Nahrung im ganzen Jahr verfügbar - Kleinbauern stärken
Für die Gesundheit von Kindern ist es wichtig, dass ihren Familien das ganze Jahr über ausgewogene und bezahlbare Nahrung zur Verfügung steht. Das trifft beim Start unserer Projekte aber oft nur auf eine Minderheit der Haushalte zu. Finanzielle Probleme der Familien, aber auch Strukturprobleme in ihren Wohngebieten tragen dazu vor allem bei. Die kleinbäuerlicher Landwirtschaft, die in den meisten unserer Projektregionen einen Großteil der Bevölkerung ernährt, ist wenig produktiv und sehr krisenanfällig. Alternative Verdienstmöglichkeiten und Absicherungen sind schwach entwickelt.
Wir helfen Kleinbauern mit Schulungen, technischer Unterstützung, Mikrokrediten und beratender Begleitung dabei, ihre Erträge durch moderne Anbautechniken zu verbessern, Ressourcen effektiv einzusetzen und die Palette ihrer Produkte zu erweitern. Sie verfügen dann zum Beispiel zusätzlich zu ihren Feldern über einen Gemüsegarten, betreiben eine Tierzucht, verwerten Früchte von Bäumen oder Algen oder ernten Honig aus eigener Imkerei. Beratung zu besseren Vermarktungsmöglichkeiten erhalten sie zum Beispiel mit unserer Unterstützung durch Agrarinstitute oder Mitarbeit in Kooperativen. Ergänzend dazu fördern wir Spareinlagen, die neue Investitionen ermöglichen und armen Familien helfen, magere Zeiten zu überstehen. Wenn diese Maßnahmen gut aufeinander abgestimmt sind, erzielt unsere Hilfe einen doppelten Effekt: Das Einkommen der Familien und ihre Ernährung stehen auf einer sichereren Grundlage.
Nahrungsgrundlagen erhalten - Natürliche Ressourcen schützen
Die Landwirtschaft in ihrer heutigen Form ist leider selbst eine Bedrohung für die Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung. Fruchtbares Land geht durch Abholzung, Monokulturen und zu intensive Beweidung verloren. Hunger zu bekämpfen, erfordert also im wörtlichen Sinne auch Einsatz, um Boden (zurück-) zu gewinnen. Gleiches gilt für die Nutzung von Wasserquellen. Wir versuchen, bei der Förderung ländlicher Entwicklung ein Bewusstsein für die Zusammenhänge zu schaffen, beginnend bei den Kindern. Wenn wir Wasserquellen erschließen, schulen wir Wasserkomitees darin, diese sauber zu halten und eine gerechte, langfristige Nutzung sicherzustellen. Bäuerinnen und Bauern versuchen wir von den Vorteilen einer organischen, konservierenden Landwirtschaft oder eines kontrollierten Weidemanagements zu überzeugen. Frauen in Kenia und Äthiopien unterstützen wir bei der Herstellung und Verbreitung energiesparender Öfen. Ein weiterer Ansatz, den wir in vielen Ländern verfolgen, ist die Agroforstwirtschaft, bei der Bäume den darunter wachsenden Nutzpflanzen Schatten vor zu starker Sonne spenden und die Bodenfruchtbarkeit verbessern. In bereits verödeten Landschaften mit noch vorhandenem Wurzelwerk kann die natürliche Vegetation mit Hilfe der Renaturierungsmethode FMNR wieder zum Leben erweckt werden. Viele Bauern aus West- und Ostafrika haben bereits die Erfahrung gemacht, dass sich dadurch auch das lokale Klima verbessert hat.
Frühe Vorsorge - Ein Maßnahmepaket für Mütter und Kleinkinder
Die richtige Nahrung zur richtigen Zeit zu bekommen, ist besonders für schwangere Frauen, stillende Mütter und Kleinkinder sehr wichtig. Aus Studien wissen wir, welche Maßnahmen wissenschaftlich erprobt sind und effektiv gegen Mangelernährung und Krankheiten schützen. World Vision hat daraus ein Paket entwickelt, mit sieben Maßnahmen für die Mütter und elf Maßnahmen für Neugeborene und Kinder in den ersten beiden Lebensjahren. Darin sind Vorsorgemaßnahmen mit Therapiehilfen kombiniert, wie zum Beispiel Ernährungs- und Pflegeberatung, Vor- und Nachsorge bei Geburten, die Ausgabe von Eisen-Präparaten, Informationen zu gesunden Schwangerschaftsabständen, Impfungen und Malaria-Vorsorge.
Um die oft weit von Kliniken entfernt lebenden Familien zu erreichen, hat World Vision den Ansatz des „Timed and targeted Counseling“ entwickelt. Dabei werden Haushalte mit schwangeren Frauen oder Neugeborenen von lokalen Gesundheitsmitarbeitern zwölf Mal während und nach der Schwangerschaft besucht, um Probleme zu erkennen und Lösungen zu diskutieren. Für die Beratungen wurden Materialien zu den wichtigsten Themen entwickelt.
Lokale Erfolgsrezepte für alle
Mit dem Ansatz Positive Deviance Hearth Plus (PDH+) wird lokales Wissen über den bestmöglichen Einsatz vorhandener Ressourcen genutzt, um bestimmte Probleme aus den Bereichen Ernährung und Gesundheit zu lösen. Man geht dabei der Frage nach, warum es in einem Ort neben unterernährten Kindern auch gesunde Kinder mit Normalgewicht gibt, obwohl alle unter denselben Armutsbedingungen aufwachsen. World Vision identifiziert und analysiert zusammen mit den lokalen Gesundheitsbehörden zunächst das positiv von der Norm abweichende Verhalten in den Familien mit gut ernährten Kindern (Positive Deviance). Anschließend werden die „Erfolgszrezepte“ mit Praxisübungen den Frauen mit untergewichtigen Kindern vermittelt (Hearth Schulungen). Ergänzend zu den Ernährungskursen leitet World Vision die Familien häufig dabei an, eigenes Gemüse anzubauen, das sie für den Eigenverbrauch und zum Verkauf nutzen können. Die Wirkungen werden durch Folgebesuche überprüft. PDH+ findet als Projektmodell besonders Einsatz in stabileren Ländern mit hohen Untergewichtsraten.
Gesellschaftliche Hindernisse beseitigen - Politik zur Verantwortung ziehen
Wer in einer Gesellschaft wie viel und welches Land nutzen darf, wer sauberes Wasser bekommt und wer über die Verwendung von Nahrungsmitteln bestimmen darf, wird nicht allein im Dorf entschieden. Wir müssen daher auch gemeinsam mit benachteiligten Menschen und im Dialog mit der Politik daran arbeiten, ungünstige Rahmenbedingungen für Ernährung zu verändern. Indem unsere Projekte die aktive Beteilung etwa der Frauen und der Jugend als „agents of change" fördern, geben sie Beispiele für gerechtere Entscheidungsprozesse. Ihnen stehen auch Guidelines zur Verfügung, um Rechte und Verantwortlichkeiten in Dialogen mit der Regierung zu thematisieren.
Ernährung in der Krise - Soforthilfe und Stärkung der Selbsthilfe
In einigen Regionen der Welt gehen Bauern bei jeder Aussaat ein großes Risiko ein, denn die nächste Dürre- oder Flutkatastrophe ist nur eine Frage der Zeit. Ein wachsender Teil der Weltbevölkerung wird auch durch Konflikte, Wirtschaftskrisen und unfaire Handelsbedingungen zur Aufgabe der Landwirtschaft gezwungen. Prognosen warnen vor einer Zunahme extremer Armut in Subsahara-Afrika und vor Klima-Flucht in großem Ausmaß. Auf diese globalen Herausforderungen muss sich unsere Arbeit einstellen.
Da die ärmsten Menschen Verlorenes nur schwer ersetzen und mit Preissteigerungen bei Nahrungsmitteln nicht lange mithalten können, ist lokale und nationale Vorsorge mit internationaler Unterstützung für sie überlebenswichtig. Und wenn es zu einer größeren Nahrungskrise kommt, wie in diesem Jahr zum Beispiel in Mittelamerika und im südlichen Afrika, müssen Hilfsorganisationen schnell reagieren können. World Vision ist auf beiden Gebieten aktiv. Unsere Entwicklungsprojekte erstellen mit der Bevölkerung Risikoszenarien und Vorsorge-Strategien. Auf regionaler und nationaler Ebene beteiligt sich World Vision an der Arbeit von Netzwerken wie „Children in a changing climate“ oder der „Africa Climate-Smart Agriculture Alliance“. Wir streben in akuten Krisen auch immer an, Nothilfe mit Strukturverbesserungen und der Stärkung der Selbsthilfe-Möglichkeiten zu verbinden. Wenn unterernährte Kinder behandelt werden müssen, trainieren wir mit ihren Familien und mit lokalen Gesundheitshelfern, wie sie Mangelernährung vorbeugen bzw. schnell erkennen und erfolgreich behandeln können.