Indien

Stärkung formeller und informeller Systeme und Strukturen sowie Kapazitäten gefährdeter Kinder und Haushalte zur Reduzierung von Kinderarbeit in den Distrikten Banswara und Pratapgarh, Rajasthan

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Finanziert von:

Das BMZ ist für die Konzeption der langfristigen Entwicklungszusammenarbeit der Bundesrepublik Deutschland verantwortlich. Zur Umsetzung von entwicklungspolitischen Maßnahmen unterstützt das BMZ auch Nichtregierungsorganisationen wie World Vision Deutschland. Im Finanzjahr 2020 konnten wir fünf neue Projekte umsetzen, die vom BMZ gefördert wurden.

Projektzeitraum:

Oktober 2021 – Dezember 2024

Land:

Indien

Finanzvolumen:

800.000  Euro (davon 720.000 Euro von BMZ, 80.000 Euro aus Eigenmitteln von World Vision)

Projektbeschreibung:

In Indien ist der Schulbesuch bis zur Vollendung des 14. Lebensjahres kostenlos und obligatorisch. Kinderarbeit ist bei unter 14-Jährigen vollständig verboten und 14-18-Jährige dürfen keine gefährdenden Arbeiten verrichten. Darüber hinaus gibt es weitere Gesetze zur lokalen Implementierung von Kinderrechten. Die Wirklichkeit sieht jedoch leider anders aus. Nach der letzten Volkszählung, die 2011 stattgefunden hat, sind in Indien 10,1 Mio. Kinder im Alter von 5-14 Jahren von Kinderarbeit betroffen. Das entspricht ungefähr 3,9% aller Kinder, die in Indien leben. Besonders stark betroffen ist der Bundesstaat Rajasthan, in dem 10,2% der Kinder zwischen 5 und 9 Jahren und 8,6% der Kinder zwischen 10 und 14 Jahren arbeiten gehen müssen. Mädchen sind tendenziell etwas stärker betroffen als Jungen. Ursächlich dafür ist vor allem die extreme Armut vieler Familien, in denen die Kinder substanziell zum Haushaltseinkommen beitragen müssen. Der Schulbesuch bleibt ihnen dabei oft vorenthalten was den Armutskreislauf über Generationen hinweg manifestiert. Nach selbiger Volkszählung aus dem Jahr 2011 sind 42,7% der indischen Kinder nicht in einer Schule angemeldet. Auch von den angemeldeten Kindern verpassen einige ganze Teile des Schuljahres aufgrund von familiärer Arbeitsmigration.

Ziele und Inhalte des Projekts:

World Vision führt in Kooperation mit den lokalen Partnerorganisationen VAAGDHARA und Consumer Unity and Trust Society (CUTS) verschiedene Maßnahmen zur Bekämpfung von Kinderarbeit in der Projektregion durch. Kinder sollen auf gar keinen Fall zum Familieneinkommen beitragen müssen und dabei den Schulbesuch vernachlässigen. Auch sollen sie nicht in solchem Umfang in Haushaltstätigkeiten eingebunden werden, dass darunter ihre Ausbildung leidet. Bereits bestehende Gemeinde-basierte Kinderschutzgruppen sollen in ihrem Engagement unterstützt und gefördert werden, damit Fälle von Kinderrechtsverletzung frühzeitig erkannt und dagegen interveniert werden kann. Kleinbäuerliche Familien werden in modernen und effektiven landwirtschaftlichen Methoden geschult, um die Arbeit auf der familiären Farm ohne die Arbeit ihrer Kinder bewältigen zu können. Junge Erwachsene werden mit berufsvorbereitendem Training beim Einstieg in den Arbeitsmarkt begleitet. Es werden Workshops für Familien und Freiwillige veranstaltet, die über die Bedeutung von Kinderrechten aufklären und den Teilnehmern Möglichkeiten zur Durchsetzung an die Hand geben. Eine besondere Herausforderung in der Implementierung ist die andauernde Corona-Pandemie, die die Durchführung von Präsenzmaßnahmen schwierig macht.

An wen richtet sich die Hilfe?

Direkt von dem Projekt profitieren 500 Kinder (250 Mädchen und 250 Jungen), die bereits arbeiten müssen oder von Kinderarbeit bedroht sind. 124 (62 Mädchen und 62 Jungen) davon sind Jugendliche im Alter zwischen 15 und 18 Jahren, die ein spezielles berufsvorbereitendes Training bekommen. Es werden Aufklärungsmaßnahmen über Bildung und Kinderschutz für 600 (300 Frauen und 300 Männer) Gemeindemitglieder durchgeführt, um diese für die Gefahren von Kinderarbeit zu sensibilisieren. Darüber hinaus werden 140 Bäuerinnen und Bauern bei der Umsetzung nachhaltiger landwirtschaftlicher Ansätze unterstützt. Weitere Begünstigte sind 48 Lehrer, 36 Freiwillige, 30 Medienvertreter sowie 230 Akteure im Bereich des Kinderschutzes (Mitglieder der Regierung auf verschiedenen Ebenen und zivilgesellschaftlicher Organisationen). Zudem wird auch Kapazitätsaufbau der lokalen Partner betrieben.