Pauline floh vor der Gewalt im Kongo

Krieg ist die Ursache allen Übels

Pauline floh vor gewaltsamen Konflikten im Kongo
Erstellt von NinaRepp
Mo, 11/27/2017 - 10:50

Pauline ist 15 Jahre alt und ist im Herzen von Dibaya in Zentral Kasai aufgewachsen. Diese Region ist sehr arm, bis ein Konflikt zwischen einem lokalen Anführer und der Regierung ausbrach, aber friedlich. Seit August 2016 nahm die Gewalt zu, ethnische Milizen griffen zu den Waffen und als Folge flohen rund 1,6 Millionen Menschen vor den Kämpfen. Pauline berichtet von ihrer Flucht und darüber, was passieren muss, um zukünftig derartige Ausbrüche zu verhindern. 

Krieg ist die Ursache allen Übels.

Die Kämpfe brachen im August 2016 aus, im März wurden wir angegriffen. Jetzt sagen sie herrsche Frieden. Ich schlief Zuhause bei meinen Eltern als die Schlacht begann. Wir hörten wie die Kämpfer an den Türen klopften. Sie zogen von Haus zu Haus um zu töten. Ich schlief in einem Bett, mit meiner kleinen Schwester. Wir wachten auf, öffneten die Tür und rannten. Papa und Mama flohen auch. Wohin wissen wir aber nicht. Wir folgten den Händlern, die ihre Fahrräder die Strasse nach Kananga schoben. Meine kleine Schwester kann nur kurze Strecken am Stück laufen. Wir schliefen unter freiem Himmel. Von Kananga aus versuchten wir unsere Großmutter zu finden. Bis wir sie fanden vergingen Monate. Von unserer Großmutter erfuhren wir, dass Papa, Mama und unsere Geschwister getötet wurden.

Pauline besucht täglich ein World Vision Kinderschutzzentrum

Die Milizen von Kamunia Nsapu waren diejenigen die den Konflikt starteten. Die Leute haben gesagt, es werde Krieg geben. Wir wussten nicht, was das heißt. Eines Tages fing es einfach an. Wir hörten Gerüchte über Menschen, die getötet werden und enthauptet. Sie sagten, der Krieg würde uns eine gute Regierung bringen und wir könnten umsonst zur Schule gehen. Sie würden uns Dinge schenken, wie Hefte und Ranzen. Mädchen in meinem Alter und sogar Jüngere gingen zur Miliz. Sie kämpften, töteten und tranken Blut. Nur weil sie niedrigere Preise für Lebensmittel haben wollten, Schulhefte und gute Gesundheitsversorgung. Vor dem Krieg litten wir. Wir konnten nur essen, wenn Mama etwas auf dem Feld anbauen oder wenn sie ein wenig Geld mit harter Arbeit verdienen konnte. Papa verkaufte Kokosnüsse. Zweimal am Tag aßen wir. Jetzt herrscht Frieden, weil die bewaffneten Gruppen sich geeinigt haben. Damit der Frieden bleibt, darf keiner in den Krieg ziehen. Die Wahlen müssen friedlich stattfinden. Wer immer gewinnen wird, hat hoffentlich einen guten Charakter. Es wäre schön, wenn Nahrungsmittel bezahlbar wären und auch wir als Waisen gut leben und essen könnten. Ich habe die Leute gesehen, wie sie sich für die Wahlen registrieren lassen. Mir wurde erzählt auch Kinder könnten das. Aber als ich hingehen wollte, hat meine Großmutter gesagt, sei nicht doof und dass sie mich davon jagen würden. Wenn Großmutter mich gelassen hätte, hätte ich mich eintragen lassen und würde, wenn ich alt genug bin, beim nächsten Mal wählen. Wenn wieder Krieg ausbricht, dann fliehen wir und suchen ein anderes Dorf. Aber im Moment sind die Milizen fort. Sie sind geflohen. Wenn sie wieder kämpfen wollen, teilen wir unser Essen mit ihnen damit sie nicht mehr kämpfen müssen.

Ich bin jetzt 15 Jahre alt, meine Schwester ist zehn Jahre alt. Ich lerne jetzt nicht mehr. Zuhause war ich in der fünften Klasse. Ich möchte meinem Land dienen und Nonne werden. Ich hoffe der Frieden hält.

Pauline besucht keine Schule, geht aber täglich zu dem World Vision Kinderzentrum am Rande von Kananga. World Vision arbeitet mit einem Lokalen Partner, Cooperative Reveil de Kananga, daran sechs weitere Kinderzentren zu eröffnen um allen Kindern die Möglichkeit zu geben in sicherer Umgebung die Erlebnisse zu verarbeiten - auch mit Hilfe von psychosozialer Unterstützung.