Toiletten: Der kurze Weg ins gesunde Leben

In Indien haben über 560 Millionen Menschen keinen Zugang zu Toiletten. Das heißt: Sie verrichten ihr Geschäft im Freien. Auf Bahngleisen, in Flüssen, Brachland oder am Straßenrand. In ländlichen Gebieten besteht noch seltener die Möglichkeit, eine Toilette nutzen zu können. Viele Dorfbewohner müssen deshalb weite Wege und unhygienische Zustände in Kauf nehmen, wenn sie sich entleeren. So wie die 23jährige Manisha Sankant aus der Region Dangs im Bundesstaat Gujarat. Bis die Dorfbewohner und World Vision gemeinsam für eine Lösung sorgten.

„40 Minuten habe ich gebraucht, um vom Dorf in den Wald zu gehen, wenn ich zur Toilette musste“, erzählt Manisha. „Hin und zurück jeweils 20 Minuten. Wenn die Monsunregen kamen hat es noch viel länger gedauert und es war auch gefährlich. Rutschig, schlammig.“

Manisha sitzt in ihrer Hütte, umgeben von ihren zwei Kindern und erinnert sich an die Zeiten, als es in ihrem Dorf noch keine Toiletten gab.

„Als ich mit dem zweiten Kind schwanger war, wurde jeder Toilettengang zu einer Herausforderung. Ich musste jemanden organisieren, der in meiner Abwesenheit auf meinen Sohn aufpasste. Und wenn wir krank waren, Durchfall hatten, war es besonders schlimm.“

Der Wald ist eine Toilette

Im Wald lauerten viele Gefahren. Schlangen, Skorpione, Moskitos. Das Gefühl, beobachtet zu werden. Und die Gefahr, sich Krankheiten einzufangen. Früher waren viele Menschen im Dorf ständig krank. Dass die unhygienischen Zustände mit den häufigen Krankheiten zusammenhängen war den Bewohnern aber nicht bewusst. In einer gemeinsamen Aktion mit den Bewohnern führte World Vision die Community Led Total Sanitation (CLTS) ein – ein Programm, mit dem nicht nur Toiletten gebaut werden sollten.

Die Mitarbeiter von World Vision klärten über Krankheiten und Ansteckungswege auf. Zeigten den Zusammenhang von mangelnder Hygiene und Unterernährung durch Durchfall und dass eine Toilette im eigenen Haus trotz aller traditionellen Vorbehalte die bessere Lösung ist.

Der Durchbruch aber kam erst, als die Mitarbeiter den Bewohnern einen Schock zumuteten. Bei einer Versammlung auf dem Dorfplatz legten sie menschliche Fäkalien auf den Boden. Fliegen schwirrten heran, setzten sich auf die Ausscheidungen und flogen anschließend auf Lebensmittel und die Körper der Versammelten.

Die Haeuschen sind direkt an den Hütten

„Da wurde uns klar, dass wir allein schon wegen der Fliegen und dem was sie transportieren krank werden“, sagt Manisha. „Doch was sollten wir tun? Geld, um Toiletten zu bauen, hatten wir keines.“

Aber Arbeitskraft. Die Dorfbewohner gruben tiefe Löcher und schleppten Steine aus dem Wald herbei. World Vision lieferte Baumaterial und Toilettensitze sowie Rohre. Gemeinschaftlich bauten alle Beteiligten Toilettenhäuschen an den Hütten der Dörfler. Auch die indische Regierung beteiligte sich und finanzierte den Bau der Dächer für die Toilettenhäuschen.

World Vision verteilte auch Hygienesets mit Seifen, Zahnpasta und Desinfektionsmitteln an die Bewohner. „Jetzt haben wir nicht nur ein viel gesünderes Umfeld“, freut sich Manisha, „wir haben auch Würde gewonnen.“