Bangladesch - hier bin ich zu Hause

Wasser ist das große Thema in Bangladesch, dem Land der Erde, das so dicht besiedelt ist wie kaum ein anderes. Durch das Wasser der Flüsse Brahmaputra, Ganges und Meghna werden die Felder des Landes fruchtbar. Aber es überschwemmt auch Häuser und Dörfer und vernichtet die Ernten. Wasser bedeutet hier Leben, oft aber auch Tod.

Viele Menschen und viel Wasser

Auf engstem Raum leben hier mehr als 1.000 Menschen pro Quadratkilometer bei tropischer, extrem feuchter Hitze. Die Flüsse und Ströme, die sich quer durch das Land ziehen, führen durch die Abholzungen im Himalaja immer mehr Wasser und überschwemmen das Land regelmäßig. Oft treiben Wirbelstürme noch mehr Wassermassen ins Landesinnere. Die Auswirkungen sind sowohl für das Land als auch für seine Einwohner katastrophal.

Junges Land mit Tradition

Bis 1947 gehörte Bangladesch zu Britisch-Indien. Nach der Trennung zwischen Indien und Pakistan wurde es zu Ostpakistan bzw. Ostbengalen. Von den extremen Spannungen auf dem Subkontinent war das Land stets betroffen. Als Teil Pakistans fühlte es sich wegen seiner eigenen Kultur und Sprache stark diskriminiert. 1971 erlangte das Land schließlich die Unabhängigkeit und rief die Volksrepublik Bangladesch aus. Die ersehnte Ruhe blieb in den nächsten beiden Jahrzehnten jedoch aus – lange innere Kämpfe mit Putschs und Gegenputschs folgten. Nach dem Volksaufstand von 1990 kehrte das Land zur parlamentarischen Demokratie zurück. Seither wird das politische Geschehen von den beiden größten politischen Parteien und ihren Auseinandersetzungen bestimmt.

Kreislauf des Elends

Viele Bengalen sind Analphabeten und arbeiten als Tagelöhner. 60 Prozent der Menschen bleibt nur die Landwirtschaft als Lebensunterhalt. Versuchen sie ihr Glück in großen Städten, enden sie oft mangels Angebot und Ausbildung in den Elendsvierteln. Zwar boomt die Textil-Industrie, aber es gibt kaum qualifizierte Arbeitskräfte. Die Arbeitsbedingungen sind so schlecht, dass sie niemand lange aushält und arme Menschen, die jeden Job übernehmen, gibt es hier genug.

 

Wenig Bildung - hohe Kosten

Das Bildungsangebot ist trotz der 1993 eingeführten Schulpflicht noch immer ungenügend. 46 Prozent der Menschen sind Analphabeten. Zwar wird kein Schulgeld verlangt, aber die Kosten für Lernmittel und Schuluniform sind für viele Eltern zu hoch. Vor allem Mädchen bleiben als Arbeitskräfte zu Hause. Freizeitangebote gibt es kaum.

 

Gift für die Gesundheit

Es herrscht feuchte Hitze und nur 36 Prozent der Bevölkerung hat Zugang zu verbesserten Latrinen. Die Folge sind Infektionen und Durchfallerkrankungen, die für Kinder oft tödlich enden. Zugang zu Trinkwasser haben zwar schon 80 Prozent der Menschen, aber 90 Prozent der Landbevölkerung tragen giftiges Arsen im Körper, das sich aus dem Pyrit im Grundgestein löst und ins Grundwasser gelangt. Die HIV/AIDS-Rate liegt offiziell nur bei 0,1 Prozent, bei den Hochrisikogruppen unter einem Prozent. Zu befürchten ist aber eine hohe Dunkelziffer. Vor allem Frauen sind von dem tödlichen Virus bedroht.

Hilfe und Unterstützung

Bangladesch ist eines der ärmsten Länder der Welt. Hilfe ist vorrangig im Bereich Gesundheit und Ernährung wichtig. Denn 30 Prozent der Bevölkerung und 48 Prozent der Kinder unter fünf Jahren leiden an Unterernährung. Auch an einer praktikablen und erschwinglichen Lösung des Arsenproblems im Grundwasser wird gearbeitet. Ein weiterer Schwerpunkt der Hilfe liegt in der Schul- und Ausbildung sowie dem Abbau traditioneller Vorurteile gegen Frauen und Mädchen.

 

Hilfe für Kind, Familie und Umfeld

World Vision hilft weltweit Menschen in Not – und setzt dabei auf nachhaltige Hilfe zur Selbsthilfe. Die Unterstützung kommt immer dreifach an: bei den Kindern, ihren Familien und ihrem Umfeld. World Vision arbeitet seit über 20 Jahren in Bangladesch, wo nötig mit Katastrophenhilfe und langfristig durch Regional-Entwicklungsprojekte, um der Bevölkerung zu einem besseren Lebensstandard zu verhelfen.