Jordanien - hier bin ich zu Hause

Das Königreich Jordanien steht für Stabilität und Sicherheit in einer Region, die für Krisen und Konflikte bekannt ist. Das Land ist für seine Gastfreundschaft bekannt und hat in der Vergangenheit oft Flüchtlinge aufgenommen, etwa aus dem Westjordanland, dem Irak, dem Libanon und Syrien. Die hohe Anzahl an Flüchtlingen, die seit Beginn der Syrienkrise nach Jordanien kommen, stellt das Land jedoch vor große Herausforderungen.

Zuflucht für Flüchtlinge

In Jordanien lebten bereits vor dem Ausbruch des syrischen Bürgerkrieges viele Flüchtlinge, vor allem Palästinenser aus dem Westjordanland, die 1947/1948 und 1967 aus Israel flohen. Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern hat die Mehrheit der palästinensischen Flüchtlinge in Jordanien auch die jordanische Staatsangehörigkeit. Obwohl die meisten dieser Flüchtlinge in die jordanische Gesellschaft integriert sind, leben noch etwa 370.000 Palästinenser in zehn offiziellen Flüchtlingslagern. Diese Lager haben im Laufe der Jahrzehnte oft den Charakter von Stadtvierteln angenommen. Die Flüchtlinge werden vom Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten, UNRWA, unterstützt.

Im Laufe der Zeit hat Jordanien auch immer wieder Flüchtlinge aus Krisen und Konflikten der Region aufgenommen, Anfang des Jahrtausends aus dem Irak und nun aus Syrien. Im Zuge der Syrienkrise kamen über eine halbe Million Syrer nach Jordanien, was einem Zehntel von Jordaniens Bevölkerung entspricht. Die größte Anzahl der syrischen Flüchtlinge wohnt in gemieteten oder anderen provisorischen Unterkünften unter der jordanischen Bevölkerung, nur rund 20 Prozent leben in Flüchtlingslagern. Die größten Lager befinden sich in Za’atari und Azraq, wo zusammen etwa 100.000 Menschen leben.

Nicht alles läuft rund 

Trotz großer Anstrengungen der jordanischen Regierung und von Hilfsorganisationen ist die Lage der syrischen Flüchtlinge in Jordanien besorgniserregend. Die große Anzahl an Flüchtlingen, die in den Städten leben, bleibt nicht ohne Konsequenzen: Die Mieten steigen, weil Flüchtlinge Wohnungen aus Not überbelegen und daher mehr zahlen können. Andere bieten ihre Arbeitskraft zu Niedriglohnpreisen an. Auch die Lebensmittel sind teurer geworden. Übervolle öffentliche Schulen fahren teils ein Zweischichtsystem – morgens kommen die jordanischen, nachmittags die syrischen Kinder. Die Flüchtlingslager sind überfüllt, im größten Lager Za’atari leben mehr als doppelt so viele Bewohner wie ursprünglich vorgesehen.

World Vision in Jordanien

Aufgrund der Notsitution der syrischen Flüchtlinge begann World Vision im Mai 2013 in Jordanien Unterstützung zu leisten. Seitdem hat World Vision bereits 260.000 Menschen geholfen. In Kinderschutzzentren wird syrischen Flüchtlingskindern ein geschütztes Umfeld angeboten, in dem sie Kind sein dürfen und mit anderen Kindern spielen und Beziehungen aufbauen können. World Vision rehabilitiert zudem Schulen und bietet syrischen Flüchtlingskindern Förderunterricht an, um ihnen den Zugang zum jordanischen Bildungssystem zu ermöglichen. World Vision hilft auch bei der Versorgung mit Trinkwasser und dem Zugang zu sanitären Anlagen. Bei den Hilfsmaßnahmen werden sowohl Flüchtlinge in Gastgemeinden wie auch Flüchtlinge in Lagern unterstützt und auch bedürftige jordanische Familien berücksichtigt.