Kenia

Verbesserte Resilienz gefährdeter ländlicher Haushalte im Baringo County/Kenia durch die Förderung von nachhaltigen Existenzgrundlagen zur Ernährungs- und Nahrungssicherung

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Finanziert von:

Das BMZ ist für die Konzeption der langfristigen Entwicklungszusammenarbeit der Bundesrepublik Deutschland verantwortlich. Zur Umsetzung von entwicklungspolitischen Maßnahmen unterstützt das BMZ auch Nichtregierungsorganisationen wie World Vision Deutschland. Im Finanzjahr 2020 konnten wir fünf neue Projekte umsetzen, die vom BMZ gefördert wurden.

Projektzeitraum:

Januar 2020 - Dezember 2024

Land:

Kenia

Finanzvolumen:

2.000.000 Euro (davon 1.500.000 Euro vom BMZ, 500.000 Euro aus Eigenmitteln von World Vision)

Karte Kenia

Projektbeschreibung:

Baringo County ist aufgrund vielfältiger Probleme eines der Countys mit der höchsten Armut in Kenia. Dazu gehören eine niedrige Landwirtschafts- und Viehproduktivität wegen der unzuverlässigen Regenfälle und zyklischen Dürren, Pflanzen- und Tierkrankheiten und Schädlinge, ressourcenbasierte Konflikte, Überflutungen im Zusammenhang mit extremen Wetter- und Klimabedingungen, eingeschränkter Zugang zu Märkten und Kreditdienstleistungen sowie schlechte Sanitärbedingungen und Unterernährung vor allem bei Kindern. All dies wird durch verschiedene Faktoren verschlimmert: eine massive Landdegradierung, unzureichendes Wissen und Fertigkeiten der Gemeinden um angemessene Technologien zur Erhöhung der Produktivität und alternative Existenzgrundlagen anzunehmen, regressive kulturelle Praktiken und ungenügende landwirtschaftliche Beratungsleistungen. Innerhalb von Baringo County erfährt die Region Tiaty (Zielgebiet dieses Projektes) eine schwerwiegende Marginalisierung durch die County-Regierung. Diese Marginalisierung verschärft die oben genannten Konditionen. Diese Themen wurden während eines Design-Workshops identifiziert und erörtert. Die Analphabetenrate in Tiaty beträgt 76% und ist damit die höchste Rate in Baringo. Lediglich 7,1% der Befragten sind vollkommen sesshaft und leben in der Nähe von permanenten Wasserquellen – ungenügender Zugang zu Wasser und Weideflächen sowie Krankheiten/Parasiten sind die Hauptfaktoren, die zu regelmäßiger Migration und Wanderpraktiken (von 71,7% ausgeübt) der viehhaltenden Pokot führen. Nur 36,8% der befragten Bauern nutzen empfohlene „Good Agricultural Practices“. Als größtes Problem mit negativen Auswirkungen auf die Existenzgrundlagen nennen 47,8% der Befragten Dürren und Konflikte in Verbindung mit Viehdiebstählen (29%). Der Zugang zu Finanzdienstleistungen ist immer noch niedrig – im Subcounty gibt es keine einzige Bank oder andere Mikrofinanzinstitution. Der SMART Studienbericht zeigt, dass das Vorkommen von Fehlentwicklung auf Grund von Mangelernährung (Stunting) und Untergewicht (Wasting) in Tiaty bei 30% bzw. 29,1% liegt. Das Vorkommen von akuter Unterernährung liegt im Subcounty bei 16,8%. Lediglich 38,6% der Haushalte konsumieren die empfohlene Mindestzahl von mehr als fünf Lebensmittelgruppen pro Tag. 59% der Haushalte essen nur eine Mahlzeit pro Tag. Baringo belegt Platz 45 von 47 Countys beim Zugang zu sicherem Wasser. Derzeit haben lediglich 25,9% der Bevölkerung Zugang zu sicherem Wasser.

Ziele und Inhalte des Projekts:

Das Projektziel ist die Verbesserung der Nahrungs- und Ernährungssicherheit für 6.416 direkte und 6.700 indirekte Begünstigte und besteht aus vier Unterzielen:

  • Unterziel 1: Integriertes klimafreundliches Mikrofarming-Modell bekannt gemacht und angenommen

Das Projekt fördert ein integriertes, klimafreundliches Mikrofarming-Modell (ICSMF) als Anpassungsmaßnahme an den Klimawandel und als Dürrerisikomanagementstrategie zur Erhöhung der Lebensmittelproduktion und Reduzierung von Mangelernährungsfällen. Das Projekt baut die Fertigkeiten der Gemeinden auf Haushaltsebene zum Anbau von lokalen, nährstoffreichen Feldfrüchten für den Familienkonsum auf. Jeder Haushalt wird lokal verfügbare Dünger, Bewässerungsmöglichkeiten und lokal angepasstes Saatgut nutzen, damit dieser Ansatz als völlig unabhängiger Input-Output-Zyklus aufrechterhalten werden kann. Es wird zudem Geflügel eingeführt (weniger anfällig als Huftiere), als Resilienzmechanismus für die Haushalte in Dürrephasen.

  • Unterziel 2: Natürliches Ressourcenmanagement auf Gemeindeebene verbessert

Die Regierung ist dafür verantwortlich, den Zugang der Bevölkerung zu Wasserquellen sicherzustellen. Das Projekt will lokale Anwaltschaftsgruppen aufbauen, damit diese bei der County-Regierung für mehr Unterstützung bei der Wartung der Wasserquellen eintreten. Zusätzlich werden agroforstwirtschaftliche Maßnahmen sowie adäquate Baumschnitttechniken und der FMNR-Ansatz gefördert. Da die wichtigste Existenzgrundlage im Projektgebiet die Viehwirtschaft ist, ist auch die Einbeziehung des Weideflächenmanagements ausschlaggebend, um nachhaltige Weiden und Frieden zu sichern. Dies wird durch die Schaffung von Weideflächen-Komitees angegangen. Aufbauend auf den lokalen Erfahrungen und Traditionen wird zudem die Bienenhaltung gefördert.

  • Unterziel 3: Ernährungspraktiken der Haushalte verbessert

Das Projekt wird mit lokalen Gesundheits- und Bildungsbehörden und der Bevölkerung im Projektgebiet zusammenarbeiten, um deren Verständnis über die negativen Auswirkungen und Möglichkeiten zur Vermeidung von Mangelernährung zu fördern. Die Zeitspanne von der Schwangerschaft bis zum Ende des zweiten Lebensjahres wird als kritischer Zeitraum betrachtet. Hierfür sollen empfohlene Säuglings- und Kleinkindernährungspraktiken zur Vermeidung von Mangelernährung vermittelt werden. Unterziel 4: Finanzpraktiken der Haushalte verbessert Anhand des World Vision Spargruppen-Modells “Saving for Transformation (S4T)”- sollen Land-/Viehwirte, vor allem Frauen, mobilisiert werden Spargruppen zu bilden. Diese sollen Familien dazu befähigen, finanzielle Engpässe in den Bereichen Gesundheit, Lebensmittel/Ernährung und Bildung zu überbrücken, während sie gleichzeitig in ihre Existenzgrundlagen investieren. Zudem ermöglichen sie einen sonst nicht-vorhandene Zugang zu Kleinkrediten.

An wen richtet sich die Hilfe?

Insgesamt hat dieses Projekt 6.416 direkte und 6.700 indirekte Begünstigte. Diese Gruppe besteht überwiegend aus Kleinbauern- und Imkerhaushalten, Schwangeren und stillenden Müttern und Schülern in Tiaty, aber beinhaltet auch Lehrer, Baumzüchter und Männer mit Anerkennung der lokalen Bevölkerung. Die Zielgruppe gehört der Ethnie der Pokot an, welche teilweise sesshafte Bauern aber überwiegend Viehhaltern und Halbnomaden sind.