Mauretanien liegt im Westen Afrikas und gehört politisch zu den stabileren Staaten der Region. Gleichzeitig steht das Land vor großen sozialen und ökologischen Herausforderungen: Anhaltende Dürren, fehlende Anpassungsmöglichkeiten in der Landwirtschaft und unzureichende öffentliche Versorgung machen das Leben vieler Familien schwer. Besonders in ländlichen Gebieten sind Kinder von Armut, Mangelernährung und schlechter Gesundheitsversorgung betroffen.
Rund zwei Drittel des Landes sind Wüste. Die landwirtschaftliche Entwicklung Mauretaniens leidet unter dem Klimawandel, ineffizienten Anbaumethoden und fehlender Unterstützung. Die Ernteerträge reichen oft nicht, um die eigene Familie zu ernähren, Überschüsse für den Verkauf gibt es daher selten. Gleichzeitig fehlt in vielen Regionen der Zugang zu sauberem Wasser und sanitären Anlagen, was vor allem für Kinder gravierende gesundheitliche Folgen hat.
Hinzu kommt: Mauretanien ist ein sehr junges Land und etwa die Hälfte der Bevölkerung ist unter 20 Jahre alt. Doch das Bildungssystem ist überlastet. Fehlende Lehrkräfte, mangelhafte Ausstattung und hohe Abbruchquoten erschweren den Bildungsweg vieler Kinder. In der Hauptstadt Nouakchott lebt fast ein Drittel der Bevölkerung, über die Hälfte davon in Slums, unter prekären Bedingungen. Und in Grenzregionen wie zu Mali verschärft eine angespannte Sicherheitslage die Situation zusätzlich.
World Vision ist daher seit 1998 im Land aktiv und engagiert sich mit langfristiger Entwicklungshilfe in Mauretanien. In enger Zusammenarbeit mit lokalen Partnern helfen wir dabei, die Lebensbedingungen nachhaltig zu verbessern.
Unsere Programme konzentrieren sich auf die Hauptstadt Nouakchott sowie die südlichen Regionen Assaba, Brakna, Gorgol und Guidimakha. Schwerpunkte unserer Entwicklungszusammenarbeit in Mauretanien sind: Gesundheit und Ernährung, Bildung, Kinderschutz sowie Wasser- und Sanitärversorgung.
In unseren Projekten vor Ort haben wir bereits viel bewegt, aber es bleibt noch viel zu tun.
World Vision in Mauretanien
- seit 1998 vor Ort
- Sitz des Landesbüros: Nouakchott (Hauptstadt)
- Hier ist World Vision aktiv: Nouakchott, Assaba
- 139 Mitarbeitende machen unsere Entwicklungszusammenarbeit in Mauretanien möglich.
- In 4 Projekten sind wir vor Ort aktiv
Ausgewählte Erfolge unserer Arbeit 2024
- 25.808 Menschen erhielten Zugang zu Trinkwasser
- Knapp 40.000 Kinder wurden in Bezug auf Unterernährung untersucht und die betroffenen 7.357 Kinder angemessen behandelt
- 9.716 Personen wurden moderne sanitäre Anlagen zur Verfügung gestellt
- In 505 Spargruppen wurden insgesamt etwa 150.00€ zusammengetragen
Aktuelle Lage: Warum Hilfe in Mauretanien notwendig ist
Im internationalen Vergleich zählt Mauretanien zu den am wenigsten entwickelten Ländern der Welt. Die Kombination aus wirtschaftlichen Entwicklungshemmnissen, dem Klimawandel und einem mangelhaften staatlichen Versorgungssystem verschärft die Lage vieler Familien.
Rund zwei Drittel der Bevölkerung sind in der Landwirtschaft oder der Tierhaltung tätig. Doch rund 90 Prozent der Erträge dienen dem Eigenbedarf, für den Markt bleibt kaum etwas übrig. Wiederkehrende Dürren, veraltete Anbaumethoden und fehlende Lagermöglichkeiten führen dazu, dass selbst die grundlegendsten Nahrungsmittel oft nicht in ausreichender Menge zur Verfügung stehen. Es mangelt an Saatgut, landwirtschaftlicher Beratung und an Zugang zu Kleinkrediten, mit denen Menschen sich neue Einkommensquellen erschließen könnten.
Diese strukturellen Probleme bremsen die wirtschaftliche Entwicklung Mauretaniens aus und verstärken die Armut im Land.
Weiterhin ist die gesundheitliche Versorgung in Mauretanien besonders für Familien in abgelegenen Regionen eine tägliche Herausforderung. Rund 80 Prozent der Bevölkerung konsumieren unbehandeltes Wasser mit dramatischen Folgen. Krankheiten wie Durchfall oder Parasiteninfektionen verbreiten sich schnell, vor allem dort, wo es keine sanitären Anlagen gibt und grundlegende Hygieneregeln schwer umsetzbar sind.
Zudem ist jedes fünfte Kind unter fünf Jahren unterentwickelt („stunted“). Viele Eltern wissen nicht, wie sie ihre Kinder ausgewogen ernähren können oder sie haben schlicht nicht die Mittel dazu. Auch im Krankheitsfall fehlt oft der Zugang zu medizinischer Versorgung.
Bildung ist ein ungenutztes Potenzial: Ein starkes Bildungssystem ist die Grundlage für langfristige Veränderung. Doch in Mauretanien kann etwa ein Drittel der erwachsenen Bevölkerung nicht lesen oder schreiben. Viele Schulen sind unzureichend ausgestattet, Lehrkräfte nicht ausreichend ausgebildet. In ländlichen Gegenden müssen Kinder oft weite Strecken zur Schule zurücklegen, deshalb brechen viele den Unterricht vorzeitig ab.
Diese Situation hemmt nicht nur individuelle Entwicklung, sondern auch die gesamte gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung Mauretaniens. Die Folgen dieser Herausforderungen lassen sich auch in Zahlen ablesen, insbesondere für Kinder. Ein Vergleich mit Deutschland zeigt, wie groß die Lücke in der Versorgung wirklich ist:
Unsauberes Trinkwasser gefährdet die Gesundheit der Menschen
Fast 80 Prozent der Menschen trinken unbehandeltes Wasser. Krankheiten wie Durchfall oder Parasiten verbreiten sich dadurch schnell.
Eltern können ihre Kinder nicht ausgewogen ernähren
Jedes fünfte Kind unter fünf Jahren ist unterentwickelt („stunted“). Viele Eltern wissen nicht, wie sie ihre Kinder gesund ernähren sollen, oder sie können es sich nicht leisten.
Der Zugang zu Bildung ist für Kinder schwierig
Viele Schulen haben nicht genug Ausstattung, und die Lehrer sind oft nicht gut ausgebildet. In ländlichen Gebieten müssen Kinder oft lange Wege zur Schule gehen, deshalb brechen viele vorzeitig ab.
Sie wollen langfristig helfen? Mit einer Kinderpatenschaft in Mauretanien helfen Sie gezielt Kindern und Familien und tragen zu einer nachhaltigen Entwicklung bei.
Schwerpunkte unserer Entwicklungszusammenarbeit in Mauretanien
Die Herausforderungen in Mauretanien sind gravierend: anhaltende Dürreperioden, unzureichende Gesundheitsversorgung, fehlender Zugang zu sauberem Wasser, schlechte Bildungsbedingungen und wachsende soziale Ungleichheiten. Besonders Kinder sind davon betroffen. World Vision verfolgt mit Entwicklungsprojekten in Mauretanien einen ganzheitlichen Ansatz und setzt genau dort an, wo Hilfe am dringendsten gebraucht wird. Unsere Arbeit ist langfristig ausgerichtet für nachhaltige Veränderung, die bleibt. Das sind unsere zentralen Schwerpunkte:
Gesundheit, Ernährung und Erhalt der Lebensgrundlagen
Viele Kinder in Mauretanien leiden unter Mangelernährung und fehlender medizinischer Versorgung. World Vision setzt gezielt auf Aufklärung in den Gemeinschaften: Eltern lernen, wie sie ihre Kleinkinder ausgewogen ernähren, Krankheiten frühzeitig erkennen und mit einfachen Mitteln, wie regelmäßigem Händewaschen, vorbeugen können.
Zusätzlich stärken wir das lokale Gesundheitssystem: Gesundheitshelferinnen und -helfer werden geschult, Versorgungsangebote verbessert und damit die Betreuung von Kindern und Schwangeren gesichert. So leisten wir einen konkreten Beitrag zur Verbesserung der gesundheitlichen Versorgung in Mauretanien.
Um Ernährung langfristig zu sichern, fördern wir außerdem die landwirtschaftliche Entwicklung in Mauretanien: durch klimaangepasste Anbaumethoden, den Schutz natürlicher Ressourcen und die Gründung von Spar- und Produzentengruppen. So stärken wir Familien nachhaltig, gesundheitlich und wirtschaftlich.
Bildung die Perspektiven schafft
Bildung ist ein Schlüssel zu mehr Gerechtigkeit und Entwicklung. Viele Kinder in Mauretanien können ihr Potenzial jedoch noch nicht entfalten. World Vision fördert gezielt Bildungsprogramme in Mauretanien: Lehrkräfte werden in bewährten Unterrichtsmethoden geschult und Eltern erfahren, wie sie ihre Kinder beim Lernen unterstützen können.
Außerdem verbessern wir die Ausstattung von Schulen, z. B. durch den Bau von Toilettenanlagen, damit Kinder unter besseren Bedingungen lernen können und die Abbruchquote sinkt.
Kinderschutz beginnt schon im Alltag
Ein sicheres Umfeld ist die Voraussetzung für gesunde Entwicklung. Deshalb sensibilisiert World Vision gemeinsam mit religiösen Würdenträgern, Frauengruppen und anderen Schlüsselpersonen die Gemeinden für Kinderschutzthemen. Ziel ist es, Gewalt zu verhindern und das Bewusstsein für Kinderrechte zu stärken.
In sogenannten Kinderclubs erleben Kinder sichere Räume, werden gezielt gefördert und lernen wichtige „Lifeskills“ wie Selbstbewusstsein, Kommunikation und das Lösen von Konflikten. Kinderschutz in Mauretanien beginnt im Alltag und wirkt in die Zukunft.
Wasser, Sanitärversorgung und Hygiene (WASH)
Der Zugang zu sauberem Wasser ist lebenswichtig, doch in vielen Regionen Mauretaniens nicht selbstverständlich. World Vision baut Brunnen und sanitäre Anlagen für Haushalte, Schulen und medizinische Einrichtungen.
In begleitenden Schulungen lernen Kinder, Eltern und Lehrkräfte, wie Hygiene im Alltag funktioniert und warum sie entscheidend ist, um Krankheiten zu vermeiden. Unsere WASH-Projekte in Mauretanien verbessern so nicht nur die Lebensqualität, sondern retten Leben.
So wirkt unsere Entwicklungszusammenarbeit in Mauretanien
Die Entwicklungszusammenarbeit in Mauretanien zeigt Wirkung: World Vision erreicht Kinder, Familien und Gemeinden mit gezielter Unterstützung, von Bildungsförderung über sauberes Trinkwasser bis hin zu gesunder Ernährung und Kinderschutz.
Sauberes Wasser in Ganki Djeiry
In Ganki Djeiry sichert World Vision die Trinkwasserversorgung: Ein maroder, undichter Wasserturm wurde durch einen leistungsstarken Neubau ersetzt, um die chronische Knappheit in 2 Dörfern zu beenden. Die neue Anlage behebt gefährliche Hygienemängel an Schulen und Haushalten, senkt die Betriebskosten und garantiert Kindern sowie Viehbeständen dauerhaften Zugang zu sauberem Wasser.
Gesunde Ernährung stärkt Tokomadji
In Tokomadji wird die Ernährungssicherheit gestärkt: Im Rahmen des Projektes entwickelten Frauenkooperativen nahrhafte Rezepte aus lokalen Zutaten. Ein Kochwettbewerb stellte sicher, dass die Gerichte gesund und im Alltag einfach nachzukochen sind. Die Initiative kombinierte Ernährungsberatung für 1700 Menschen, um die Gemeinschaftsgesundheit nachhaltig zu verbessern.
Bildungschancen für Aminetou
Aminetou lernte Lesen und Rechnen in Maghtafera, in dem World Vision eine entscheidende Bildungslücke geschlossen hat. Da die örtliche Schule keinen vollständigen Unterricht ermöglichte, konnten rund 60 Kinder durch das Aghorat-Förderprogramm innerhalb von nur 6 Monaten grundlegende Lese- und Schreibkompetenzen erwerben.
Häufig gestellte Fragen zu unserer Hilfe in Mauretanien
Ja. Mauretanien ist eines der am wenigsten entwickelten Ländern der Welt. Große Teile der Bevölkerung sind von Armut, Unterernährung und mangelhafter Infrastruktur betroffen. Vor allem in ländlichen Regionen sind Gesundheitsversorgung und Bildungseinrichtungen in einem schlechten Zustand.
Betrachtet man nur das Einkommen, leben rund 5 Prozent der Bevölkerung unter der internationalen Armutsgrenze von ca. 1,80 Euro pro Tag. Doch Armut hat viele Gesichter: Laut UN Human Development Report 2023 sind fast 60 Prozent der Menschen in Mauretanien von mehrdimensionaler Armut betroffen, also auch von eingeschränktem Zugang zu Bildung, Gesundheit, Wasser, Strom und sanitären Anlagen.
Ja, nach mehreren internationalen Rankings, darunter der Human Development Index der Vereinten Nationen, zählt Mauretanien zu den Ländern mit den niedrigsten Entwicklungswerten weltweit.
Die allgemeine Sicherheitslage gilt als überwiegend stabil, insbesondere in den von World Vision betreuten Projektregionen. Risiken bestehen vorrangig in Grenzgebieten, etwa zu Mali.