Der Libanon ist ein kleines Land am östlichen Rand des Mittelmeeres zwischen Israel und Syrien. Mit etwa 10.000 Quadratkilometern Fläche ist das Land nur ungefähr halb so groß wie Hessen, trotzdem gibt es abwechslungsreiche Landschaften: Einen über 200 Kilometer langen, schmalen Küstenstreifen; das Libanon-Gebirge; die fruchtbare Beeka-Ebene, wo sich die Landwirtschaft konzentriert; und das trockene Anti-Libanon-Gebirge mit dem Berg Hermon. Während man an der Küste baden kann, liegt auf dem bis zu 3.000 Meter hohen Libanon-Gebirge im Winter Schnee. Die weißen Gipfel haben dem Land seinen Namen gegeben; die Sprachwurzel „lbn“ bedeutet „weiß“.

Zuflucht für palästinensische Flüchtlinge 

Seit beinahe 60 Jahren leben palästinensische Flüchtlinge im Libanon, derzeit sind insgesamt über 450.000 von ihnen offiziell bei den Vereinten Nationen registriert. Rund die Hälfte von ihnen lebt noch immer in Flüchtlingslagern, die heute teilweise eigene Stadtviertel geworden sind. Trotz der großen Armut versuchen die Familien dort, mit den schwierigen Lebensbedingungen zurechtzukommen. Vor allem die Kinder leiden unter der schlechten Bildungs- und Gesundheitsversorgung und unzureichender Infrastruktur. Insgesamt gibt es im Libanon zwölf offizielle Lager für palästinensische Flüchtlinge.

Syrien-Krieg: Noch mehr Flüchtlinge

Seit 2011 muss der Libanon infolge des syrischen Bürgerkrieges noch mehr Flüchtlinge versorgen. Nicht alle Menschen haben das Glück, in einer Mietwohnung unterkommen zu können. So leben viele in Garagen, verlassenen Gebäuden oder provisorischen Siedlungen. Dort gibt es kaum fließendes Wasser, sanitäre Anlagen oder eine Müllabfuhr, weshalb die unhygienischen Verhältnisse die Gesundheit der Familien gefährden. Die Bevölkerungszahl ist im Libanon durch den Syrien-Krieg stark angestiegen, so dass zum Beispiel die Anzahl der syrischen Flüchtlingskinder, die eingeschult werden müssten, inzwischen die Zahl libanesischer Kinder gleichen Alters übertrifft. Schätzungen des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen zufolge leben 1,1 Millionen syrische Flüchtlinge im Libanon.

World Vision im Libanon

1975 startete World Vision sein Engagement im Libanon mit humanitärer Hilfe; mit Nahrung, Notunterkünften und medizinischer Versorgung nach dem Bürgerkrieg. Heute leistet World Vision langfristige und nachhaltige Entwicklungsarbeit, in die die Familien selbst stark eingebunden sind – Hilfe zur Selbsthilfe.

Im Zuge der Syrienkrise hat World Vision im Libanon bisher rund 300.000 Menschen unterstützt, vor allem in den Bereichen Kinderschutz, Bildung, Wasser- und Sanitärversorgung, Hygiene, Nahrungsmittel und Hilfsgüter. World Vision arbeitet hauptsächlich in der Beeka-Ebene im Grenzgebiet zu Syrien, wo sich viele Flüchtlinge niederlassen, aber auch im Süden und anderen betroffenen Landesteilen.