Äthiopien - hier bin ich zu Hause

Lange Traditionen und ihre Erblast

Nach der ersten Gründung durch König Salomos Sohn Menelik (um 1000 v. Chr.) entstand im elften Jahrhundert ein Zentralstaat. Einwandernde Nomaden durften zwar Land pachten, es aber nicht erwerben und wurden abhängig von Grundherren. Nach Absetzung des letzten Kaisers und einem Bürgerkrieg wurde das Land kommunistisch. Der Staat verpachtete das Land, verkaufte es aber nicht. Daran hat auch die Einführung der Republik 1991 nichts geändert. Das Land wird seitdem weitgehend autoritär regiert.

Zukunft bleibt vielen verschlossen

Nur 36 Prozent der über 15-Jährigen in Äthiopien können lesen und schreiben. Denn das Bildungsangebot ist unzureichend. Vorgesehen sind zwar acht Grundschuljahre, angeboten werden aber meist nur vier und weiterführende Schulen sind rar. Die Ausstattung der Schulen ist dürftig und Lehrer sind schlecht qualifiziert. Viele Kinder brechen die Schule ab, weil die Kosten für Uniform und Material zu hoch sind, weil sie zu Hause helfen oder die Mädchen früh verheiratet werden.

Alte Strukturen und geringe Anreize

Das Land lebt weitgehend vom Export von Kaffee, Gemüse und Textilien. Die verpachteten Parzellen sind oft zu klein oder zu ungünstig gelegen, um genügend Gewinn zu erzielen. Investitionen rechnen sich kaum und gute Infrastruktur fehlt. So kommt die Modernisierung nur mühsam voran. Schwache Weltmarktpreise, der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften und Rückschläge wie die verheerende Hungersnot 1984/85 oder die Dürrekatastrophe 2015 machen Äthiopien zu einem der ärmsten Länder der Welt.

Selbst das Nötigste fehlt

Die äthiopische Bevölkerung ist rasant gewachsen. In der Folge wurde zu viel Wald gerodet, das Land laugt aus und neue Hungersnöte drohen. Knapp die Hälfte der Bevölkerung ist unterernährt. Sauberes Trinkwasser haben 22 Prozent und sanitäre Anlagen 13 Prozent der Menschen. Die medizinische Betreuung weist viele Mängel auf. Krankenhäuser gibt es nur wenige. Ein großes Problem ist die Ausbreitung von AIDS und die wachsende Zahl von Waisen. Viele Kinder sterben schon vor ihrem fünften Geburtstag.

Unterstützung und Hilfe 

Äthiopien ist ein sehr armes Land. Auf politischer Ebene erfährt es humanitäre Hilfe in Krisen, Naturkatastrophen oder Notsituationen und internationale Unterstützung insbesondere in Wirtschaftsfragen. Karitative und Nicht-Regierungsorganisationen kümmern sich vor allem um die Verbesserung der alltäglichen Lebenssituation der Menschen. Sie bieten Schulungen in Hygiene, Gesundheit und Ernährung, helfen beim Ausbau der Trinkwasserversorgung, erarbeiten Programme zur Schul- und Weiterbildung. Und tragen so dazu bei, den Menschen Mut und neue Perspektiven für eine bessere Zukunft zu geben.

Hilfe, die dreifach ankommt 

World Vision hilft weltweit Menschen in Not und setzt dabei auf nachhaltige Hilfe zur Selbsthilfe. Im Mittelpunkt der Arbeit steht die Unterstützung von Kindern, ihren Familien und ihrem Umfeld. In Äthiopien hat World Vision erstmals 1976 Katastrophenhilfe geleistet. Seitdem sind wir in dem Land mit Entwicklungsprogrammen aktiv. Mehr und mehr nehmen die Menschen die Entwicklung in Äthiopien selbst in die Hand und sorgen eigenständig für bessere Lebensbedingungen.