26.05.2020

COVID-19: Wie schreibe ich meinem Patenkind?

Patin Rhiannon über ihren Weg, die richtigen Worte zu finden

Autor: UBauer

Patin Rhiannon Tuntevski aus Australien hat während ihrer COVID-19-Isolation die Kunst des Briefeschreibens für sich wiederentdeckt – um sich selbst zu beschäftigen und um mit der Außenwelt in Verbindung zu bleiben. Auch über einen Brief an ihr Patenkind hat sie sich viele Gedanken gemacht und sie für uns aufgeschrieben:

Es ist alles so schnell gegangen. In nur ein paar Tagen hat sich das Leben komplett verändert. Die Welt hielt an und versuchte, die Ausbreitung von COVID-19 einzudämmen. Als extrovertierte Person, die alleine lebt, schaltete ich sofort in den Panikmodus. Ich fragte mich, wie ich in dieser Zeit nicht verrückt werden sollte und wie ich mit all den Menschen, die mir etwas bedeuten, in Verbindung bleiben sollte.

Ich begann, an Freunde und Familie Briefe zu schreiben. Ich schrieb meine Gedanken auf, ließ mir etwas einfallen, das sie lächeln ließ und sie daran erinnerte, dass ich auch in dieser merkwürdigen Zeit an sie dachte.

Zwei Mädchen schreiben einen Rief an ihr Patenkind in Indien
Georgie und Arielle haben mit ihren Eltern die Patenschaft für Adarsh in Indien übernommen und schreiben gerne Briefe an ihn.

Aber bei einem Brief tat ich mir sehr schwer – dem Brief an mein Patenkind. Sollte ich COVID-19 überhaupt erwähnen? Ich hatte nicht die geringste Vorstellung, wie sich die Situation für sie und ihre Familie anfühlt. Stand sie auch vor der Herausforderung, zu Hause lernen zu müssen, wie die Kinder in meinem Land? Jonglierte ihre Mutter oder ihr Vater zurzeit auch damit, zu arbeiten und die Kinder zuhause zu unterrichten? Hatten ihre Eltern überhaupt noch Arbeit?

Auf keinen Fall aber wollte ich darüber schreiben, wie schwer es mir fiel, mit der Situation zurechtzukommen, obwohl es mir sehr schwer fiel. Ich war wie in eine Art Starre verfallen. Alles was ich tun musste, war ein paar Sätze niederzuschreiben. Aber mir fiel nichts ein.

Allerdings gebe ich mich nicht gerne geschlagen. Deshalb habe ich mich zusammengerissen und mich gezwungen, etwas zu schreiben. Schließlich kann ein freundliches Wort in Zeiten von Stress, Schwierigkeiten oder Einsamkeit einen Tag zum Guten wenden, Gefühle mitteilen und Hoffnung keimen lassen.

Während dieser Überlegungen stellte ich vier einfache Dinge fest:

1. COVID-19 ist für uns beide Neuland

Ob ihre Familie sich in einem Lockdown befand oder nicht, ob ihnen empfohlen wurde, zuhause zu bleiben wie ich – es ist das erste Mal im Leben von uns allen, dass die Welt solch ein Phänomen erlebt. Wir leben beide in Zeiten großer Unsicherheit und das anzuerkennen kann uns verbinden. Es ist sogar das erste Mal, dass wir uns zur gleichen Zeit in der gleichen Krise befinden, mit einer Menge Gemeinsamkeiten. Wann passiert so etwas jemals? Deshalb habe ich mit der Tatsache begonnen, dass die Welt auf eine neue, seltsame Art und Weise miteinander vereint ist.

2.    Sie weiß vermutlich so wenig über meine COVID-19 Situation wie ich über ihre.

Ich habe erkannt, dass sie über mein Leben jetzt auch viele Fragen haben könnte. Ohne Zweifel habe ich mehr Zugang zu Nachrichten und Medien, aber das heißt ja nicht, dass sie nicht neugierig sein könnte oder Fragen hätte aus den Gesprächen über COVID-19, die sie von den Erwachsenen um sie herum mitbekommt.

In meinen Briefen an mein Patenkind schreibe ich immer so einfach wie möglich. Ich erzählte ihr deshalb, dass ich normalerweise in einem großen Büro arbeite, mit dem Zug dorthin fahre und mit meinen Freunden gemeinsam zu Mittag esse. Dass ich jetzt mit einer Katze als Mitarbeiterin zuhause bin und neue Rezepte ausprobiere, um mich zu beschäftigen.

Am Laptop einen Brief schreiben
Weil der Verkehr eingeschränkt und Grenzübergänge geschlossen sein können, kann es in Corona-Zeiten schwierig sein, einen Brief zu übermitteln. Sicherer ist es, auf dem Patenportal Mein World Vision direkt eine Nachricht zu versenden.

3. COVID-19 muss nicht das einzige Thema sein

So sehr es sich auch anfühlt, als sei es das Einzige, über das wir zurzeit sprechen - all die anderen Gespräche und Themen, die wir in den vorherigen Briefen hatten, gibt es immer noch. Ich könnte nach diesen ihren Prüfungen in der Schule fragen, wie sie sich im Fußball machte oder wie es ihrem kleinen Bruder geht – das ist immer noch in Ordnung. Es könnte ihr sogar lieber sein.

4. Witze sind immer eine gute Idee

Ok, das ist jetzt nichts Neues, aber es ist in Gesprächen mit Kindern immer eine gute Strategie. Die Wissenschaft sagt, dass Lachen gut für uns ist und dass es die Stimmung heben und uns zusammenbringen kann – Dinge, die wir alle zurzeit gut gebrauchen können. Also schrieb ich zum Abschluss noch einen Witz. Wenn das nicht Ihr Stil ist, können Sie auch einen aufmunternden Gedanken, ein Zitat, Gedicht oder Spruch teilen.

Patenkind Tamanna aus Indien liest ihre Patenpost mit ihren Freundinnen
Tamanna aus Indien ist 13 Jahre alt. Gemeinsam mit ihren Freundinnen liest sie die Post ihres Paten.
Patenkind Jacklyn aus Indonesien liest einen Brief.
Der 12-jährige Jacklyn aus Indonesien freut sich über den Brief seines Paten.

Schneller als gedacht, war der Brief geschrieben. Er war kurz, einfach, aber von Herzen. In einer Welt voller Ungewissheit für jeden, hoffe ich, dass die freundlichen, freundschaftlichen und verbindenden Worte mein Patenkind aufmuntern und helfen, ihr und ihrer Familie zu zeigen, dass wir alle gemeinsam hier durchkommen werden.

Schreiben auch Sie heute eine Nachricht an Ihr Patenkind – am besten über unser Patenportal Mein World Vision. Dann kann die Nachricht direkt online versendet werden.

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