme“ der Vereinten Nationen verkaufen, nachdem sie zuvor 20 Jahre lang unter ständig wiederkehrenden Dürren litten.

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