Maria Furtwängler ist Ärztin, Schauspielerin, aber seit wenigen Wochen auch Kilimandscharo-Besteigerin. Wie kam es dazu?

Ehrlich gesagt war das eine Schnapsidee von meinem ältesten Bruder Felix. Unser Großvater war vor ziemlich genau 100 Jahren dort oben – als erster mit Skiern. Deshalb wurde dort ein Gletscher nach ihm benannt. Wir sind rauf, einschließlich meiner Mutter, meinen Kindern, Brüdern und Nichten. Das war ein tolles Erlebnis. Also eine echte Familientour nach Afrika. 

Wir wissen, dass Sie mit Ihrer Tochter häufig auf den Philippinen unterwegs sind. Was treibt Sie in dieses Land?

Ich denke, es kam dadurch, dass ich auf Cebu gesehen habe, wie die „German Doctors“ (Anm.: ehemals "Ärzte für die Dritte Welt") Kindern helfen, die auf der Müllkippe leben. Später ging meine Tochter in ein Straßenkind-Projekt auf Mindanao. Irgendwie entstand da diese Liebe zu dem Land und auch die Idee, das Malisa-Home zu gründen.
 

Malisa steht für?

Maria und Elisabeth, also Lisa, meine Tochter nennt sich Lisa. Wir dachten, eine Kombination aus unseren Namen wäre hübsch.

Wann ging das los?

Wir haben vor fünf Jahren damit angefangen. Ich habe gemerkt, dass in die Ambulanz von Cagayan de Oro (Anm.: Stadt auf Mindanao) immer wieder Mädchen kamen, 10- oder 11-jährig, mit sexuell übertragbaren Krankheiten. Da fragt man sich natürlich: 11-jährig? Das ist aber schon merkwürdig. 

Meine Tochter und mich bewegt das Thema Missbrauch von Mädchen, Menschenhandel und Zwangsprostitution sehr. Wir wollten ein Heim gründen, wo wir diesen Mädchen eine Chance auf eine menschenwürdige Zukunft geben. 

Ein ganz wichtiges Thema. Die Idee ist, dass mehr Menschen auch vorbeugend erreicht werden. Was steht hinter dieser Idee?

Mehr dort aufzuklären, wo offensichtlich noch viel Ahnungslosigkeit herrscht. Ich habe mir die Arbeit von World Vision angeschaut und bin sehr beeindruckt, auch von der Herangehensweise. Zusammen zu eruieren, wie man das Problem am besten angehen kann und die Communitys wirklich mit einzubeziehen. Das hat mich sehr überzeugt. Das schönste ist doch, die Energien zu bündeln. 

Malisa Home hat den Kerngedanken, Mädchen zu helfen, die schon Opfer von Missbrauch geworden sind, und das mit World Vision zu kombinieren, ist die Idee von „Thrive“. Davon verspreche ich mir sehr viel. Ich habe große Hoffnung, dass das mit World Vision zusammen wirklich klappen könnte und wir viele, viele Familien und Kinder erreichen.

Bei den vielen Besuchen, die Sie schon auf den Philippinen gemacht haben: Was war die berührendste Begegnung?

Vielleicht die Begegnung mit Christine, einem sehr aufgeweckten 15-jährigen Mädchen. Sie musste in einer Karaoke-Bar bedienen. Dann sagte der Besitzer „Weil du ja bei mir wohnst, musst Du mir zu Diensten sein“. Sie wurde vergewaltigt. Christine konnten wir helfen und haben sie ins Malisa Home geholt, ihr dort die Schule ermöglicht und psychologische Unterstützung – das ist das A und O in dieser Phase.

Wie schafft man es, die Zeit für so ein soziales und ehrenamtliches Engagement aufzubringen?

Zeit ist ja immer eine Frage der Einteilung und der Prioritäten. Frauen und Mädchen zu helfen, nicht in eine Situation der sexuellen Ausbeutung zu kommen bzw. wenn dem so ist, zu helfen, liegt mir einfach extrem am Herzen. Ich denke, für Dinge, die einem wichtig sind, hat man immer Zeit.