Haiti - hier bin ich zu Hause

2016 richtete der Tropensturm Matthew auf Haiti schwere Verwüstungen an. Im Süden der Insel sind 80 bis 90 Prozent der Häuser beschädigt und viele Ernten zerstört – fatal in dem ohnehin schon armen Land. Denn schon vor dieser Naturkatastrophe hatte der kleine Karibikstaat mit großen Problemen zu kämpfen und galt als das Armenhaus" der westlichen Welt – zugleich besitzt Haiti eine traumhafte Landschaft, ein buntes kulturelles Leben und tapfere Menschen, die sich nicht unterkriegen lassen.

 

Karibische Träume

Auf den ersten Blick könnte Haiti ein Urlaubsparadies sein. Der Staat teilt sich mit der Dominikanischen Republik die Insel Hispaniola im karibischen Meer. Die zwei großen Halbinseln Haitis sind von Bergzügen dominiert, die von vielen engen Tälern durchzogen werden. An der zerklüfteten Küste liegen viele natürliche Häfen und Buchten. Im tropisch-warmen Klima gedeihen Orchideen und Mangobäume, allerdings sind die Wälder durch intensive Abholzung stark verringert worden.

Ein krisengeschütteltes Land

Bis heute sind die Folgen einer jahrhundertelangen Geschichte der Unterdrückung und politischen Unsicherheit spürbar. Nach der Landung von Kolumbus 1492 haben die spanischen Kolonialherren die Urbevölkerung gnadenlos ausgebeutet und fast völlig vernichtet. Im 16. Jahrhundert verschleppten sie afrikanische Sklaven für die Arbeit auf den Plantagen nach Hispaniola. 1697 trat Spanien das heutige Haiti an Frankreich ab. 1804 wurde das Land ein unabhängiges Königreich, blieb aber weiter instabil. Es folgten Jahre der Besatzung, der Clan-Herrschaft, Aufstände und Militärregierungen. 

Als 1990 Aristide erster gewählter Präsident Haitis wurde, erhofften sich die Menschen endlich Ruhe und Frieden. Doch bereits 1991 wurde er von der Armee gestürzt, bevor er 1994 mit der Unterstützung der USA zurückkehren konnte. Doch der Protest war so stark, dass auch UN-Truppen keine Stabilität bringen konnten, ebenso wenig wie der 1996 gewählte Präsident Preval.

Das Volk litt unter dem wirtschaftlichen Niedergang und unter mehreren großen Flutkatastrophen und Wirbelstürmen – und es kommt nicht zur Ruhe: Im Januar 2010 wurde Haiti von einem der schwersten Erdbeben weltweit getroffen, bei dem über 300.000 Menschen starben, 2016 zerstörte Hurrikan Matthew erneut Häuser und Ernten. Die Menschen des krisengeschüttelten Landes bleiben weiterhin auf internationale Unterstützung angewiesen.

 

Haiti heute

Landwirtschaftlich genutzt werden kann etwa ein Drittel des Landes, wobei große Flächen durch die Abholzung und Bodenerosion unfruchtbar geworden sind. Rund zwei Drittel der Haitianer leben von der Landwirtschaft, doch viele Nahrungsmittel müssen importiert werden. Exportiert werden beispielsweise Kaffee, Mangos und Zuckerrohr, jedoch waren die Verkehrswege auch schon vor dem Erdbeben von 2010 so schlecht, dass die Bauern ihre Produkte häufig gar nicht zum Hafen transportieren konnten. Mindestens 80 Prozent der Menschen lebten von weniger als umgerechnet zwei US-Dollar pro Tag – das Beben wirft die Entwicklung des Landes noch einmal weit zurück. Nach dem Beben war der Ausbruch der Cholera in den Lagern der Katastrophenflüchtlinge ein weiterer Schock für das krisengeschüttelte Land. Gerade die Ärmsten der Armen konnten sich kaum vor einer Ansteckung schützen, denn ihnen fehlt das, was für uns selbstverständlich ist: Sauberes Trinkwasser, sanitäre Anlagen und medizinische Betreuung.

Unterstützung und Hilfe

World Vision engagiert seit über 30 Jahren in Haiti, vor allem in den ländlichen Regionen. Mit wenigen Ausnahmen stammen auch die Mitarbeitenden aus Haiti. In Zusammenarbeit mit Gemeinden, und lokalen Organisationen, aber auch mit der Regierung und den Vereinten Nationen setzt World Vision zahlreiche Projekte um, die Kindern in ihrem Umfeld bessere Entwicklungsmöglichkeiten - durch Zugang zu Bildung, durch gute Ernährung und ausreichende Gesundheitsvorsorge oder auch sinnvolle Beteiligung - und mehr Schutz vor Gewalt und Ausbeutung verschaffen sollen. Auf Katastrophenhilfe-Einsätze ist das Büro durch ein Nothilfe-Team und Vorratslager vorbereitet.

Nach dem Erdbeben 2010 leistete World Vision im internationalen Verbund umfangreiche humanitäre Hilfe und konnte die Situation tausender Menschen verbessern. Rund zwei Jahre versorgte World Vision zum Beispiel mindestens 90.000 Bewohner von 25 Zeltcamps mit Trinkwasser, leistete medizinische Hilfe und weitflächige Gesundheitsaufklärung, half den Kindern und Familien dort auch den schwierigen Alltag zu bewältigen.

Gemeinsam mit „Aktion Deutschland Hift" und der Deutschen Telekom baute World Vision im Norden der Hauptstadt Port-au-Prince eine große Schule mit Vorschule, sowie Spielplätze und Treffpunkte in der neu geschaffenen Siedlung Corail. Familien, die ihr Hab und Gut verloren hatten, standen wir mit Existenzgründungsmaßnahmen zur Seite. Sie sollten in die Lage versetzt werden, sich wieder aus eigener Kraft zu versorgen, und nicht länger auf Hilfe von außen angewiesen sein. Sie erhalten zum Beispiel Hühner als Grundlage für eine Zucht oder ein kleines Startkapitel für ein Gewerbe. Gezielt unterstützt wurden auch Straßenkinder, ältere Menschen und Haushalte mit HIV-infizierten Menschen.