Patengruppenreise in Peru

Patengruppenreise nach Peru

Abwechslungsreiche und bewegende Momente

Ein Reisebericht von Sylvia Fuchs

Nach einer kurzen ersten Nacht in Ayacucho geht es früh zu unserem ersten Projektbesuch in der Region Libertadores in Peru. Unser Bus hält an einem kleinen Marktplatz und schon können wir eine große Anzahl Menschen sehen. So wurde ich in meinem Leben noch nie empfangen! Mir treibt es Tränen in die Augen, so überwältigend ist der Empfang: Die vielen Leute, an denen wir vorbeigehen, halten Plakate mit Willkommensgrüßen, schwenken deutsche und peruanische Flaggen. Wir schütteln Hände und hören viele Male „Bienvenidos!“.

Schließlich gelangen wir in die Aula und nehmen auf der Tribüne Platz. Wir bekommen Informationen darüber, was durch die Hilfe von World Vision verbessert wurde: Sauberes Trinkwasser und eine bessere Ernährung sorgen dafür, dass die Kinder gesund heranwachsen können. Immer wieder hören wir „Muchas Gracias!“. Jeder von uns bekommt einen Kürbis überreicht. Auf unsere Frage, wo denn die Männer sind, bekommen wir Gelächter als Antwort zu hören. Oliver, unser deutscher Reisebegleiter von World Vision, erklärt uns später, dass die Männer noch stärker in die Projekte eingebunden werden müssen, bisher ist es wohl eher Frauensache.

Beeindruckende Begrüßung in Peru
Projektbesuch in der Region Libertadores

Nachdem wir Leckereien wie Käse, Kartoffeln und Mais gekostet haben, geht es wieder nach draußen. Am Dorfplatz befindet sich eine kleine Schule. In einem Raum haben Kinder gerade Unterricht. Es geht unter anderem um Kenntnisse über gesunde Ernährung. Für uns wird ein Lied auf Quechua gesungen und dann geht es weiter. Wir kommen in die Suso Community. Hier gibt es ein Kinder- und Jugendzentrum, welches durch heftige Regenfälle so stark beschädigt wurde, dass es nun unbenutzbar ist. Wir besuchen eine Gruppe von Kleinkindern, die aufgrund des Schadens in privaten Räumlichkeiten von einer Ehrenamtlichen betreut wird. Den 30 Kindern der Community soll eine Frühförderung geboten werden, aber es fehlt an Räumlichkeiten. Wir schauen uns ein Gebäude an, das mit einigen Renovierungsmaßnahmen Platz bieten würde, aber es fehlt an Geld. Zuletzt werden wir noch mit einem lauwarmen Getränk aus Mispeln bewirtet, es schmeckt sehr interessant.

Projektbesuch in Peru
Schulbesuch in Peru

Unser dritter Programmpunkt für diesen Tag ist ein Projekt in Quinua. Wir sind zur Einweihung des Gemeindehauses eingeladen. Zwei aus unserer Gruppe haben nun die Ehre, es offiziell einzuweihen. Danach wird gefeiert und getanzt. Auf 2.700 Meter Höhe muss man ganz schön japsen. Kleine Leckereien werden gereicht und unsere mitgebrachten Geschenke werden verteilt. Mit großem TamTam werden wir verabschiedet. Am Abend geht es zu einem gemeinsamen Abendessen. Die Mitarbeiter von World Vision haben ein folkloristisches Programm vorbereitet mit Gesang und Tanz. Ja, tanzen müssen wir wieder!

Patenreise nach Peru Gruppenfoto
Beeindruckende Tanzaufführung

Einen Tag haben wir für die Fahrt von Ayacucho nach Huancavelica gebraucht. Wir werden drei Projekte besuchen und unsere Patenkinder sehen. Zunächst geht es zu einem Ausbildungszentrum. Hier gibt es für Jugendliche die Möglichkeit, eine Ausbildung zum Frisör zu absolvieren. Wir erhalten gleich eine Demonstration an Freiwilligen aus unseren Reihen: Ein Mann lässt sich den Bart stutzen und ein Junge bekommt einen neuen schicken Haarschnitt. Dann besichtigen wir eine Werkstätte, wo den Schülern Handwerkskunst vermittelt wird. Es werden Püppchen, kleine Kunstobjekte aus Ton und Mörser aus Stein hergestellt. Die Schüler verdienen sich damit ein Taschengeld. Außerdem gibt es eine Hühnerzucht. Nach den Besichtigungen bekommen wir eine entzückende Aufführung einer Parabel. Es geht um Habgier: Nur der bescheidene und ehrliche Bauer bekommt außer seiner eigenen verlorenen Axt auch noch die goldene und silberne Axt von der guten Fee. Nach einer Vorstellungsrunde auf Deutsch (die Kinder wollen wissen, wie sich deutsch anhört) und großer Verabschiedung geht es weiter zu unseren Patenkindern.

Im Ausbildungszentrum lernen die Schüler Handwerkskunst
Endlich lernen die Paten ihre Patenkinder kennen

Uns wurde gesagt, die Kinder hier seien viel scheuer als in unserem ersten Projektgebiet. Aber als wir ankommen, werden wir sogleich von vielen Kindern umringt. Wir werden nach unseren Namen gefragt, wie alt wir sind, ob wir Kinder haben und, und, und. Zum Glück ist der Dolmetscher in der Nähe. Wir machen ein paar Tanzspiele und die Kinder singen. Es herrscht eine fröhliche und ausgelassene Stimmung! Nun ist es so weit: Die Paten bekommen die Augen verbunden und dann spüre ich Anitas Hand in meiner. Oliver führt uns ein paar Meter durch das Gewimmel und dann dürfen wir die Augenbinde abnehmen.

Zum ersten Mal stehe ich Anita gegenüber. Sie fängt gleich an zu weinen und kann sich gar nicht mehr beruhigen. Wie sich später herausstellt, weint sie, weil ihre Mama nicht dabei ist. Ihr Papa ist stattdessen mitgekommen. Es ist schade, dass ich Anitas Mutter nicht kennenlernen kann. Ich bin froh, dass Anita gekommen ist. Vielleicht war es nicht leicht für sie, ihre Schüchternheit zu überwinden. Dass Anita sehr ernst und zurückhaltend ist, wusste ich aus Briefen der World Vision Mitarbeiter. Langsam versiegen die Tränen bei Anita und wir können uns ein bisschen unterhalten. Da Anita keine Fragen an uns stellt und ihr Vater nur wenige, liegt es überwiegend an uns, die Unterhaltung zu bestreiten. Erst als meine Schwester vorschlägt, das Spiel, das auf dem Tisch liegt, auszupacken und eine Runde Schach zu spielen, lächelt Anita ein bisschen.

Von diesem Besuch nehme ich ganz viel mit!

Dennoch vergeht die Zeit wie im Flug und es geht zum gemeinsamen Mittagessen. Vorher bekomme ich von Anitas Vater einen von der Mutter gehäkelten Schal überreicht. Von Anita bekommen wir gestrickte warme Mützen. Nach dem Essen überreiche ich meine Geschenke. Zuerst das Fotobuch, das wir gemeinsam anschauen, dann die kleine Umhängetasche. Die will Anita aber lieber zuhause auspacken. Nun lächelt sie immer wieder, das ist schön. Immer mehr taut sie auf, besonders beim gemeinsamen Volleyballspiel mit dem neuen Ball eines anderen Patenkindes. Auch ich zeige ihr wie das Ballspiel, das ich ihr mitgebracht habe, funktioniert. Dann heißt es Abschied nehmen und es gibt viele herzliche Umarmungen. Von diesem Besuch nehme ich ganz viel im Herzen mit!

Patin trifft ihr Patenkind in Peru
Ballspiele mit dem Patenkind

Auch wenn wir gern noch viel Zeit mit unseren Patenkindern verbracht hätten, geht es weiter zu einem anderen Projekt. Wieder ein Ausbildungszentrum. Hier werden insgesamt 175 junge Menschen aus der Umgebung ausgebildet. Als wir eintreffen sind viele nicht mehr da, da die meisten einen langen Weg von bis zu zwei Stunden nach Hause zurücklegen müssen. Hier wird das Bäckerhandwerk gelernt, es duftet aus dem großen Ofen. Wir sehen, wo das Ausbildungszentrum heute steht und wie die Pläne für die Zukunft aussehen. Dazu wird noch einiges an finanziellen Mitteln benötigt, um die Ausstattung anzuschaffen. Wir bekommen eine traditionelle Tanzeinlage von einem kleinen dreijährigen Mädchen vorgeführt, dessen Vater dazu die Musik spielt. Danach werden auch wir wieder zum Tanz aufgefordert. Ja, getanzt wird viel in Peru! Ist das anstrengend, wir sind mittlerweile auf 3.700 Meter Höhe! Zur Belohnung gibt es frisch gebackenen Kuchen. Nachdem wir dieses Projekt verlassen haben, dürfen wir noch das Haus besichtigen, in dem das kleine Mädchen mit seinen Eltern lebt. Wir bekommen auch das Gewächshaus gezeigt, in dem verschiedene Gemüse, Chili und Obst wächst. Zum Haus gehört auch ein Tierstall, Schafe befinden sich in einem Verschlag gleich neben der Küche. Die Küche hat eine Feuerstelle, einen Tisch und der Boden besteht aus festgetretener Erde. Es wird einem sehr bewusst, wie privilegiert man selbst lebt.

Besuch eines Projekts in Peru
Machu Picchu Peru

Dann machen wir uns auf den Weg in unser Hotel. Es ist eine lange Fahrt bis dahin. Obwohl wir völlig geschafft sind, geht es gleich wieder los zum Abendessen. Am liebsten würde ich mich gleich ins Bett verkriechen, so viele Eindrücke! Aber die lieben Mitarbeiter von World Vision haben ein schönes Programm für uns vorbereitet. Es wird wieder viel getanzt, es werden tolle Vorführungen geboten. Wo nehmen sie bloß die Energie her? Ich muss beim Tanzen heute passen, ich bin so platt und schlafe später tief und traumlos. Am nächsten Tag starten wir mit dem touristischen Teil unserer Reise, die dank unserer tollen Reiseführer, der wunderbaren Busfahrer und unserer schönen Truppe zu einem herrlichen Erlebnis wurde.

Die Projektbesuche und insbesondere das Treffen mit unseren Patenkindern waren etwas ganz Besonderes, das tief in meinem Herzen bleibt. Ich bin so froh, dass ich vor nun mehr als sechs Jahren den Entschluss gefasst habe, eine Patenschaft zu übernehmen.

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