Bangladesch

Stärkung städtischer öffentlich-privater Erdbebenresilienz-Programme in Dhaka

Logo ECHO

Finanziert von:

Die Europäische Union mit ihren Mitgliedsstaaten ist ein führender Geber der Humanitären Hilfe weltweit. Die EU hilft jedes Jahr über 120 Millionen Opfern von Konflikten und Katastrophen. Mit einem Hauptsitz in Brüssel und einem globalen Netzwerk aus Feldbüros, leistet die Union den vulnerabelsten Menschen Beistand. Dabei orientiert sie sich einzig an den humanitären Bedürfnissen, ohne jede Diskriminierung unabhängig von Rasse, ethnischer Gruppe, Religion, Geschlecht, Alter, Nationalität oder politischer Zugehörigkeit.

Logo ADH

In dieser Aktion haben sich zahlreiche deutsche Hilfsorganisationen zusammengeschlossen, um im Katastrophenfall koordiniert und effektiv helfen zu können. Schirmherr ist Bundespräsident a. D. Horst Köhler

Projektzeitraum:

Juni 2020 - Dezember 2021

Land:

Bangladesch

Finanzvolumen:

534.684,00 € (davon  500.000,00 € von ECHO und 34.684,00 € von Aktion Deutschland Hilft (11.718€) und Partnern) 

Karte Bangladesch

Projektbeschreibung:

Bangladesch liegt am Schnittpunkt von drei großen tektonischen Platten; im Land wurden fünf große Verwerfungslinien identifiziert. Während die Bewegung dieser Platten historisch gesehen auf einem relativ niedrigen Niveau lag, erhöht heute eine stärkere seismische Aktivität das Erdbebenrisiko in der Region. Das Risiko und die prognostizierten Auswirkungen werden durch eine rasche Entwicklung und ein dynamisches Bevölkerungswachstum noch verstärkt. Dhaka, die Hauptstadt Bangladeschs, dehnt sich derzeit rasch in die umliegenden Sumpf- und Flusslandschaften aus. Durch den Privatsektor entstehen immer mehr neue Hochhäuser, um der wachsenden Bevölkerung und Mittelschicht sowie den expandierenden Mikro-, Klein- und mittelständischen Unternehmen Rechnung zu tragen. Viele dieser Strukturen sind unreguliert und außerhalb der bestehenden Bauvorschriften und aus minderwertigen Materialien entstanden. Sie sind außerdem besonders im Falle von Erdbeben gefährdet, da es keine etablierten Evakuierungswege gibt und da sie auf unsicherem Untergrund erbaut sind. Laut einer aktuellen Studie wird ein Erdbeben der Stärke 6 wahrscheinlich mindestens 79.055 Todesopfer, 199.785 Verletzte und 4.476.128 Vertriebene fordern. Darüber hinaus wird es an 28% der Häuser mindestens mäßige Schäden verursachen. Das Projekt zur Stärkung städtischer öffentlich-privater Erdbebenresilienz-Programme (Strengthening Urban Public-Private Programming for Earthquake Resilience, kurz: SUPER) zielt darauf ab, die nationalen Kapazitäten und die Koordination des Katastrophenmanagements zu erhöhen und letztlich zu einem verstärkten Erdbeben-Katastrophenrisikomanagement (earthquake disaster risk management, kurz: EQDRM) städtischer Gemeinden beizutragen. Die Regierung hat zwar Fortschritte bei der Stärkung der Resilienz des öffentlichen Sektors gegenüber Naturkatastrophen und vom Menschen verursachten Krisen gemacht, doch die Integration des boomenden Privatsektors des Landes in die Aktivitäten des Katastrophenrisikomanagements stellt nach wie vor eine Herausforderung dar. Für die Integration von Organisationen des privaten Sektors in das EQDRM bedeutet das Fehlen eines standardisierten Mechanismus für die Integration in koordinierte EQDRM-Aktivitäten nach wie vor ein erhebliches Hindernis. Um diese Lücke zu schließen, wird SUPER bestehende EQDRM-Interventionen der Regierung, von NGOS, dem Privatsektor und von Entwicklungsakteuren identifizieren, um Bereiche der Zusammenarbeit zu ermitteln. Es soll zur Entwicklung der Kapazitäten des privaten Sektors und zur Erstellung von Koordinationsprotokollen und zur Zusammenarbeit mit diesen Initiativen kommen. Zudem soll es zur Mobilisierung von Ressourcen und Fachwissen des privaten Sektors kommen, um Synergien für eine verbesserte Vorsorge und Bewältigung zu schaffen. Als Ergebnis dieser Interventionen wird im Rahmen des Projektes eine Notfallzentrale für den privaten Sektor (Private Sector Emergency Operations Centre, kurz: PEOC) eingerichtet und eine Arbeitsgruppe des privaten Sektors im Rahmen der Arbeitsgruppe zur Koordinierung der humanitären Hilfe (Humanitarian Coordination Task Team, kurz: HCTT) aktiviert, um sie mit dem nationalen Koordinierungsmechanismus und den UN-Clustern zu verbinden, um Synergien zu gewährleisten und öffentlich-private Initiativen zum Katastrophenschutz zu fördern. Die Initiierung einer Wissensplattform wird zudem eine wichtige Initiative sein, um Lernprozesse, Informationen, Ansätze und Technologien aufzuzeigen, die für ein effektives EQDRM eingesetzt werden können. Diese Plattform wird genutzt, um Debatten und Vorschläge anzuregen, die sich auf die Identifizierung von Überschneidungen mit internationalen Zuwendungen und bestehenden Risikofinanzierungsinstrumenten konzentrieren, um auf große und komplexe Katastrophen zu reagieren. Dies wird schließlich Eigenverantwortung und Wachstum fördern, welche von Organisationen des privaten Sektors zur Erhöhung der Gesamtkapazität des Landes für ein umfassendes EQDRM eingesetzt werden.

Ziele und Inhalte des Projekts:

Ziel des Projektes ist die Stärkung der Resilienz von Unternehmen und städtischen Gemeinden zur Reduzierung der Auswirkungen von Erdbeben in Bangladesch. Zur Erreichung dieses Ziels soll es zu einer verstärkten Zusammenarbeit und zu Multi-Stakeholder-Initiativen kommen, die den Privatsektor in die Schaffung resilienterer städtischer Gemeinden in Bangladesch einbinden. Schwerpunkt des SUPER-Projekts besteht darin, die wichtigsten Akteure auf allen Ebenen der städtischen Gemeinschaft vollständig in eine umfassende Erdbeben-Vorsorge- und Reaktionsstruktur zu integrieren. Die Institutionen der Wirtschaft sind abgesehen von der Regierung und der Entwicklungsgemeinschaft die größte Gruppe, die die Entwicklung im städtischen Kontext vorantreibt. Sie sind damit wichtiger Zugangspunkt, um die Gesamtheit des städtischen Dhakas zu erreichen. Daher ist es spezifisches Ziel von SUPER, die Zusammenarbeit zwischen den Interessengruppen zu stärken und eine nachhaltige Plattform für den Wissensaustausch und die Synergie zwischen Entwicklungsmaßnahmen und Risikofinanzierung zu schaffen. So soll zu einem wirksamen Katastrophenrisikomanagement beigetragen werden, das die Erdbeben- und Multi-Gefahren-Resilienz des städtischen Dhakas erhöht.

Ziele des Projekts sind:

  • Reduzierung des durch Erdbeben negativ betroffenen Bevölkerungsanteils durch Maßnahmen zur Bewusstseinsbildung und Verhaltensänderung zur Katastrophenrisikominderung (u.a. über Medien wie TV/Radio)
  • Förderung der Zusammenarbeit von privatem Sektor, Regierungs- und Nichtregierungsinstitutionen zur Stärkung der städtischen Katastrophenvorsorge und -reaktion (Einrichtung einer Notfallzentrale des privaten Sektors und Zusammenarbeit mit öffentlichen Stellen und NGOs, Einrichtung einer Wissensplattform)
  • Kapazitätsaufbau innerhalb der Institutionen des privaten Sektors zur Resilienz gegen Katastrophenschocks und -belastungen (Schulungen, Gefahrenvorhersage, Geschäftskontinuitätspläne, Kapazitätsentwicklung von Rettungsteams)

An wen richtet sich die Hilfe?

Das Projekt richtet sich zum einen an 93.616 Personen und zum anderen an 80 Organisationen, das heißt an Gemeindemitglieder, Akteure des privaten Sektors, Vertreter von INGOs und UN-Clustern, Dienstleistungsanbieter, Regierungsvertreter aus Ministerien und an die lokale Regierung der Stadt Dhaka. Bei der Auswahl der Begünstigten wird explizites Augenmerk zum einen auf die Fähigkeit der Begünstigten, zur Nachhaltigkeit des Projektes beizutragen, und zum anderen auf die Inklusion marginalisierter Gruppen gelegt. Das Projektteam wird versuchen, eine aktive Beteiligung und Mitverantwortung von Kindern, Frauen, Menschen mit Behinderungen und älteren Menschen in jeder Projektmaßnahme zu gewährleisten.

Begünstigte Personen:

  • 2.836 Personen sollen durch die Initiative zur Konsolidierung und Kapazitätsentwicklung des privaten Sektors und durch Ausbildungs- und Simulationsübungen direkt profitieren
  • 27.000 Personen sollen durch die Wissensplattform, Dialoge und Ausstellungen profitieren
  • 64.000 Personen sollen direkt und 300.000 Personen indirekt durch Bewusstseins- und Sensibilisierungsmaßnahmen profitieren

Begünstigte Organisationen:

  • 30 Organisationen des privaten Sektors
  • 15 Medienorganisationen
  • 15 INGOs, bilaterale und multilaterale Organisationen
  • 20 öffentliche und private Finanzinstitutionen, Regierungs- und Dienststellen, Baumaterialien produzierende Organisationen und Entwicklungsagenturen (Wissens- und Innovationsplattform)