29.01.2021

Gewalt und Hunger: Familien kämpfen ums Überleben

Tigray-Konflikt ist die größte Krise in Äthiopien

Autor: Iris Manner

Seit November wird in der Region Tigray im Norden Äthiopiens gekämpft. Der eskalierte Konflikt zwischen der Zentralregierung und der Regierung in Tigray sowie ihr nahestehenden Milizen hat an vielen Orten die Versorgung mit Lebensmitteln, Wasser, Strom und medizinischer Hilfe unterbrochen. Tigray gehört zu den ärmsten Regionen Äthiopiens und ist von Hunger geprägt. Infolge der aktuellen Krise verschärft sich die Not der Familien gravierend: 4,5 Millionen Menschen sind dringend auf Nothilfe angewiesen, über die Hälfte von ihnen sind Kinder (Quelle: Unicef). Darüber hinaus wurden hunderttausende Menschen aus ihrem Zuhause vertrieben, Zehntausende sind in den angrenzenden Sudan geflohen. 

Über den Einsatz von World Vision in Tigray berichtete das ZDF in der heute-Nachrichtensendung am 01.02.2021:

World Vision hat umgehend Nothilfemaßnahmen eingeleitet, um die Menschen vor Ort mit lebensrettenden Hilfsgütern zu versorgen. Die Menschen in Tigray brauchen dringend Lebensmittel, sauberes Wasser und medizinische Versorgung. Dank unserer Spenderinnen und Spender können wir im Katastrophenfall schnell, flexibel und umfassend Nothilfemaßnahmen in Kriegs- und Krisengebieten einleiten. Ihre Spende für unsere Katastrophenhilfe unterstützt Einsätze in Gebieten mit akuter Not, wie zum Beispiel in Nord-Äthiopien.

Mutter Leges mit einem ihrer Kinder

Ich musste alles zurücklassen, was wir haben, um das Leben meiner Kinder zu retten, berichtet Leges Zewdu. Wie viele aus Tigray Vertriebene ist sie in ein Auffanglager in die Stadt Shire geflohen. Auf der Flucht musste die Familie Unvorstellbares durchleben: Sechs Tage lang hat sich die Mutter mit ihren Kindern im Wald versteckt, eine weitere Woche brauchten sie, um in Shire anzukommen. Ich hoffe, dass wir eines Tages wieder zurück nach Hause können, fügt sie traurig hinzu. Hier ist es eiskalt, wir können kaum schlafen und es gibt kein Essen für meine Kinder.

Aktuell suchen ca. 12.000 Menschen Schutz in Shire. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von World Vision berichten von großer Not: Es fehlt an allem, ganz besonders aber an Nahrungsmitteln für die Familien.

Samrawit mit ihrer Mutter

Die 14-jährige Samrawit Kibrom aus dem westlichen Tigray träumt davon, später einmal Ärztin zu werden. Doch jetzt ist ihr Überleben bedroht. Ich bin mit meiner Mutter hierhergekommen. Wir sind aus unserem Dorf geflohen, als wir einen Schuss hörten. Ich weiß nicht, wo mein Vater ist, erzählt sie. Ich habe furchtbaren Hunger und möchte meinen geliebten Vater umarmen. Infolge der Corona-Pandemie sind die Schulen geschlossen. So entfallen Schutz- und Versorgungsmöglichkeiten für Millionen Kinder wie Samrawit.

Nothilfe unter schwierigsten Bedingungen

Das World Vision-Länderbüro in Addis Abeba hat einen umfassenden Nothilfeeinsatz für die vom Konflikt betroffenen Menschen in Tigray und angrenzenden Regionen gestartet. Priorität hat dabei die Versorgung und der Schutz besonders gefährdeter Kinder und Erwachsener, beispielsweise unterernährter Kleinkinder, vertriebener Familien und alleinstehender Frauen oder auch kranker und alter Menschen.

Aktuell werden unter anderem Aufbaunahrung und Mittel zur Wasseraufbereitung, Materialien für Notunterkünfte sowie Hygiene-Artikel wie Seife und Binden für Mädchen und Frauen beschafft.

Wie dringend und herausfordernd Hilfe ist, zeigt die Situation eines Krankenhauses in Alamata, das bereits Anfang Dezember eine erste Lieferung an sanitär-medizinischen Gütern durch World Vision erhielt. Das Krankenhaus wird nach Berichten unserer Mitarbeiter vor Ort in letzter Zeit stark beansprucht; vor allem versorgt es viele schwer unterernährte Kinder, Malaria-Kranke und Menschen mit Infektionen, die durch unsauberes Wasser übertragen werden. Doch es fehlt weiterhin an nötigen Medikamenten, um die Menschen umfassend zu behandeln. Auch medizinisches Personal ist knapp, denn viele Angestellte sind weiter nach Norden geflohen.

World Vision arbeitet intensiv daran, den Kindern in größter Not zu helfen.

Die Eskalation des Tigray-Konflikts trifft die Menschen in Äthiopien während der COVID-19-Pandemie und der anhaltenden Heuschreckenplage.

Hinweis für Patinnen und Paten: Aktuell gibt es politische Unruhen und Ausschreitungen im Norden Äthiopiens. Unsere Projekte liegen jedoch nicht im direkten Konfliktbereich. In den Projekten Ambassel, Lalo Assabi und Nedjo ist die Sicherheitslage aufgrund vieler Binnenflüchtlinge jedoch fragil. Die Projekte South Ari und Malle hingegen liegen in anderen nicht betroffenen Landesteilen. Für Rückfragen können Sie sich an unseren Paten- und Spenderservice wenden.

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