Sierra Leone - hier bin ich zu Hause

Sierra Leone, kaum größer als Bayern, liegt im äußersten Westen Afrikas. Liberia und Guinea umgeben es als Nachbarn und im Südwesten grenzt es auf einer Länge von wenig mehr als 400 km an den Atlantischen Ozean.

Kleines Land mit großem Namen

„Löwengebirge“ nannten es frühere Seefahrer nach der Form der Berge, die sie von der Küste aus mit ihren bis zu 112 Kilometer langen Sandbänken an schlafende Löwen erinnerten. Die dahinter liegenden Waldgebiete mit drei großen Flussläufen werden zum Teil landwirtschaftlich genutzt. Das Klima ist tropisch-feucht und Niederschläge gibt es reichlich – bis zu 5.000 Millimeter pro Jahr. Regenzeiten wechseln sich mit Trockenzeiten und starken Winden aus der Sahara ab.

Wer schlafende Löwen weckt...

Das Land war schon lange von afrikanischen Stämmen besiedelt, als im 18. Jahrhundert Engländer an der Küste Land erwarben. 1808 wurde Sierra Leone Kronkolonie und 1961 ein unabhängiger Staat des Commonwealth. Danach litt es unter wechselnden Regierungen, Putschen, Rebellenübergriffen aus Liberia und am Ende einem brutalen Bürgerkrieg. Seit der Krieg 2002 für beendet erklärt wurde, hat sich die Lage stabilisiert. Aber die Folgen sind noch überall zu spüren und Unrecht muss aufgearbeitet werden.

Ebola verschlimmert die Notlage

2014 warf der Ausbruch der Ebola-Epidemie mit mehreren tausend Toten das Land in seiner Entwicklung zurück. Das öffentliche Leben kam zum Erliegen, Schulen, Märkte und Unternehmen wurden geschlossen, ganze Dörfer unter Quarantäne gestellt. Lebensmittel wurden knapp, das unterentwickelte Gesundheitssystem war überfordert, der Notstand wurde ausgerufen.

Heute leiden die Menschen nach wie vor unter großer Armut und hoher Arbeitslosigkeit vor allem bei den Jugendlichen.

Bildung - der wichtigste Baustein

Der Bürgerkrieg hatte auch für die Schulbildung fatale Folgen. Das ohnehin schwache Bildungssystem wurde noch weiter zerstört. Mehr als 60 Prozent der Menschen sind Analphabeten und viele frühere Kindersoldaten haben nie eine Schule besucht. Trotz Schulpflicht und Kostenfreiheit gehen viele Kinder nicht zur Schule, weil Bücher und Material zu teuer, Schulwege zu weit und die Schulen schlecht ausgestattet sind. Vor allem Mädchen müssen oft zu Hause bleiben.

Tiefe Wunden heilen langsam

Die Wirtschaft wächst wieder jährlich um sieben Prozent, aber für echten Aufschwung genügt dies nicht. Das Land ist reich an Diamanten, aber der Bürgerkrieg brachte die Förderung praktisch zum Stillstand. Zwei Drittel der Menschen leben von der Landwirtschaft. Angebaut werden Reis, Hirse und Maniok und für den Export Kaffee, Palmkerne und Kakao. 70 Prozent leben von weniger als einem US-Dollar pro Tag und die Arbeitslosigkeit ist hoch. Kriegsinvaliden und ehemalige Kindersoldaten sind ein zusätzliches Problem.

Ein ganzes Land braucht Erste Hilfe

Noch immer ist das Gesundheitssystem fast völlig zerstört. Krankenhäuser, Personal und medizinische Versorgung fehlen nahezu ganz. Die Kindersterblichkeit ist weltweit eine der höchsten. Es gibt kaum Vorbeugungsmöglichkeiten gegen Malaria, Lassa-Fieber, Atemwegs- und Durchfallerkrankungen, aber auch nicht gegen AIDS. Viele erkranken, weil trotz genügend Regen der Zugang zu sauberem Trinkwasser fehlt. Invaliden, Waisen und Witwen des Bürgerkriegs erhalten wenig Hilfe.

Unterstützung und Hilfe

Sierra Leone kann den Wiederaufbau nicht allein bewältigen. Auf politischer Ebene erfährt es daher international Hilfe und Unterstützung. Karitative und Nichtregierungsorganisationen konzentrieren sich auf die Verbesserung der alltäglichen Lebenssituation der Menschen. Sie bieten Hilfe und Unterstützung vor allem in den Bereichen Gesundheit und Bildung. Und tragen so dazu bei, den Menschen Mut und neue Perspektiven für eine bessere Zukunft zu geben.

Hilfe für Kind, Familie und Umfeld 

World Vision hilft weltweit Menschen in Not – und setzt dabei auf nachhaltige Hilfe zur Selbsthilfe. Die Unterstützung kommt immer dreifach an: bei den Kindern, ihren Familien und ihrem Umfeld. In Sierra Leone wird seit 1996 Katastrophenhilfe geleistet und es werden Entwicklungsprogramme durchgeführt. So wird zum Beispiel die Bohrung von Brunnen gefördert, um der Bevölkerung zu einem besseren Lebensstandard zu verhelfen.