BOLIVIEN - HIER BIN ICH ZU HAUSE

Zwischen den tropisch-heißen Regenwäldern an den Grenzen nach Brasilien erheben sich in den Anden schneebedeckte Gipfel bis zu 6.500 m Höhe. Daneben erstrecken sich weite Buschsavannen ebenso wie ein besiedeltes zentrales Hochland mit angenehmen Temperaturen. Tropische Hitze im Tiefland wechselt mit arktischer Kälte im Hochland und auf Regenzeiten folgen Trockenphasen.

Ein reiches Land voller Gegensätze

Nicht nur die große landschaftliche und klimatische Vielfalt prägt Bolivien, sondern auch sein beachtlicher Reichtum an Bodenschätzen: Hier liegen Gold, Silber, Platin und Zinn, das zweitgrößte Erdölvorkommen Lateinamerikas und bedeutende freie Erdgasreserven. Zusammen bilden sie ein wertvolles Reservoir, aus dem das Land zum Nutzen aller schöpfen könnte – aber der Weg dorthin ist noch lang.

Langer Weg zurück zur Ruhe

1538 eroberten die Spanier das Inka-Reich (Hochperu), zu dem das heutige Bolivien gehört. Damit begann die Ausbeutung der Ureinwohner und der Unfriede, der von der Hoffnung auf Gold und Reichtum genährt wurde. Die Unabhängigkeit 1825 unter dem ersten Präsidenten Simon Bolivar brachte keinen sozialen Frieden und Wohlstand. Aufstände, Putsche und Diktaturen lösten sich weiterhin ab. Erst seit 1982 hat das Land wieder einen gewählten Präsidenten. Seit 2006 ist Evo Morales Staatsoberhaupt und damit nicht nur der bislang am längsten amtierende, sondern auch der erste indigene Präsident Boliviens. Neben der Armutsbekämpfung ist sein wichtigstes Ziel die vollständige Teilhabe der indigenen Bevölkerungsmehrheit am politischen und wirtschaftlichen Leben. Fortschritte wurden zwar erzielt, doch der Weg ist noch weit und kritische Stimmen an der Politik der Regierung mehren sich zuletzt.

Keine Entwicklung ohne Bildung

Bolivien ist reich an Bodenschätzen, doch auch hier macht sich der gravierende Fachkräftemangel bemerkbar, der wiederum mit der schwierigen Bildungssituation zusammenhängt. Nur 70% der Kinder besuchen derzeit eine Schule. Schulmaterial und Schuluniformen sind sehr teuer, und Angebote zur beruflichen Bildung und qualifizierte Lehrer fehlen. Nur wenn sich dies ändert, kann die Lage nachhaltig verbessert werden.

Probleme auf dem Arbeitsmarkt

In Bolivien gibt es keine ausreichend große verarbeitende Industrie, und auf breiter Front fehlen Arbeitsplätze – allerdings auch die Bildung dazu und Fachkräfte. Meist wird der Eigenbedarf auf kleinsten Parzellen erwirtschaftet, die kaum eine der großen Familien ernährt. Kleine Tagelöhner- oder handwerkliche Arbeiten bieten ein karges Zubrot. Wasser- und Energieversorgung und folglich die Hygiene- und Gesundheitssituation sind weithin unzulänglich.

Gesundheit und Wasser

Bis zu 20 Personen, die in provisorischen Ein-Raum-Hütten leben, unsauberes Trinkwasser aus dem Brunnen, fehlendes Wissen über Hygiene und Gesundheit und kaum medizinische Versorgung – so sehen die Verhältnisse auf dem Land aus. In städtischen Gebieten haben zwar 78% der Haushalte sauberes Trinkwasser und 87% einfache Latrinen, aber nur 20% sind an ein Abwassernetz angeschlossen. Gefährliche Infektionen sind daher an der Tagesordnung.

Unterstützung und Hilfe

Bolivien erhält internationale Unterstützung bei der Entwicklung von Demokratie und einer marktorientierten Wirtschaftsordnung sowie beim Kampf gegen Armut und medizinische Unterversorgung. Karitative und Nichtregierungsorganisationen konzentrieren sich auf die Verbesserung der alltäglichen Lebenssituation der Menschen. World Vision bietet Schulungen in Hygiene, Gesundheit und Ernährung, hilft beim Ausbau der Trinkwasserversorgung und erarbeitet Programme zur Schul- und Weiterbildung. So bekommen die Menschen neuen Mut und neue Perspektiven für eine bessere Zukunft.

Hilfe für Kind, Familie und Umfeld

World Vision hilft weltweit Menschen in Not – und setzt dabei auf nachhaltige Hilfe zur Selbsthilfe. Die Unterstützung kommt immer dreifach an: bei den Kindern, ihren Familien und ihrem Umfeld. World Vision arbeitet seit 1994 in Bolivien, wo nötig mit Katastrophenhilfe und langfristig durch Regional-Entwicklungsprojekte, um der Bevölkerung zu einem besseren Lebensstandard zu verhelfen.