World Vision Mitarbeiter vor Ort in Ghana

Patenschaft berührt die Herzen

Große Gefühle beim ersten Besuch in Ghana
Author: UBauer  | 
6. November 2018
Author: UBauer
Ich konnte die Emotionen zwischen den beiden fühlen. Es war unglaublich, diesen Moment mitzuerleben.
World Vision-Mitarbeiterin Tatjana über ein erstes Treffen zwischen Patin und Patenkind

Neben den Verbesserungen, die einem Kind durch eine Patenschaft widerfahren, wie eine bessere Schule, ein neuer Brunnen, ein Lese-Camp und anderes, hat mir dieses Erlebnis gezeigt, dass eine Patenschaft auch sehr viel auf der emotionalen Ebene auslöst.

Der Patenjunge Augustine selbst war am Anfang sehr schüchtern, aber dann ist er richtig aufgetaut und wurde aktiv. Ich konnte förmlich sehen, wie die Tatsache, dass seine Patin Tine für ihn extra aus Deutschland angereist ist, seinem Selbstbewusstsein gut getan hat. Man hat richtig gemerkt, wie er aufblüht.

Patin Tine mit Augustine in dessen Schule in Ghana

Was sind deiner Ansicht nach die größten Probleme vor Ort?

Tatjana: Schwierig ist schon die Anfahrt. Unsere Projektregion Diaso liegt sehr abgeschieden. Teilweise sind die Dörfer sehr schwer zu erreichen und liegen nicht direkt an der Hauptstraße. Dann fuhren wir mit dem Auto auch mal eine Stunde über Staubpisten. Ein weiteres großes Problem ist der schlechte Zustand der Schulen. In manchen Schulen gibt es keine Toiletten. Das kann man sich hier gar nicht vorstellen, wie die Kinder sechs, sieben Stunden am Tag ohne Toilette in der Schule sitzen sollen.

Wie helfen World Vision Patenschaften den Menschen vor Ort?

Tatjana: Was ich deutlich sehen konnte, sind z.B. Verbesserungen beim Thema Wasser. In verschiedenen Dörfern hat World Vision Brunnen gebaut. Oft wurde in unserem Projekt jeweils in der Dorfmitte eine moderne Wasserpumpe gebaut, teilweise auch welche in der Nähe von den Schulen, damit die Kinder sauberes Wasser trinken können. Sauberes Wasser in der Nähe zu haben, führt auch dazu, dass Frauen und Mädchen nicht mehr jeden Tag so lange unterwegs sind, um Wasser zu holen.

World Vision Mitarbeiterin Tatjana übt Wasser tragen.
Patin Tine mit Schulkindern im Schulhof

Und auch an den Schulen hat sich einiges getan. Oft sind es nur kleine Veränderungen, die den Kindern aber direkt helfen. Zum Beispiel, dass es genug Sitzbänke für alle Kinder gibt oder Lernmaterialien in der Landessprache. Wir haben auch Gemüsegärten gesehen, die zur Schule gehören, und wo die Kinder gemeinsam lernen, Obst und Gemüse anzubauen und auch über Anbaumethoden. Alle diese Punkte konnten nur umgesetzt werden dank der Patenschaften in der Region, weil von einer Patenschaft eben nicht nur das einzelne Kind profitiert, sondern alle Kinder im Dorf und die Gemeinschaft insgesamt.

Wie hast du die Menschen vor Ort erlebt?

Tatjana: Aus der mitteleuropäischen Perspektive heraus denkt man manchmal, dass die Menschen dort alle richtig schlecht leben - ohne Elektrizität, ohne fließend Wasser und anderes. Aber ich habe die Menschen sehr fröhlich erlebt, sehr positiv und hatte das Gefühl, dass sie das Leben auf ihre Art genießen. Ich habe auch eine große Dankbarkeit der Menschen gegenüber World Vision erfahren, die in der ganzen Region vorhanden war. Sobald wir in ein neues Dorf gekommen sind und die Menschen gemerkt haben, dass wir von World Vision sind, waren alle ganz aufgeregt und man hat gespürt, dass World Vision bei allen etwas ganz Positives auslöst. Vieles ist in Diaso jetzt besser, weil durch die World Vision-Patenschaften Dinge verändert werden konnten.

Kinder in Ghana sehen dem World Vision-Auto entgegen
Patenkind Augustine aus Ghana mit Dorfbewohnern

Wie hast du die ghanaischen Kinder angetroffen?

Tatjana: Wenn man nach Diaso fährt, fällt einem als erstes auf, dass es sehr viele Kinder gibt. Natürlich zieht man als Weißer das Interesse auf sich und es kommen oft gleich fünf bis zehn Kinder um die Ecke und schauen mal. Es ist selten, dass man nur ein Kind trifft. Am Anfang sind sie recht schüchtern, tauen dann aber schnell auf und sind fasziniert - bei mir zum Beispiel von meinen Haaren und auch von der hellen Hautfarbe. Aber man sieht auch in Diaso, dass es noch Kinder gibt, denen es nicht gut geht. Hier ist die Entwicklung noch nicht abgeschlossen und es braucht weitere Unterstützung durch Patenschaften.