Südsudan - hier bin ich zu Hause

Die Republik Südsudan ist das jüngste Land der Erde. Nach einem Referendum trennte sich die autonome Region im Süden vom Sudan und wurde am 9. Juli 2011 als 54. Staat Afrikas offiziell eigenständig. Mit der Unabhängigkeit erfüllte sich für Millionen Menschen eine lang gehegte Hoffnung.

Blutiger Weg zur Unabhängigkeit

Der Staatsgründung waren Jahrzehnte voller Instabilität, Unruhen und Bürgerkriege vorausgegangen, in denen sich Aufständische aus dem Süden gegen die Dominanz einer arabisch geprägten Elite aus dem Norden zur Wehr gesetzt hatten. Erst 2005 einigten sich die Kriegsparteien in einem Friedensabkommen, das schließlich in die Unabhängigkeit des Südens mündete. Doch Gewalt, Korruption und Misswirtschaft sind auch weiterhin an der Tagesordnung. Die Folge: Der Sudan wie auch der neue Staat Südsudan gehören zu den ärmsten und meistverschuldeten Ländern der Welt.

Schwierige Startbedingungen

Der Südsudan hat seit der Unabhängigkeit mit zusätzlichen Herausforderungen zu kämpfen. Schon in den vergangenen Jahren, doch vor allem im Zuge der Volksabstimmung, kehrten die Menschen zu Hunderttausenden in ihre Dörfer zurück. Die Flüchtlinge stehen jedoch vor dem Nichts. Die Ernährungslage ist katastrophal. Viele Menschen sind von humanitärer Hilfe der internationalen Gemeinschaft abhängig. 

Das Referendum und die Teilung des ehemals größten Flächenstaates Afrikas verliefen ohne Blutvergießen, was angesichts der gewalttätigen Geschichte nicht selbstverständlich war. Doch das Verhältnis beider Staaten bleibt angespannt. Immer wieder kommt es im Grenzgebiet zu militärischen Auseinandersetzungen. Streitpunkte sind der genaue Grenzverlauf und die Aufteilung der Einnahmen aus den Öl-Ressourcen zwischen beiden Ländern.

Bürgerkrieg im Südsudan

Auseinandersetzungen zwischen Regierungstruppen und Oppositionsanhängern in der Hauptstadt Juba 2013 mündeten in einen Bürgerkrieg, der sich rasch auf weite Teile des Landes ausweitete. Auch das Waffenstillstandsabkommen vom 24. Januar 2014 konnte die Kampfhandlungen nicht beenden. Als Folge der blutigen Auseinandersetzungen sind die Einwohner erneut gezwungen, ihr Zuhause zu verlassen: Zwei Millionen Menschen sind auf der Flucht, darunter Hunderttausende Kinder, die meisten von ihnen innerhalb der Landesgrenzen.

Dazu kommt die anhaltende Wirtschaftskrise im Land. Rund jeder zweite Südsudanese wird nach Schätzung der Vereinten Nationen im Laufe des Jahres 2017 auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen sein. Über eine Million Kinder sind bereits in einem sehr schlechten Ernährungszustand.

Internationale Hilfsorganisationen, darunter World Vision, unterstützen die Flüchtlinge und Binnenvertriebenen mit notwendigen Hilfsgütern, etwa Nahrungsmitteln, Trinkwasser, Hygieneartikeln sowie einer Unterkunft. Dank mobiler Nothilfe-Teams kann World Vision auch in Regionen helfen, in denen viele Menschen auf der Flucht sind

Grund zur Hoffnung

Doch trotz aller Schwierigkeiten gibt es durchaus hoffnungsvolle Perspektiven. Der Südsudan  verfügt über reiche Bodenschätze, darunter Öl, Erze, Edelmetalle und Gold. Eine wichtige Ressource für die Landwirtschaft ist das Nilwasser und in weiten Teilen des Landes fruchtbarer Ackerboden. Jetzt geht es darum, im Südsudan tragfähige staatliche Strukturen aufzubauen, eine gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung in Gang zu setzen und die Bevölkerung mit Basisdienstleistungen wie Bildung und Gesundheitsdiensten zu versorgen.

Unterstützung und Hilfe

World Vision ist seit Jahren mit Ernährungs- und Gesundheitsprojekten im Sudan aktiv und arbeitet dabei eng mit anderen internationalen Organisationen, etwa dem Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) zusammen. Die Staatsgründung des Südsudan hat World Vision von Anfang an mit humanitären Hilfsprojekten für Flüchtlinge, Binnenvertriebene und Rückkehrer begleitet.