Sudan: Dieselpreis vergrößert Durst geflüchteter Menschen
Wasserpreise sind laut World Vision seit Irankrieg drastisch gestiegen
Friedrichsdorf / El Daein, 8.4.2026 – Die hohen Dieselpreise infolge des Iran-Krieges verschärfen die Situation von Geflüchteten im Sudan im erheblichen Ausmaß. Nach Angaben der internationalen Kinderhilfsorganisation World Vision sind die Kosten für Wassergewinnung durch hohe Dieselpreise drastisch gestiegen. Sauberes Trinkwasser könnten sich deshalb viele geflüchtete Familien nicht mehr oder nur in geringer Menge leisten. Mit einer schnellen Entspannung der Lage sei trotz der jetzt vereinbarten Waffenruhe am Golf nicht zu rechnen.
Der Sudan ist stark auf Bohrlöcher angewiesen, die tief in die Grundwasserzone des Landes gebohrt werden. Dieselgeneratoren pumpen das Wasser in Tanks oder Rohrleitungen, die Menschen und Vieh in diesem ausgedörrten Land versorgen, das sich derzeit in der heißen Jahreszeit befindet. Wenn die Dieselpreise steigen, steigt auch der Preis für Trinkwasser.
Das Problem ist besonders gravierend, da der Sudan Schauplatz der weltweit größten Vertreibungskrise ist: Mehr als neun Millionen Menschen sind infolge des seit drei Jahren andauernden Konflikts in andere Teile des Landes geflohen.
Der Bundesstaat Ost-Darfur allein beherbergt mittlerweile über 189.000 Menschen, die mit leeren Händen angekommen sind. Die Mehrzahl dieser Menschen leben in Lagern, meist in und um die Landeshauptstadt El Daein. Sie täglich zu versorgen ist eine enorme Belastung für die Stadt mit ihren 377.000 Einwohnern.
Mohammed Gebril, Koordinator für Wasser und Sanitärversorgung bei World Vision in Ost-Darfur, berichtet: „Die Wasserpreise sind nach der Sperrung der Straße von Hormus um 30 Prozent gestiegen. Dies hat massive Auswirkungen auf Menschen, die sich kaum das Nötigste zum Überleben leisten können. Hunderttausende vertriebene Familien – die meisten davon Frauen und Kinder – erhalten fast keine internationale Hilfe und können es sich nicht leisten, Wasser zu kaufen.“
In Ost-Darfur hat World Vision 16 Bohrbrunnen saniert und Rohrleitungen sowie Solarmodule zur Stromerzeugung installiert, um die Abhängigkeit von Dieselgeneratoren zu verringern. Doch um den enormen Bedarf zu decken, sind Hunderte von Brunnen erforderlich. Hierfür fehlen die Finanzmittel. So ist der internationale Hilfsplan 2026 für Sudan erst zu 16 Prozent gefüllt. Humanitäre Standards sehen vor, dass eine Person in einer Notsituation 15 Liter pro Tag erhalten sollte, doch viele Haushalte mit acht oder neun Personen müssen mit nur einem Kanister pro Tag auskommen.
Ohne Zugang zu sauberem Wasser, so Mohammed Gebril, müssen die Menschen aus unsicheren Wasserquellen trinken. Damit geht ein hohes Risiko für Durchfallerkrankungen wie Typhus oder Cholera einher, die wiederum Unterernährung verstärken. Kinder unter fünf Jahren sind dem höchsten Sterberisiko ausgesetzt.
Der Weg des Diesels nach Darfur ist lang und beschwerlich. Er wird über die Straße von Hormus nach Kenia verschifft, gelangt dann auf Lastwagen, die den Südsudan durchqueren, und wird schließlich über unbefestigte Straßen in den Sudan transportiert. Jeden Tag stehen in der sudanesischen Region Darfur mit großen Wassertanks beladene Eselskarren an den Pumpstationen Schlange, um die kostbare Fracht abzuholen, die dann in den Vertriebenenlagern und den umliegenden Gemeinden von Tür zu Tür verkauft wird.
Dem Sudan mangelt es grundsätzlich nicht an Öl- und Wasservorkommen. Doch die Ölraffinerien sind aufgrund des Konflikts nicht in Betrieb. Der Sudan verfügt über das größte fossile Grundwasserreservoir der Welt, das etwa 29 % des Landes – Afrikas drittgrößtes Land – bedeckt, aber ein massiver Ausbau der Bohrbrunnen kann nur im Frieden und mit Investitionen in die Infrastruktur erfolgen.