Nicaragua - hier bin ich zu Hause

Das „Land der tausend Vulkane“ zwischen der Karibik- und Pazifikküste ist vor allem für seine politische Instabilität, Bürgerkriege und Naturkatastrophen bekannt. Große Städte liegen nur im Westen des Landes. Durch den Osten Nicaraguas erstreckt sich ein großer Teil des Regenwaldes.

Karibische Strände und Mangrovenwälder

Die Landschaft Nicaraguas ist traumhaft. Durch die wenigen Ballungsgebiete im Westen leben statistisch gesehen nur etwa 42 Menschen auf einem Quadratkilometer. Das ganze Jahr hindurch herrscht in dem größten Land Mittelamerikas ein feuchtheißes Klima. Zwischen dem Norden und dem Süden verläuft die Nicaraguasenke, an deren Rändern es häufig zu Erdbeben kommt. Immer wieder bricht einer der elf aktiven Vulkane aus. Erdrutsche und Wirbelstürme richten regelmäßig schwere Schäden an.

Ein Land, das keine Ruhe findet

Seit Kolumbus das Land betrat, wurde es von Konquistadoren und später von Briten als Kolonialmacht besetzt. Durch Versklavung, Kriege, Krankheiten und Vermischung mit Einwanderern reduzierte sich die Zahl der indigenen Bevölkerung drastisch. Die Unabhängigkeit (1821) brachte nicht die erhoffte Ruhe, statt dessen zwei US-amerikanische Militärinterventionen, eine Revolution in den 1970er Jahren und einen Bürgerkrieg in den 1980er Jahren. Nach 1990 fand das Land zwar zurück zu demokratischen Regierungen, doch Beobachter monierten bereits bei den Wahlen 2011 Unregelmäßigkeiten, bei den jüngsten Wahlen 2016 rief die Opposition zum Boykott der Abstimmung auf. Präsident Ortega wurde dennoch zum dritten Mal in Folge ins Amt gewählt.

Viel Potenzial - nur keine Chancen

Nicaragua ist ein sehr fruchtbares Land, aber seine Bevölkerung ernährt es nicht. Oft werden Ernten durch Unwetter vernichtet; ein großer Teil der Erträge wird exportiert. 19 Prozent der über 15-Jährigen (38 Prozent sind jünger als 15) sind Analphabeten. Seit nun der Schulunterricht kostenlos ist, können ihn mehr Kinder besuchen.Viele Gebäude sind aber renovierungsbedürftig. Sinnvolle Freizeitangebote und berufliche Förderung fehlen – und das endet oft in Resignation, Drogen- und Alkoholmissbrauch und Gewalt – auch in der Familie.

Alltag ist Kampf ums Überleben

Nicaragua ist nach Haiti das zweit ärmste Land der Region Lateinamerika und Karibik. Von Monokulturen ausgelaugte Böden, der Mangel an Saatgut, Infrastruktur und Krediten, aber auch sinkende Weltmarkt-Preise verschlimmern die Situation in den Familien.Viele müssen ihr Land verkaufen und ziehen in die riesigen Elendsviertel der Städte. Aber auch hier wartet oft nur Arbeitslosigkeit oder eine geringfügige Beschäftigung, die die Lebenshaltungskosten nicht deckt. Fast 80 Prozent der Bevölkerung lebte 2005 von weniger als zwei und 16 Prozent von weniger als 1,25 US-Dollar pro Tag.

Gesundheit - ein todernstes Thema

Zehn Prozent der Kinder unter fünf Jahren sind unterernährt. Sauberes Trinkwasser, Latrinen und Kanalisation sind Mangelware. 2006 hatten 21 Prozent der Bevölkerung keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Die Folge sind Infektionen, die für die ohnehin geschwächten Kinder oft tödlich enden. Die medizinische Versorgung, Aufklärung und Hygiene reichen bei weitem nicht aus. Die Lebenserwartung liegt heute bei durchschnittlich 70 Jahren. Ohne Hilfe von außen kann sich die Lebenssituation der Menschen in den nächsten Jahren verschlimmern.

Unterstützung und Hilfe

Politisch-administrative Programme helfen vor allem beim Ausbau rechtsstaatlicher Strukturen, bei der Entschuldung des Landes und dem Aufbau einer nachhaltigen Ressourcenwirtschaft. Karitative und Nichtregierungsorganisationen konzentrieren sich auf die unmittelbare Lebenssituation der Menschen und helfen bei der Trinkwasserversorgung, erarbeiten Bildungsprogramme und vergeben Mikrokredite.

Hilfe für Kind, Familie und Umfeld 

World Vision hilft weltweit Menschen in Not – und setzt dabei auf nachhaltige Hilfe zur Selbsthilfe. Die Unterstützung kommt immer dreifach an: bei den Kindern, ihren Familien und ihrem Umfeld. In Nicaragua wird seit 1994 Katastrophenhilfe geleistet und es werden Entwicklungsprogramme durchgeführt. Mittlerweile konnten bereits zwei Entwicklungsprojekte an die Bevölkerung übergeben werden, die nun eigenständig für einen besseren Lebensstandard sorgen kann.