Musiker Wolfgang Niedecken schaut sich Zeichnungen geflüchteter Kinder in Bidi Bidi - Uganda an.

Fortsetzung folgt....

Wolfgang Niedecken sieht in Uganda Hilfsprogramme für Kinder auf der Flucht
Author: KSzeltner  | 
25. September 2018
Author: KSzeltner
Neu angekommene Flüchtlinge aus Südsudan bauen sich ein Haus in Nordwest-Uganda
Wolfgang Niedecken unterhält sich mit neu angekommenen Flüchtlingen in Uganda.

Zwei Jungs sind plötzlich Brüder und Väter

Wir treffen den jungen Südsudanesen David. Er sitzt mit vier jüngeren Kindern und einem Jugendlichen auf einer Strohmatte unter den Bäumen im Camp und erzählt uns seine Geschichte. Er ist 20 Jahre alt und bereits seit fast einem Jahr in Uganda. Ein junger Mann, mit einer viel zu traurigen Vergangenheit und Geschichten im Gepäck, die wir uns kaum vorstellen mögen. Er erzählt, wie seine Eltern ermordet wurden und er mit der Schwester und deren Kindern floh. Männer wie er werden häufig zu einem Leben als Soldaten oder Rebellen gezwungen, doch genau das wollte David nicht. So machten sie sich auf, gemeinsam Richtung Uganda, doch leider wurde die Schwester auf der Flucht sehr krank und starb. Zurück blieben David und die 4 kleinen Kinder der Schwester, alle zwischen 6 und 12 Jahre alt. Für David war es eine Selbstverständlichkeit, seine Nichten und Neffen mit zu nehmen, auch wenn er selbst noch nicht richtig erwachsen ist. Über 2 Wochen waren sie zu Fuß unterwegs, bis sie nach Uganda kamen. Unterwegs ernährten sie sich von dem, was die Natur so bot. Wasser schöpften sie aus den Bächen, und sie nahmen nur mit, was sie am Leib tragen konnten.


In Uganda angekommen, wurden sie die ersten Tage im Reception Center (eine Art Erstaufnahme) von World Vision untergebracht. Dort lernte David den erst 17-jährigen Moses kennen, der ebenfalls als unbegleiteter Flüchtling im Lager angekommen war. Auch Moses verlor im Krieg beide Eltern, ein Schicksal, das die meisten der Jugendlichen im Camp teilen. David nahm den jüngeren Moses mit in seine Familie auf, für ihn ist er nun wie ein jüngerer Bruder. Zusammen leben die beiden mit den vier Kindern der verstorbenen Schwester nun in einer Hütte.

Ende der Kindheit: der 20 jährige David aus Südsudan (neben Wolfgang Niedecken im Bild) hat die Kinder seiner getöteten Schwester und den 17jährigen Moses bei sich aufgenommen.

Da die Familie noch sehr jung ist, haben sie eine Betreuerin von World Vision zur Seite, die regelmäßig nach ihnen schaut und sich zusätzlich kümmert. Die Kinder gehen alle im Camp in die Schule, doch David müsste aufgrund seines Alters natürlich in eine weiterführende Schule gehen, die allerdings zu weit entfernt liegt. Wolfgang fragt ihn nach seinem Zukunftswunsch. David erklärt uns, dass er sehr gerne Elektriker geworden wäre und im Südsudan bereits eine Ausbildung angefangen hatte. Leider kann er diese nun hier nicht weiterführen, da es im Camp nicht möglich ist und er nicht mobil ist, um an eine Ausbildungsstätte zu kommen. Mit der Hilfe von World Vision hat er einen kleinen Lebensmittelshop eröffnet, der direkt neben seiner Hütte steht. Er ist sehr stolz auf diesen eigenen Laden, den er uns mit Begeisterung zeigt und der tatsächlich das Nötigste an Lebensmitteln bietet. Mit dem Verkauf der Waren kann er zumindest für den Unterhalt sorgen und hat eine Beschäftigung. Die Zukunft ist ungewiss, er träumt davon wieder in die Heimat zurück zu kehren und eine eigene Familie zu gründen.

David in seinem neuen eigenen Laden
World Vision hat David wieder eine Zukunft ermöglicht

Besuch eines Child friendly space

Wir besuchen eines der 25 „child friendly spaces“, die World Vision im Camp errichtet hat. Es handelt sich dabei um spezielle Einrichtungen, die in Deutschland an einen großen Kindergarten/Vorschule/ Spielplatz erinnern würden. Die Eltern können ihre Kinder dort tagsüber betreuen lassen, sie erfahren eine vorschulische Bildung mit viel Sport, Spiel, Tanz und Musik – es gibt Malkurse und die Kinder dürfen einfach Kind sein und einen Hauch der Unbeschwertheit erfahren, die wir uns für jedes Kind auf der Welt wünschen würden.

Es ist laut und fröhlich auf dem Gelände, überall wuseln Kinder. Manche spielen in Trikots Fußball, andere bilden eine Tanzgruppe und singen. Im Gebäude findet ein Vorschulunterreicht statt und in einer Ecke draussen wird im Schatten gemalt. Nichts deutet in diesem Moment darauf hin, dass diese Kinder schon Furchtbares hinter sich haben, dass sie teilweise ihre Angehörigen verloren haben und selbst Angst um ihr Leben hatten. Man freut sich über uns, schließlich sind wir fremd und sehen anders aus, die Neugierde ist riesig.

Wolfgang Niedecken besucht ein Child friendly space in Uganda

Die Kinder können ausgelassen spielen und das schreckliche vergessen was sie erlebt haben.

Wolfgang Niedecken besucht ein Child friendly space in Uganda

Die Kinder begrüßen Wolfgang Niedecken voller Neugierde. Überall wimmelt es von Kindern die zusammen singen, malen oder nur miteinander reden.

Wolfgang Niedecken besucht ein Child friendly space in Uganda

Das childfriendly space wurde 2017 mithilfe der finanziellen Unterstützung von Unicef erbaut.

Natürlich versucht man hier auch, die Kinder ein Stück weit psychologisch zu betreuen. Wir nehmen an einem Malkurs teil, an dem die Kinder auch ihr Erlebtes aufmalen sollen und wiederum auch ihre Träume zeichnen können, die sie für die Zukunft haben. Fußballer wollen viele werden, oder Pilot. Die Mädchen träumen von dem Beruf Krankenschwester – eigentlich ist es wie in Deutschland auch, die Unterschiede sind gar nicht groß. Wolfgang Niedecken, der studierter Maler ist, freut sich besonders über diese kreativen Kurse und setzt sich zu den Kindern und malt mit ihnen.

Ein Malkurs als Ventil

Im letzten Jahr fand hier in diesem Camp ein großer Workshop statt, bei dem Künstler aus verschiedenen Ländern zusammen mit Kindern und Jugendlichen eigene Kunstwerke kreiert haben. Diese Werke findet man auch noch auf dem riesigen Areal des Camps.

Wolfgang Niedecken besucht ein Malkurs, der im child friendly space angeboten wird.

Die Kinder können in einem Malkurs ihre Träume und Wünsche in Bilder ausdrücken.

Wolfgang Niedecken besucht ein Malkurs, der im child friendly space angeboten wird.

Wolfgang Niedecken malt gemeinsam mit den Kindern.

Wolfgang Niedecken besucht ein Malkurs, der im child friendly space angeboten wird.

Im letzten Jahr fand ein Malkurs im Camp satt bei dem Künstler aus verschiedenen Ländern gemeinsam mit den Kindern arbeiteten.

Essen für Alle - Eine logistische Herausforderung

Besonders faszinierend war die monatliche Essensverteilung im Camp, die wir auch erleben durften. Wolfgang ist begeistert von der Logistik, die dafür benötigt wird. Stella ist die World Vision Mitarbeiterin, die für die komplette Essensverteilung im Lager zuständig ist. An 4 verschiedenen Standorten bekommen die Menschen 5 Tage die Woche die nötigen Lebensmittel zugeteilt. Jede Person darf sich alle 3 Wochen seine Ration Mais, Mehl, Reis, Korn, Öl, Mineralien und Soja abholen. In Warteschlangen werden die Menschen registriert, bekommen eine Art „Bon“ und müssen dann darauf warten, bis sie dran sind. Es wird genau festgehalten, dass auch jeder seine Ration bekommt, die für 3 Wochen reicht. Außerdem wird aus jeder Community ein Bewohner bestimmt, der Bescheid sagen muss, wenn z.B. einer der Flüchtlinge krank ist und fehlt. Dann bekommt diese Person seine Nahrung auch gebracht. World Vision arbeitet zusammen mit dem World Food Program, einem unserer größten Partner gerade in Katastrophen und Flüchtlingsgebieten.

Wolfgang Niedecken schaut sich die Verteilung von Lebensmittel in dem Camp an
Wolfgan Niedecken schaut sich die Verteilung von Lebensmittel in dem Camp an

Wolfgang Niedecken konnte an diesen zwei Tagen einen Einblick in die sehr vielseitige Arbeit in einem Flüchtlingslager erfahren. Die Arbeit von World Vision umfasst neben der Nahrungsmittelhilfe und dem Kinderschutz ebenfalls noch Wasser- und Sanitärversorgung und Maßnahmen zur Förderung des Lebensunterhalts.