22.12.2020

Gewalt und Hunger gefährden Millionen Kinder

Tigray-Konflikt ist die größte Krise in Äthiopien

Autor: Iris Manner

Seit Anfang November wird in der Region Tigray im Norden Äthiopiens gekämpft. Der eskalierte Konflikt zwischen der Zentralregierung und der Regierung in Tigray sowie ihr nahestehenden Milizen hat an vielen Orten die Versorgung mit Lebensmitteln, Wasser, Strom, Geld, Telekommunikation und medizinischer Hilfe unterbrochen. Wie viel zerstört wurde und wie viele Menschen fliehen mussten, wird man erst dann wissen, wenn die Region voll zugänglich ist. Fest steht nur: die Not ist groß und unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Äthiopien stehen bereit, um lebensrettende Hilfen auf den Weg zu bringen! 

Tigray ist eine vorwiegend trockene, arme Region. Bereits vor Ausbruch der Gewalt waren dort mehr als eine Million Einwohner und Flüchtlinge auf humanitäre Hilfe angewiesen. Infolge der aktuellen Krise ist die Zahl der Kinder, die dringend Nothilfe brauchen, auf 2,3 Millionen gestiegen (Quelle: Unicef).

Tausende von Kindern sind seit über einem Monat ohne Strom, Wasser und Nahrung. Auch einige unserer Kolleginnen und Kollegen und ihre Familien sind betroffen.
Edward Brown, Landesdirektor von World Vision Äthiopien

World Vision stimmt Hilfsmaßnahmen sorgfältig mit Partnern ab und hat interne Ressourcen für die Anschaffung von Hilfsgütern mobilisiert. Die Menschen in Tigray brauchen dringend Lebensmittel, sauberes Wasser und medizinische Versorgung. Dank unserer Spenderinnen und Spender können wir im Katastrophenfall schnell, flexibel und umfassend Nothilfemaßnahmen in Kriegs- und Krisengebieten einleiten. Ihre Spende für unsere Katastrophenhilfe unterstützt Einsätze in Gebieten mit akuter Not, wie zum Beispiel in Nord-Äthiopien.

Mehrere Krisen erschüttern Tigray

Im Krisenjahr 2020 hat die Eskalation des Tigray-Konflikts besonders verheerende Auswirkungen. Sie trifft die Menschen in Äthiopien während der COVID-19-Pandemie und während einer anhaltenden Heuschrecken- und Heerwurm-Plage, die viele Ernten vernichtet.  Verschärft wurde die Hungerkrise durch unregelmäßige Regenfälle, die lokale Dürren und Überschwemmungen auslösten.

„Wir stehen in Äthiopien vor diversen gewaltigen Herausforderungen, und die Tigray-Krise ist definitiv die größte Bedrohung von allen “, so Edward Brown. „Das Ziel unserer Nothilfe ist es, weitere Zerstörung und Todesfälle zu verhindern und so zu einem nachhaltigen und gerechten Frieden beizutragen."

Nothilfe unter schwierigsten Bedingungen gestartet

Das World Vision-Länderbüro in Addis Abeba hat einen umfassenden Nothilfeeinsatz für die vom Konflikt betroffenen Menschen in Tigray und angrenzenden Regionen gestartet. Priorität hat dabei die Versorgung und der Schutz besonders gefährdeter Kinder und Erwachsener, beispielsweise unterernährter Kleinkinder, vertriebener Familien und alleinstehender Frauen oder auch kranker und alter Menschen.

Aktuell werden unter anderem Aufbaunahrung und Mittel zur Wasseraufbereitung, Materialien für Notunterkünfte sowie Hygiene-Artikel wie Seife und Binden für Mädchen und Frauen beschafft.

Wie dringend und herausfordernd Hilfe ist, zeigt die Situation eines Krankenhauses in Alamata, das bereits Anfang Dezember eine erste Lieferung an sanitär-medizinischen Gütern durch World Vision erhielt. Das Krankenhaus wird nach Berichten unserer Mitarbeiter vor Ort in letzter Zeit stark beansprucht; vor allem versorgt es viele schwer unterernährte Kinder, Malaria-Kranke und Menschen mit Infektionen, die durch unsauberes Wasser übertragen werden. Doch es fehlt weiterhin an nötigen Medikamenten, um die Menschen umfassend zu behandeln. Auch medizinisches Personal ist knapp, denn viele Angestellte sind weiter nach Norden geflohen.

Laut neuesten Nachrichten verbessern sich Kommunikations- und Transportmöglichkeiten, aber die Lage ist weiterhin sehr angespannt. World Vision arbeitet intensiv daran, den Kindern in größter Not zu helfen.

Verteilung von Hilfsgütern
Mitarbeiter von World Vision verteilen Hilfsgüter an lokale Krankenhäuser.

Hinweis für Patinnen und Paten: Aktuell gibt es politische Unruhen und Ausschreitungen im Norden Äthiopiens. Unsere Projekte liegen jedoch nicht im direkten Konfliktbereich. In den Projekten Ambassel, Lalo Assabi und Nedjo ist die Sicherheitslage aufgrund vieler Binnenflüchtlinge jedoch fragil. Die Projekte South Ari und Malle hingegen liegen in anderen nicht betroffenen Landesteilen.Für Rückfragen können Sie sich an unseren Paten- und Spenderservice wenden.

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