HIER BIN ICH ZU HAUSE – TIMOR-LESTE

Über vier Jahrhunderte war der Osten der Insel Timor portugiesische Kolonie. Kaum in die Freiheit entlassen, wurde Timor-Leste von Indonesien besetzt, erst 2002 folgte die Unabhängigkeit. Die Bevölkerung braucht dringend Hilfe, um die weitgehend zerstörte Infrastruktur nach der indonesischen Gewaltherrschaft wieder aufzubauen.

Ein Land der aufgehenden Sonne

Timor-Leste liegt rund 500 Kilometer nordwestlich von Australien. Neben dem östlichen Gebiet von Timor gehören auch die Enklave Oecussi-Ambeno im Westen sowie die beiden Inseln Atauro und Jaco zum Staatsgebiet. Durch die Nähe zum Äquator ist das Klima tropisch-feucht. Heftige Niederschläge lassen Flüsse und Seen während der Regenzeit häufig über die Ufer treten, weshalb es immer wieder zu Überschwemmungen kommt. Auch Erdbeben und Tsunamis haben verheerende Folgen. Übersetzt aus der Landessprache Tetum bedeutet Timor-Leste soviel wie „Timor der aufgehenden Sonne“.

Auf Portugal folgt Indonesien

Mitte des 16. Jahrhunderts landeten portugiesische Seefahrer auf Timor und stellten den östlichen Teil der Insel unter ihre Herrschaft. 1975 erklärte die Kolonie ihre Unabhängigkeit, die jedoch nur wenige Tage währte. Indonesien besetzte das Land, was in den Folgejahren zu gewaltsamen Auseinandersetzungen führte. Mehr als 100.000 Menschen verloren dadurch ihr Leben, rund 300.000 flohen.

Umfrage für die Unabhängigkeit

Auf Bestreben der Vereinten Nationen (UN) gab es 1999 ein Referendum, wobei ein Großteil der Bevölkerung für die Unabhängigkeit ihres Landes stimmte. Pro-indonesische Milizen verwüsteten daraufhin den Ostteil der Insel und mehrere Hundert Menschen starben. Australische Streitkräfte konnten die Gewalt nach wenigen Wochen beenden, doch die Infrastruktur des Landes war nahezu komplett zerstört: Wohnhäuser und Schulen, Trinkwasseranlagen, Straßen und Stromversorgung. Darunter leidet die Bevölkerung noch heute. Nach einer dreijährigen Übergangsverwaltung durch die UN wurde Timor-Leste 2002 unabhängig. UN-Friedenstruppen mussten jedoch immer wieder intervenieren. Seit 2008 hat sich die Lage zunehmend entspannt.

Herausforderungen für die junge Demokratie

Als eine der jüngsten Demokratien weltweit steht der Inselstaat vor großen Herausforderungen. Die Hälfte der Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze; von weniger als einem Euro pro Tag. Rund 38 Prozent der Einwohner sind unterernährt, an den Folgeschäden leiden die Menschen häufig ein Leben lang. Vor allem die Bewohner ländlicher Gebiete können sich kaum mehr als eine Mahlzeit pro Tag leisten. Auch fehlen der jungen Bevölkerung (46 Prozent sind jünger als 15 Jahre) Bildungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten. Nur etwa die Hälfte der Erwachsenen kann lesen und schreiben.

Unterstützung und Hilfe

Seit 2006 unterstützt World Vision die Bevölkerung in Timor-Leste dabei, ein Leben ohne Armut führen zu können. Dazu haben wir zunächst Nothilfemaßnahmen durchgeführt und Menschen, die durch Unruhen vertrieben wurden, mit Zelten, Nahrungsmitteln und Hygieneartikeln versorgt. Nachdem sich die Lage stabilisiert hatte, hat World Vision die Einwohner in den Bereichen Gesundheit, Ernährungssicherung und Kinderernährung unterstützt und die Bevölkerung aktiv in die Projektarbeit einbezogen. Die Unterernährung bei Kindern ist dadurch zurückgegangen; die unterstützten bäuerlichen Familien haben ausreichend Nahrung. Zudem werden die Kinder nun geimpft, um sie gegen Krankheiten zu schützen. Einige Bauerngruppen produzieren Gemüse und Saatgut, das sie auf Märkten verkaufen. Mit den Einnahmen bezahlen sie das Schulgeld, sodass auch die Bildung der Kinder verbessert wird.