29.07.2022

Hunger in Kenia

Hoffnung in der Hungerkrise

Autor: IBrecheis

In vielen Regionen Ostafrikas, so auch in Kenia, hat es in den vergangenen zwei Jahren kaum geregnet. Dadurch ist der Boden spröde, ausgezehrt und aufgesprungen. Hier wächst kaum noch etwas. Jedenfalls nicht genug, um Mensch und Tier zu ernähren.

Millionen Nutztiere sind bereits verendet und damit bricht für viele Menschen in Kenia eine Lebensgrundlage weg. Die Folge: Kenia sieht sich einer nie da gewesenen Hungersnot gegenüber. Hunderttausende Menschen, darunter viele Kinder, brauchen sofortige Hilfe, um nicht an Hunger zu sterben.

Wie es zu dieser Katastrophe kam, welche Facetten der Hunger in Kenia hat und welche leisen Zeichen der Hoffnung es trotz alledem gibt, das lesen Sie hier.

Weite Wege für Wasser in Kenia

Wenn die Natur leidet, dann leiden wenig später Tiere und Menschen.
Liyanda Seither Senior Referent Afrika World Vision Deutschland e.V.

Hungersnot in Kenia – eine Katastrophe mit Ankündigung

Lebensbedrohliche Trockenheit

Bereits in den vergangenen Jahren regnete es in Kenia unterdurchschnittlich wenig. Die sonst ausgedehnte Regenzeit, die das Land fruchtbar macht, blieb fast vollständig aus. Wasserstellen, die Tränke für Vieh und Wildtiere sind, vertrockneten teils gänzlich. Wo das Wasser ausbleibt, kann auch kein Grün mehr sprießen. Und so fehlt den Tieren die Grundlage zum Leben. Eine Katastrophe für viele Menschen in Kenia, die größtenteils von der Viehzucht leben.

Ausbleibende Weizenlieferungen durch den Krieg in der Ukraine

Verschlimmert wird der Hunger in Kenia nun durch die ausbleibenden Weizenlieferungen aus der Ukraine und Russland. Diese werden eingesetzt, um in einer Krise wie der jetzigen die größte Hungersnot zu lindern. Das Weizen, das in ukrainischen Häfen oder Silos festsitzt, könnte den Tod Hunderttausender verhindern.
 

Zwei Kinder in Kenia vor einem Kochtopf

Wirtschaftliche Folgen der Covid-19 Maßnahmen

Die Dürre trifft Kenia in einer Zeit, während der das Land noch mit den wirtschaftlichen Folgen der Covid-19 Pandemie zu kämpfen hat. Strikte Ausgangssperren, die das Reisen und Pendeln zwischen den einzelnen Countys (= vergleichbar mit den deutschen Bundesländern) auch für den Broterwerb zeitweise unmöglich machten, haben die Menschen nachhaltig hart getroffen. Von den wirtschaftlichen Einbußen haben sich viele Familien noch nicht wieder erholt. Mit der nun schon lange anhaltenden Trockenheit wartet auf sie die nächste Herausforderung.
 

Weizen in der Ukraine, das nicht ausgeliefert werden kann

Der Hunger hat viele Facetten

Wenn die Lebensmittel knapp werden, entfaltet sich eine Kaskade der Not und des Leidens. Es beginnt damit, dass die Menschen sich genötigt sehen, die Anzahl der Mahlzeiten am Tag zu reduzieren. Viele gehen hungrig zu Bett. Das, was es zu essen gibt, wird immer weniger. Meist wird dann in einer Familie entschieden, wer überhaupt Essen bekommt. Sind es die Kinder und Alten oder die, die für den Broterwerb arbeiten müssen und Kraft brauchen?

Besitz, der einen Wert hat, wird verkauft, um davon Essen für die Familie beschaffen zu können, selbst wenn die eigene Situation dadurch mittel- bis langfristig geschwächt wird. Und so verkauft man vielleicht seine einzige Kuh, weil der Verkauf kurzfristig etwas einbringt. Das wiegt in der Not dann mehr, als die eigenen Kinder mit ihrer Milch versorgen zu können.

Eine einseitige Ernährung, das heißt der Mangel an Nährstoffen und Unterernährung haben langfristige gesundheitliche Auswirkungen. Besonders betroffen sind Babys und Kleinkinder in den ersten 1.000 Lebenstagen. Ihr Immunsystem kann sich nicht richtig entwickeln und sie sind sehr anfällig für Infektionskrankheiten. Mangelernährung hat auch ein verzögertes Wachstum zur Folge. Mangel- und unterernährte Kinder sind zu klein und leicht für ihr Alter. Ein Mangel, der nurmehr schwer aufzuholen ist.

Das Wegsterben des Viehs und damit der Lebensgrundlage vieler Menschen in Kenia ist ein Grund, weshalb es zu zahlreichen Fällen von Viehdiebstahl kommt. Diese werden noch befeuert von ethischen Konflikten. Immer wieder kommen dabei Menschen gewaltsam ums Leben. Auf Diebstahl folgt Rache, auf Rache wiederum Rache … Es ist ein Teufelskreis, der nur schwer zu durchbrechen ist.
 

Ein Funken der Hoffnung

Trotz alledem haben die Menschen in Kenia ihre Hoffnung auf eine bessere Zukunft nicht verloren. Etwas, das sie in ihrer Hoffnung bestärkt, ist der sogenannte "Climate Agriculture" Ansatz, der von World Vision (finanziert vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) im Rahmen eines Projekts in Kenia zum Einsatz kommt. 

Inhalt des Projekts ist es Maßnahmen umzusetzen, um das vorhandene Wasser besser zugänglich zu machen, Gemüse und Pflanzen anzubauen, die mit der Dürre besser zurechtkommen und biologischen Dünger, Tierdung, herzustellen, der den Pflanzen zu besserem Wachstum verhilft.

Tiefe Auffangbecken, die mit Folie ausgekleidet und abgedeckt sind helfen dabei, das Regenwasser, zu sammeln und sein Verdunsten zu verhindern. Wasser von dort oder von nahe gelegenen Flüssen wird abgezweigt, um die Landparzellen der Bäuerinnen und Bauern zu bewässern.

Anstatt großflächig anzubauen, werden kleine Beete geschaffen und mit Dünger aus getrocknetem Kuhmist gedüngt, um die Bodenfruchtbarkeit gezielt an diesen Stellen zu erhöhen. Ergänzend werden Bäume und Büsche bewahrt und beschnitten, um sie zu stärken. Ihre herabfallenden Blätter tragen ihren Teil dazu bei, den Boden mit wichtigen Nährstoffen zu versorgen und ihre Schatten spendenden Blätter halten die Feuchtigkeit im Boden. Mehr Infos über diese nachhaltige Methodik gibt es unter Farmer Managed Natural Resources. Anstatt Pflanzen anzubauen, denen die Dürre sehr zu schaffen macht, wie zum Beispiel Mais, setzt man auf heimische Feldfrüchte, die mit Trockenheit besser zurechtkommen wie z. B. Kuhbohnenblätter, Moringa, Kürbisblätter oder Grünkohl.

Wasserauffangbecken in Kenia
Gemüseanbau in einem Projekt in Kenia
Wasserpumpe auf einem Feld in Kenia

Unserer Kollege Liyanda Seither, der seitens World Vision für das Projekt verantwortlich ist und es vor Kurzem besucht hat, sagt dazu:

Trotz der schwierigen und herausfordernden Situation für die Menschen vor Ort habe ich in den Begegnungen mit ihnen sehr viel Zuversicht gespürt. Mit viel Elan gehen sie nun daran, ihr neu erworbenes Wissen um die Gemüsezucht umzusetzen und können so ihre Lebensgrundlage nachhaltiger aufbauen und mit der Dürre besser zurechtkommen.

Hilf uns, Leben zu retten!