Als Kindersoldat im Bürgerkrieg

Heute Kämpfer für Gerechtigkeit

Mit zehn Jahren wurde Innocent Opwonya (30) von Rebellen entführt und musste als Kindersoldat im ugandischen Bürgerkrieg kämpfen. Heute lebt der Christ in Deutschland und macht sich dafür stark, dass nie wieder Kinder auf diese Weise missbraucht werden.

Als Innocent Opwonya im Dezember 1989 auf die Welt kommt, herrscht in seinem Heimatland Uganda Bürgerkrieg. Noch ahnt keiner, dass auch er selbst nur zehn Jahr später eine Waffe in den Händen halten wird. „Meine Eltern waren tiefgläubige Katholiken und gingen mit uns jeden Sonntag in die Kirche“, berichtet er über die ersten Jahre seiner Kindheit. Gleichzeitig kommt es in der Region immer wieder zu Angriffen durch die Rebellenorganisation „Lord’s Resistance Army“ (Widerstandsarmee des Herrn). 2000 schließlich gelangen die Soldaten bis in sein Heimatdorf und verschleppen ihn und weitere Kinder zu ihrem Stützpunkt im Wald. „Ich hatte nie zuvor in meinem Leben ein Gewehr gehalten – nun mussten wir lernen, damit zu schießen, auch auf Menschen“, erinnert sich der junge Mann. „Wenn wir uns weigerten, drohten uns Schläge oder der Tod.“

Drei Kriegseinsätze überlebt

An drei Kriegseinsätzen ist er in dieser Zeit beteiligt, sieht gleichaltrige Gefährten sterben. Dass er selbst diese Stunden unbeschadet überlebt, führt der Christ heute auf Gottes Bewahrung zurück. Bald unternimmt der Zehnjährige einen ersten Fluchtversuch – und scheitert. Beim zweiten Anlauf schließlich hat er Erfolg: Während einer Einzelmission gelingt es ihm, den Fängen der Rebellen zu entkommen. Von Soldaten der ugandischen Regierungsarmee gefunden, wird Opwonya ins Zentrum für kriegstraumatisierte Kinder gebracht, dass die christliche Kinderhilfsorganisation World Vision betreibt. Neben einem geregelten Tagesablauf, Essen und Beratung erhält er hier auch einen neuen Blick auf das Leben als Christ. „Mir wurden Werte wie Liebe, Vertrauen und Dankbarkeit gelehrt – dass ‚Christ sein’ nicht einfach ein Titel ist, sondern Konsequenzen für das Leben und Handeln jedes Einzelnen bedeutet.“

Anwalt für die Schwachen

Dank der Unterstützung eines weiteren Hilfswerks kann Innocent auch seine Schulausbildung beenden und erhält schließlich ein Stipendium für ein Wirtschaftsstudium in Deutschland. Heute ist der 30-Jährige verheiratet und lebt in Köln. Doch die Erlebnisse aus seiner Kindheit lassen ihn nicht los. Ob vor Schülern oder vor Politikern, durch Spenden- oder Unterschriftenaktionen – immer wieder macht er auf das Unrecht aufmerksam, das Kindersoldaten in Staaten wie Uganda oder dem Sudan bis heute widerfährt: „Ich sehe es als meine Berufung hier in Deutschland, als Anwalt für die aufzutreten, die keine Stimme haben.“

Leere Schaukeln
Kinder sollten spielen und Kind sein keine Soldaten

Wir müssen endlich handeln!

Er selbst weiß inzwischen, dass unter den Gewehren der Rebellen auch deutsche Waffen waren. „Schaut genau hin, an wen ihr Waffen verkauft“, so seine Forderung an die Politik. „Wie leicht geraten sie sonst in die Hände von Kindern.“ Auch sein zweites Herzensanliegen hat mit seinem persönlichen Schicksal zu tun. „Als ich als Kind entführt wurde, waren unter den Verschleppten auch Mädchen, die von den Rebellen als Sex-Sklavinnen missbraucht wurden.“ Bis heute sei die Ausbeutung von Mädchen in vielen Ländern an der Tagesordnung. „Wir müssen endlich handeln!“, so sein Appell. In seine morgendlichen Gebete schließt er regelmäßig alle ein, die heute das gleiche Leid erleben müssen – und legt sie Gott hin. „Ich vertraue fest auf ihn und dass der Tag kommt, an dem es keine Kindersoldaten mehr geben wird.“

Wenn Sie uns Ugandern helfen wollen: Schicken Sie Blumen, keine Waffen!
Innocent engagiert sich im Kampf gegen die Kindersoldaten auch von dem Bunderstag

Im Juni 2019 überreichte Innocent dem Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Gerd Müller, eine Petition, die von 16.000 Menschen unterzeichnet wurde. In der Petition forderten wir die Bundesregierung auf, mehr für die Unterstützung der Demobilisierung und Reintegration von Kindersoldaten zu tun.

 

Verfasserin des Artikels ist Lydia Schubert von idea.de

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