Ein Kind aus Mali ertastet Blätter eines Moringa-Baumes

Warum Wälder Frieden schaffen und Zukunft sichern…

In Mali haben Predigten ein neues Thema
Author: SHolten  | 
27. März 2019
Author: SHolten

Wenn man die Herzen der Menschen erreicht, sind Veränderungen möglich

Beide religiöse Führer rufen ihre Kollegen auf nicht mehr still zu bleiben, wenn es um die Umwelt und Konflikte geht. „Wir müssen unsere Gemeindemitglieder dafür gewinnen, ihr Land und die Natur zu schützen; wir müssen dafür sorgen, dass neue Wälder entstehen, dass die Natur wieder repariert wird“, sagt Imam Ashafa. „Menschen sind spirituelle Wesen, und wenn man sie auf dieser Ebene anspricht, bewegt man ihre Herzen“, betont Pastor Wuye. Seit einigen Jahren bezieht World Vision gezielt Religionsgemeinschaften bei der Entwicklungszusammenarbeit ein, um nachhaltige Verhaltensänderungen zu erreichen. Dafür wurde der Ansatz „Channels of Hope“ entwickelt. In Mali wurden im Rahmen von Friedensprojekten Viehhirten und Bauern zusammengebracht, und gemeinsam arbeiten die Beteiligten an der Wiederbegrünung ihres Landes.

Ein Pastor und ein Imam aus Nigeria setzen sich gemeinsam für Umweltschutz und die Wiederaufforstung von Wäldern ein

Sahel-Länder brauchen Unterstützung bei der Anpassung an den Klimawandel

Die „Beating Famine“-Konferenz hat Regierungen mit Wissenschaftlern und Praktikern zusammen gebracht, um wirksame Lösungsansätze in größerem Maßstab zu verbreiten. Hartmut Behrend erläuterte zum Beispiel Ansätze zur Klima-Anpassung, die von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) unterstützt werden.

Wie andere Länder des Sahelgebiets ist Mali sehr anfällig für Klimaschwankungen und leidet unter den Folgen der Klimaveränderungen. Prognosen besagen, dass künftig Regenfälle noch stärker schwanken, Extremereignisse wie Dürren oder Starkregen zunehmen und die Temperaturen weiter steigen. Die Auswirkungen des Klimawandels spüren besonders die ärmsten Bevölkerungsgruppen, die direkt von den natürlichen Ressourcen als Lebensgrundlage abhängen.

Unterirdische Wälder begrünen auch Wüsten

Eine besonders effektive Maßnahme, um selbst verwüstete Böden wieder aufzuforsten, ist die regenerative Wiederbewaldungsmethode FMNR (farmer managed natural regeneration). Sie basiert auf dem Vorhandensein eines „unterirdischen“ Waldes. Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen empfiehlt, die gerade begonnene Dekade zur Rettung und Heilung von Ökosystemen dafür zu nutzen solche Maßnahmen bekannter zu machen.

„Wenn man die Bäume wachsen lässt und das Wasser auffängt mit Methoden wie der Halbmondtechnik, dem Bau von Wasserbecken, der Zai-Technik oder dem Bau von Steinwällen, gelingt es das Land zu heilen“, erläutert der malische Bauer Kaissé Dramé  seine eigene Erfahrung. „Wir konnten unser Einkommen vervielfachen, und dadurch können wir das Schulgeld für unsere Kinder bezahlen und Medizin kaufen, wenn sie krank sind.“ Alle Bauern aus Mali seien herzlich eingeladen, sich die Projekte anzusehen und mitzumachen.

Der Wiederaufforstungsexperte Mamadou Poudiougou freut sich, dass Bauern selbst erkannt haben, wie gut es für sie ist mit der Natur zusammen zu arbeiten. Sie wüssten inzwischen, dass Bäume Humus produzieren, indem sie teilweise genau zur Pflanzzeit und Aussaat ihr Blätter abwerfen und die Wurzeln Stoffe in den Boden leiten, die als Dünger dienen. „Die Bauern erzählten uns auch, dass die Bäume Regen anziehen“, so Poudiougou.

Sidi Touré aus Mali hat erkannt wie wichtig Bäume für die Fruchtbarkeit seines Landes sind.
Sidi Touré aus Mali zieht mit der FMNR-Methode Bäume und kann dadurch mehr ernten als früher.

Gute Nachrichten verbreiten sich im ganzen Land

World Vision Mali arbeitet mit Radiojournalisten zusammen, um die guten Nachrichten im ganzen Land zu verbreiten. „Es geht uns darum, die Widerstandsfähigkeit der Bauern in Mali zu stärken, damit sie den Klimaveränderungen etwas entgegenstellen können“, erklärt Projektleiter Dembéle. Er beobachtet, dass die Techniken nun auch außerhalb der Projektregion angewandt werden, da viele Bauern die Maßnahmen nachahmten.

Nach vier Jahren können im Projekt beachtliche Erfolge gezeigt werden. Mehr als 22.000 Bauern haben die Aufzucht von Bäumen nach der FMNR-Methode erlernt, 184 Wasserstellen wurden nutzbar gemacht und 230 Schulen gebaut. In 106 Spargruppen kommen Frauen regelmäßig zusammen und besprechen dort nötige Unterstützungsmaßnahmen für Mitglieder ihrer Gemeinschaften.

 Besonders Kinder profitieren von den Verbesserungen der Lebensbedingungen. Seydou* ist eines dieser Kinder.  „jetzt haben wir genug zu essen", berichtet er. "Wenn ich krank bin, können sich meine Eltern um mich kümmern. Ich bin gesund und kann dem Unterricht gut folgen.“ Mariama* ergänzt: „ Ich esse jetzt Gurken und Salat und kann in der Schule viel besser aufpassen, weil ich keinen Hunger mehr habe. Meine Eltern können Bücher und Stifte für die Schule kaufen und können mich ins Krankenhaus fahren, wenn es nötig ist.“ World Vision’s Ziel ist es, dass Kinder eine gute Zukunft haben und Bäume helfen diese Zukunft zu sichern.

*Namen der Kinder geändert